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Aus dem Ueis-'bcrkhte der deutschen Bark »Oscar“.
gehabt, die Erlaubnis, einen Besuch an Bord annehmen zu dürfen, in obiger
Weise zu erwirken.
Die Kolonie JoinviÜe bietet einem fleifsigen, strebsamen deutschen Ein
wanderer, falls er an harte Arbeit gewöhnt ist und mit dem Entschlufs, auch
in Zukunft keine solche scheuen zu wollen, hierher kommt, Alles das, was er
sich wünscht. Ein solcher, sei er Landmann öder Handwerker, wird ohne
Zweifel sei» gutes Auskommen finden. Noth und ihre Folge, Bettelei, habe ich
hier nirgends gefunden. Es kommen freilich auch Leute hierher, die im Nichts
thun oder allenfalls durch Handeltreiben in einer verhältnifsmäfsig leichten
Weise ihr Leben machen wollen, namentlich Polen und Juden, und, da ihnen
dieses natürlich nicht gelingt, die Kolonie in Unmuth wieder verlassen und
deren Verhältnisse als schlecht bezeichnen. Dio ersten Ansiedler, welche oft
erst nach einer Reise von 70 bis 90 Tagen von Deutschland, bei manchmal
knapper Kost und Mangel an Trinkwasser — man denke dabei an unsere Segel
schiffe und deren Ausrüstungen, wie sio vor 45 bis 50 Jahren waren — hier
eintrafen, mufsten ihre Hütten im Urwalde bauen und von dessen Erzeugnissen
leben, bis es ihnen gelungen war, ein Stück Land urbar zu machen nnd ertrags
fähig zu bebauen. Diese Leute haben hart und schwer gearbeitet und manchmal
unter Lebensgefahr für ihr Dasein gekämpft; sie können sieh aber eines im
Allgemeinen guten Erfolges freuen, denn Viele von ihnen sind jetzt wohlhabende
Bürger der Kolonie, andere wieder Beamte oder Richter. Die jetzigen Ein
wanderer, die mit den bequem eingerichteten, prachtvollen Dampfschiffen für
55 Mark die Uebcrfahrt in 4 Wochen machen nnd vielleicht in ihrem ganzen
Leben es nicht so gut gehabt haben, als während dieser Zeit, finden bei ihrer
Ankunft in Säo Francisco einen kleinen Dampfer bereit, der sie mit Sack und
Pack nach der Kolonie weiter befördert. Hier steht ein Statiönshaus für die
Einwanderer bereit, in welchem sie unentgeltlich zwei Tage Aufnahme erhalten.
Nach Verlauf dieser beiden Tage ist für die fernere Wohnung und Verpflegung
in diesem Hause eine geringe Zahlung zu leisten. Die Leute haben also sicheren
Schutz und Aufenthalt für die Zeit, in der sie sich umzusehen haben, um von
dem Kolonialverein oder der Regierung ein Stück Land zur Kolonisation zu
pachten oder, falls sie Handwerker sind, sich eine passende Beschäftigung zu
suchen. Es giebt unter den jetzigen Einwanderern freilich auch, wie schon
bemerkt, noch Leute, namentlich uuter den Polen, die da glauben, das Leben
könne hier wie auf dem Dampfschiff, unter Nichtsthun weiter gehen, sie würden,
ohne zu arbeiten, schnell reich werden, und die Regierung und der Kolonial-
verein wären verpflichtet, für sie zu sorgen. Sie heben immer hervor, dafs sie
ihre alte Heimat.ll nicht verlassen hätten, um naeh Brasilien za gehen und dort
zu arbeiten. Diese Leute täuschen sieh selber gewaltig; wer hier nicht arbeitet
und zwar fleifsig, wird nie auf einen grünen Zweig kommen, so wenig wie in
seinem Heimathlaede. Reich, naeh europäischem Begriff, wird hier fast Keiner.
Der wohlhabende Kolonist hat sein Land, seine Aecker oder sein Geschäft; hierin
liegt sein ganzer Reichthum, den er scharf zu hüten hat, um ihn nicht wieder
zu verlieren. Es bleibt deshalb auch jeder Kolonist geru auf seiner Scholle
und nährt sieh und seine Familie redlich. Mit irdischen Gütern reich geseguet
in die alte Heimath zurückgekehrt, um dort dauernd zu bleiben, ist wohl noeh
keiner von ihnen, wohl aber sind viele zum Besuche oder des Geschäftes wegen
dahin gewesen. Verschiedene der Kolonisten schicken ihre Söhne zur Aus
bildung naeh Deutschland. Im Uebrigen leben Alle glücklich und zufrieden in
der neuen Heimath, wenn auch manchem alten Deutschen hier oft der Wunsch
entfährt, die alte deutsche Heimath noch einmal wiederzusehen.