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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Aus  dem  Reiseberichte  der  deutschen  Bark  „Oscar*.

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seinem  Liebhabertheater  u.  a.  m.  Es  ist  hier  ein  kleines  Stück  Deutschland
vorhanden.  Nirgendwo  an  einem  anderen  fremden  Orte  der  Erde,  auf  der  ich
während  meiner  vierunddreifsigjährigen  Fahrzeit  manchen  Hafen  besucht  habe,
habe  ich  mich  so  heimisch  gefühlt  und  deutsche  Sitte  so  erhalten  gefunden  wie
in  der  Kolonie  Joinville.
Reismühlen,  Zuckersiedereien  und  Raffinerien,  Sägomühlen,  ja  selbst  eine
Glashütte  unweit  Säo  Bento  arbeiten  mit  gutem  Erfolg;  aufserdem  ist  jedes
Handwerk  in  der  Kolonie  vertreten.  Die  Korbweide,  welche  es  gelungen  ist  hier
einzu  führen,  liefert  das  Material  für  Flechtarbeiten,  die  naeh  Santos  und  Rio
de  Janeiro  ausgeführt  werden;  desgleichen  Möbel,  aus  inländischem  Holz  angefertigt. ­
  Es  giebt  hier  mehrere  Gerbereien,  welche  zur  Lohe  die  Blätter  des
Mangobaumes  benutzen,  auf  den  Brauereien  wird  ein  gutes  Bier  gebraut,  und
eine  Anzahl  Ziegeleien  ist  im  Betrieb.  Die  Direktion  der  Kolonie  ist  im
Besitz  einer  Maschinenwerkstätte  mit  Eisengiefserel,  welche  gute  Erzeugnisse
zu  Tage  fördert.  Matömühlen  sind  in  Joinville  zwei  vorhanden.  Gartenfrüchte
gedeihen  in  Massen;  Butter,  Käse  und  Rindfleisch  von  guter  Beschaffenheit  sind
zu  mäfsigen  Preisen  zu  haben.  In  Sdo  Francisco  anwesende  Schiffe,  welche
kleine  Reparaturen  ausführen  lassen  müssen  oder  ihre  Ausrüstung  durch  frische
Provisionen  ergänzen  wollen,  thun  dies  am  besten  in  Joinville,  weil  hier  alles
billiger  als  am  ersten  Orte  ist.  Der  Waareuverkehr  zwischen  beiden  Plätzen
ist  bislang  durch  Kutter  und  Schoner  von  25  bis  50  Tonnen  Gröfse  auf  dem
bei  einem  Tiefgange  von  1,8  m  (6  Fufs)  mit  Hochwasser  bis  Joinville  schiffbaren ­
  Flusse  aufrecht  erhalten  worden.  Ein  kleiner  Häfen  daselbst  dient  zur
Aufnahme  der  Fahrzeuge.  Passagiere  werden  mit  dem  kleinen  Dampfer  „Dona
Francisco“  befördert,  der  regelmäfsig  jede  Woche  drei  Rundreisen  macht.  Der*
selbe  besorgt  auch  die  Post,  die  regelmäfsig  jede  Woche,  einmal  vom  Norden
und  einmal  vom  Süden  mit  einem  brasilianischen  Postdampfer  in  Säo  Francisco
eintrifft.  Der  Führer  dos  Dampfers  „Dona  Francisco",  Herr  Andreas  Beck,
ein  schön  über  30  Jahre  in  Joinville  ansässiger  Kolonist,  steht  jedem  fremden
Kapitän  in  uneigennützigster  Weise  stets  mit  Rath  und  Auskunft  zur  Seite.
Das  Klima  war  während  unsei'es  Hierseins  im  Monat  August  (Frühlingsanfang) ­
  ganz  demjenigen  des  September  in  Norddeutschland  vergleichbar,
indem  warme,  schöne  Sommertage  mit  kalton  Regentagen  abwechselten.  Die
Temperatur  der  Luft  variirto  zwischen  25°  und  15°  C.;  Gewitterstürme  traten
besonders  am  Ende  des  Monats  heftig  auf.  In  der  Nacht  vom  25.  zum  26.  August
fand  ein  Gewitter  statt,  welehes  volle  12  Stunden  andauerte  und  bei  dem  heftiger
Regen  und  Hagel  von  der  Gröfse  einer  Erbse  fielen.  Der  dabei  oft  stürmisch
einfallende  Wind  wehte  nach  und  nach  aus  allen  verschiedenen  Richtungen.
Dieses  Gewitter  ist  auch  in  der  Kolonie  Joinville  beobachtet  worden.  Bei
ungestörten  Witterungsverhältnissen  weht  der  Landwind  aus  S  bis  SW  in  Säo
Francisco  gewöhnlich  von  6  Uhr  Morgens  bis  1  Uhr  Nachmittags,  selten  die
Stärke  3  überschreitend.  Gegen  2  Uhr  Nachmittags  setzt  in  der  Regel  die
Seebriese  aus  E  bis  SE  ein,  welche  ganz  bis  zur  Kolonio  hinauf  duvchstcht,
dort  aber  aus  nordöstlicher  Richtung  weht.  Die  Leichterfahrzeuge  benutzen
für  ihre  Fahrten  flufsauf-  und  flufsabwärts,  welche  gewöhnlich  3  bis  4  Stunden
in  Anspruch  nehmen,  natürlich  stets  den  ihnen  hierzu  günstigen  Wind.  Der
Dampfer  „Dona  Francisco“  benöthigt  für  diese  Tour  2  bis  2‘/2  Stunden.
Eine  sehr  gute  Veröi'duung  in  Säo  Francisco  ist  die,  dafs  es  keinem
Fremden  gestattet  ist,  ohne  einen  Eriaubnifsschein  vom  Zollhause  eines  der  im
Hafen  liegenden  Schiffe  zu  betreten.  Selbst  für  die  Geschäftsfreunde  des
Kapitäns  bedarf  es  eines  Gesuches  hei  der  Behörde  und  Zahlung  einer  Art  von
Kopfsteuer,  bevor  ihnen  die  gewünschte  Erlaubnifs  ertheilt  wird.  Ich  hatte
beispielsweise,  um  einen  befreundeten  Kaufmann  aus  Joinville  nebst  Familie
zum  Besuch  an  Bord  empfangen  zn  dürfen,  für  jede  der  fünf  Personen  einen
Schein  mit  einem  Stempel,  der  200  Reis  kostet,  zu  lösen,  also  1000  Reis  zu
zahlen.  Es  ist  zu  bemerken,  dafs  sich  um  diese  Zeit,  wie  während  der  ganzen
Zeit  des  Löschens  und  des  Ladens,  beständig  zwei  Zollbeamte  an  Bord  befanden.
Es  scheint  mir  in  diesem  Falle  aber  nur  auf  eine  Pi’ellerei  oder  Wichtigthuerei
der  Zollbehörde  hinausgelaufen  zu  sein,  denn  nachdem  ich  über  die  mir  widerfahrene ­
  Behandlung  beim  deutschen  Konsularagenten  hier  und  dem  deutschen
Konsul  in  Joinville  Beschwerde  geführt  hatte,  habe  ich  nicht  mehr  nöthig
            
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