Aus dona Reisebei'iehti? deutsche» Bark „Oscar“.
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nach See geschleppt und traten dann bei heiterem Wetter und frischer Briese
die Boise an. Am 30. Juli kreuzten wir bei unbeständiger Briese und Regen
wetter in Sicht der Insel Säo Francisco bis unter Point Joao Diaz, wo wir
auf einer Tiefe von 12,5 m (7 Faden) back brafsten und für einen Lootson
signalisirtcn. Mit Dunkelwerden kam ein solcher an Bord; wir kreuzten unter
dessen Leitung über das äufsere Riff, auf denn wir als niedrigsten Wasserstand
6,8 m (3 s /i Faden) fanden und gingen um 8 Uhr Abends auf einer Tiefe von
9 m (5 Faden) über hartem Sandgrund, Point Joao Diaz SSO’/aO, s /4 Sm ent
fernt, zu Anker.
Bei der Ausführung einet- Reise von Rio nach Säo Francisco ist die in
der Nähe der Küste nach Norden setzende kalte Strömung zu berücksichtigen,
welche besonders in der Periode der südlichen Winde hier auftrilt. ln einem
Abstande von 30 Sm von der Küste traf ich noch den warmen südlich setzenden
sogenannten Brasilstrom, weiter dem Lande zu jedoch den nördlichen Küsten
strom, der, je näher der Küste, um so stärker war. Hätte ich diese Verhält
nisse früher gekannt und in Rechnung gezogen, so hätte ich die Beiso vielleicht
um 2 Tage abkürzen können.
Im Hafen von Säo Francisco löschten wir unsere Ladung, behielten aber
die 350 Tonnen Steinballast im Schiffe. Mit diesem und der vollen Ladung
von 400 Tonnen (Gewicht) Herva Matd in Fässern, die wir einnahme», hatte
das Schiff einen Tiefgang von 4,6 m (15V* Fufs). Am 5. September 1887 traten
wir um 8 Uhr Morgens, mit der Lacdhriese die Reise nach Valparaiso an,
mufsten aber 5 Sm von der Rhede wegen eintretender Windstille wieder ankern,
und gelang es uns erst am folgenden Morgen, die See zu erreichen.
Die Bai von Säo Francisco ist meiner Ueberzeugung nach einer der besten
und sichersten Häfen, nicht nur an der Küste von Brasilien und am l.a Plata,
sondern der ganzen Erde. Die Kordeinfahrt, jetzt durch ein nach den Kompafs-
strieben NW durch N und 0 bis SO etwa 20 Sm weit sichtbares Feuer gekenn
zeichnet, ist für Schiffe mit einem Tiefgango von 4,8 m (16 Fufs) selbst bei
Niedrigwasser ohne Gefahr einzusegeln, denn die flachste Stelle auf der Barre
hat immer noch einen mittleren Wasserstand von 6,6 m (22 Fufs). Dazu ist
diese Stelle, welche leicht nach der Karte auszumachen ist, bei günstigem Winde
unschwer zu vermeiden. „Oscar“ passirte die Barre eingehend zur Zeit dos
Mondviertels mit der Fluth, ausgehend zur Zeit des Neumondes bei halber Ebbe,
jedesmal kreuzend, und fand auf derselben in keinem Falle die Wassertiefe unter
6,6 m (22 Fufs). Der Hub des Wassers beträgt zur Springfluth 2,4 in (8 Fufs),
so dafs um diese Zeit selbst für tiefgehende Schiffe, bei Hochwasser, Wasser
genug vorhanden ist. Die Barro ist bequem anzulothen, nördlich von derselben
findet sich für ein zur Ebbezeit gegen Südwind kreuzendes Schiff guter Anker
grund; ebenso unter der Insel Garem, wenn man zur Nachtzeit nicht einlaufen will.
Der „Oscar“, von 735 Reg.-Tonnen Gröfse, ist aas gröfste Segelschiff
welches bis jetzt den hiesigen Hafen besucht hat. Aufaer den Dampfern der
Hamburg-Südamerikanischen Dampfscbiffahrt-Gcscllschaft verkehren liier für ge
wöhnlich nur die kleinen Brasilianischen Postdampfer. Im Jahre 1881 liefen
die Deutschen Kriegsschiffe „ Victoria“ und „Albatroß“ in Säo Francisco ein,
und von den Offizieren des ersteren Schiffes ist die Bai genau vermessen worden.
Eine Karte, welche auf Grund dieser Vermessung entworfen wurde und die sehr
gut ist, findet sich mit Anweisungen für das Einlaufen in den Hafen in diesen
Annalen, Jahrg. 1882 veröffentlicht. Der bis zu dieser Zeit unbekannte Felsea
dicht unter der Stadt, auf dem die „ Victoria“ festgerieth, aber nach kurzer Zeit,
ohne Schaden genommen zu haben, wieder frei kam, und alle anderen auf der
Rhede vorhandenen Untiefen sind durch Tonnen und Baken gekennzeichnet.
Der Ankergrund dieser Rhede, welche Raum für mehr als 50 gröfsero Schiffe hat,
ist gut haltender graublauer Thon. Vor beiden Ankern und je 55 m (30 Fad.)
vertäut, liegen die Schiffe hier so sicher, wie in einem Dock.
Die Gezeitenverhältnisse habe ich mit dem herangezogenen Bericht von
S. M. S. „ Victoria“ in Uebereinstimmung gefunden. An der Brücke der „Tra-
piche do Oommercio“ ist eine Wassertiefe von 6,6 m (22 Fufs) vorhanden. Die
an dieser ladenden Schiffe haben dafür Sorge zu tragen, dafs ihr Steuerbord
anker nach WSW mindestens 160 m (90 Fad.) entfernt steht, um bei einem
etwa auftretenden Pampero, die hier nicht selten eine bedeutende Stärke er-
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