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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Ara dem, Reiseberichte dev deutschen Bark „Oscar“. 
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Als nach dem anfänglich wehenden stürmischen Nordwind bei fallendem 
Barometer NW-Wind einsetzte, erwartete ich den Eintritt eines gewöhnlichen 
schweren NW-Sturmes, mit dem niedrigsten Luftdruck südlich von uns. Ich 
lieft deshalb das Schiff unter gereffter Fock, Untermarssegel und Vorstängestag- 
segel — das Untermarssegel, welches ich in stürmischen Gegenden führe, hat 
nur eine Tiefe von 1,8 m (6 Fuft) mit dem Winde zwei Striche von Back 
bord ein, bei einer Fahrt von 9 bis 10 Kn, nach OSO weglenzen, in der Er 
wartung, nördlich vom Stumcentrnm zu bleiben und den Wind aus W bis WSW 
abnehmen zu sehen. Als aber um 7 !l p. m. der Wind bereits westlich von NW 
war und das Glas noch immer fiel, die See zu einer Besorgnifs erregenden 
Höhe an wuchs und die Luft ein grüngraues drohendes Aussehen zeigte, wufste 
ich, dafs noch Schlimmeres zu erwarten sei. Ich lieft daher, nachdem wir zwei 
volle Demijons mit ca 10 Gallonen Petroleum in Lee über Bord gegossen 
hatten, das Schiff vor dem Leeschothorn des Grofsuntermarssegels an den Wind 
legen, ein Manöver, welches auch ohne weiteren Schaden gut von Statten ging, 
doch war uns vorher das Voruntermarssegel beim Aufgeien in Fetzen zerschlagen 
und auch das Vorstängestagsegel vom Winde fortgel'ährt worden; nur die ge 
reffte Fock gelang es uns zu bergen. Nach gewohnter Chinaküstenfahrer-Weise 
bei der Annäherung eines Taifuns waren vorher schon die übrigen Segel mit 
lleserve-Bcsehlagzeisingcu belegt, so dafs keines derselben sich losreiisen konnte. 
Dafs der Orkan eine solche Gewalt erreichen nnd so lange anhalten würde, 
hätte ich indessen nicht gedacht. Kajüte und Volkslogis waren fast luftdicht 
verschlossen und die an Deck fest verzerrten leeren Wasserfässer spant dicht, 
gemaeht; wäre dieses nicht geschehen, so glaube ich kaum, dafs das Schiff über 
Wasser geblieben wäre. Trotz der an den Krahnbalken angebrachten gefüllten 
und langsam sich entleerenden OeMeke und obgleich aufserdem von Zeit zu 
Zeit Petroleum in Lee über Bord gegossen wurde, kamen solche Wassormassen 
über, dafs sie das ganze Deck von vorne bis hinten bis zur Höhe der Riegelung 
anfüllten. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde durch die See fort 
gerissen, selbst die Boote wurden von dem Galgen auf der Hütte geschlagen. 
Glücklicherweise zerbrachen bald viele Planken in der Versehanzung und 
sämmtliche Pforten, wodurch das Wasser einen freien Ablauf vom Deck fand. 
Vom Hinterdeck, woselbst sich die ganze Besatzung aufhielt, war nicht ohne 
Lebensgefahr fort zu kommen. Erst von 6 Uhr Morgens an war cs den Leuten 
möglich, sich bei den Pumpen zu halten. Um I'/a Uhr hielten wir, wie vorher 
schon gesagt, unter Grofsuntermarssegel und gereffter Fock wieder vor dem 
Winde ab. 
Im Laufe des Tages wurden der Wind und die See bei einem bis 760 mm 
zunehmenden Barometerstände bedeutend mäfsiger. Aul 14. Februar, in 48,5° S-Br 
und 91,2° O-Lg, setzte wieder ein Sturm aus NE ein, der, wie gewöhnlich, bei 
fallendem Barometer auf NW holte, aber die Stärke 9 nicht überschritt und 
aus nordwestlicher Richtung bis zum 15. Februar in 48,4° S-Br und 95° O-Lg 
wehte. Von 45° S-Br und 102° O-Lg bis 43° S-Br und 111° O-Lg herrschte 
am 18. und 19. Februar wiederum stürmisches Wetter. Der Wind begann 
dieses Mal im Süd westviertel, webte von Mittag bis Mitternacht den 19. Februar 
mit der gröfsten Stärke 10 aus W und flaute darauf von WSW wieder ab. In 
diesem Sturm war die See, wonn auch hoch, doch lang und regelmäftig, ent 
sprechend der geringen Aenderung der Windrichtung. Die mit Oel gefüllten 
Säcke, welche ich bei jedem Stürm unter den Krahnbalken ausbängen lasse, 
übten eine gute Wirkung aus; schon eine halbe Seemeile hinter dem Schiffe 
glätteten sich die Kämme der Wellen, so dafs wir immer bequem lenzen konnten. 
Ein östlicher Strom ist von uns auf der ganzen Strecke von 0° bis 114° O-Lg 
nicht bemerkt worden, wohl aber unweit der Kerguelen-lnseln, wo doch in der 
Regel ein warmer südlicher Strom vorhanden ist, ein kalter nördlicher, der das 
Schiff zwischen 65° und 80° O-Lg in drei Tagen 62 Sm nach N 33° W versetzte. 
Erst nördlich des Parallels von 48° Süd stieg die Meerestemperatur wieder auf 
5° C., während sie vordem stets niedriger war. Trotzdem wir die Länge in 
50° bis 51° S-Br abliefen, und obgleich wir vorwiegend klares Wetter hatten, 
haben wir nur einen einzigen Eisberg gesehen, und zwar auf 50° S-Br und 
35° O-Lg. Derselbe hatte eine Höhe von etwa 30 m. Natürlich wurde stets 
ein scharfer Ausguck danach gehalten. Während der ganzen Reise von 0° Länge 
Ann. d. Bjnto etc., 1SS9, Heft X. 3
	        
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