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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Aus dora Reiseberichte der deutschen Bark „Oscar“. 
reichen, bis auf cinc Entfernung von etwa 27 na (15 Fad.) von der Brücke ab 
legen zu können. Nack NNW und NO liegen sicher haltende Festmachetonnen, 
an denen das Schiff vom Heck ans befestigt wird, während dieses vom Back 
bordbug aus in südöstlicher Richtung am Lande geschieht. Etwas nordöstlich 
von der Brücke befindet sich eine zweite im Bau, die noch im laufenden Jahre 
fertig gestellt werden wird. Sie ist ebenso wie die erste ein Privatbesitz; für 
die Benutzung der Brücken brauchte bislang eine besondere Abgabe nicht ent 
richtet zu werden. Die Brücke der „Trapiche do Commeroio“ ist mit einer 
Wasserleitung versehen, aus der die Schiffe gegen mäfsigen Preis mit schönem 
Trinkwasser versorgt werden. 
Ein Lootsenzwang besteht in Säo Francisco nicht, aber es sind gute, von 
der Regierung autorisirte Lootsen vorhanden. Das Verholen des Schiffes nach 
der Brücke besorgt indefs in der Regel der Stauer. Der Stauerlohn für 
3000 kg Maté beträgt 1000 Reis. Ein eigentliches Zollhaus besitzt Säo Fran 
cisco nicht, sondern nur eine Zollhebestelle für inländische Waaren. Alle hier 
vom Auslande zu importirenden Güter müssen zunächst zwecks Revision und 
Verzollung in Santos oder Desterro, woselbst Zollhäuser eingerichtet sind, ge 
landet und von dort dann weiter gesandt werden. Dieses Verfahren ist für die 
hiesigen Kaufleute höchst unangenehm, weil bei demselben Beschädigung und 
Verlust unvermeidlich sind. 
Neben der Errichtung eines Zollhauses in Säo Francisco würde der Bau 
einer Eisenbahn von hier ans nach Porto Alegre, mit Zweigbahnen durch die 
Provinzen Säo Paulo und Rio Grande für diese von der Natur so reich ge 
segneten Gegenden von grofsem Werthe sein. Allein die beiden Bezirke Join 
mlle und Säo Rento in der Provinz Säo Catkarina führen jährlich mittelst Pferd 
und Wagen 500 Tonnen Zucker, 150 Tonnen Reis, 2500 Tonnen Maté, 40 Tonnen 
Cachaca, 40 Tonnen Arrowroötmehl, eine Menge getrockneter Pflanzentheile, 
Holz, Möbel, Schuhwaaren, gute Cigarren und Orangenwein an die Hafenplätze 
ab. Außerdem wird in den südlichen Provinzen ein vortrefflicher Traubenwein 
bereitet, der nach dem Norden Brasiliens versandt wird. Die einzige gute 
Strafse, auf der dieser grofse Verkehr hauptsächlich stattfindet, ist die Serra-Strafse, 
die bei Seto Rento vorbei theils von dem Kolonisationsverein, theils von den 
Kolonisten selber angelegt ist und unterhalten wird. Für die Kanfleute in 
Porto Alegre wäre eine Eisenbahnverbindung dieser Stadt mit Säo Francisco 
von besonderem Nutzen, indem sie in den Stand gesetzt würden, ihre am letzt 
genannten Platze gelöschten Güter nach kurzer Zeit zu erhalten, während sie 
jetzt, bei dem Umwege über Rio Grande do Sul nicht selten monatelang auf 
dieselben warten müssen. Wie oft passirtc es nicht, dafs Waaren, die in Segel 
schiffen von Europa nach Porto Alegre verladen wurden, 6 bis 8 Monate im 
Schiffe liegen mufsten, weil die Schiffe nicht die Barre des Rio Grande do Sul 
passiren konnten, und wie viele Millionen auch schon für die Vertiefung dieses 
Fahrwassers ausgegeben worden sind, wird solches auch in Zukunft wieder 
Vorkommen. Schwierigkeiten dieser Art sind in Säo Francisco nicht vor 
handen. 
Die Kolonie Joinmlle, ungefähr 15 Sm flußaufwärts von Säo Francisco, 
liegt idyllisch schön in einem Thalc. Die Stadt hat schnurgerade, breite, rein- 
gehaltene Strafsen, die von hübschen Gartenhäusern mit Gärten, welche sich in 
bester Ordnung befinden, eingefafst sind. Die Mehrzahl der Bewohner von 
Joinmlle sind, wenn auch brasilianische Bürger, Deutsehe, oder doch deutscher 
Abkunft, und zwar Deutsche im vollsten Sinne des Wortes. In mehreren recht 
guten Schulen wird bis jetzt nur deutscher Unterricht ertheilt; selbst die Kinder 
geborener Brasilianer reden deutsoh. Die Mittel zur Errichtung der Schulen 
wurden nur von den Kolonisten aufgebracht, und durch diese allein, ohne weitere 
Unterstützung, werden auch die Schulen unterhalten, ebenso die beiden Kirchen, 
eine evangelische und eine katholische. Ich glaube indefs, dafs von den Unter 
haltungskosten der letzteren einen Theil der Kolonisationsverein trägt. Zwei 
deutsche Zeitungen, die beide zweimal wöchentlich erscheinen, werden gut 
geleitet und erfreuen sieh einer grofsen Zahl von Abonnenten in und aufserhalb 
der Kolonie. Weitere geistige Anregungen finden die Kolonisten, ganz wie in 
Deutschland, in ihren verschiedenen Vereinen, als: Landwirtschaftlicher Verein, 
Schulverein, Sängerbund, Schützenbuud, Freimaurerloge, Dilettantenverein mit
	        
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