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Verthoünng des Luftdruckes über Mitte!- und Süd-Europa.
wärmsten und kältesten Monate in Mittel-Europa aus allen Jahreszeiten und
berechnete für dieselben die korrespondirenden Luftdruckabweichungen vom
Nomalwerth in verschiedenen Theilen Europas. Es ergab sich dabei eine
ganze Reihe neuer gesetzmäfsiger Beziehungen.
Das Y. Kapitel ist der mittleren und absoluten Veränderlichkeit der Monats
und Jahresmittel des Luftdrucks gewidmet; unter mittlerer Veränderlichkeit ist
hierbei das Mittel der Abweichungen der einzelnen Monatsmittel vom Normal
werth zu verstehen; die absolute Veränderlichkeit dagegen bedeutet den Unter
schied der extremen Mittelwerthe für denselben Monat in einem gewissen Zeit
räume. Von selbst schliefst sich hieran die Betrachtung des wahrscheinlichen
Fehlers der 30jährigen Luftdruckmittel (Kapitel VI).
So grofs die Veränderlichkeit der Luftdruckmittel selbst ist, so gering
ist die Veränderlichkeit der Luftdruckdifferenzen zwischen mehr oder weniger
benachbarten Stationen (Kapitel VII); es erstrecken sieh eben Luftdruck-
Anomalien immer auf weite Gebiete, eine Thatsache, deren Bedeutung für die
Prüfung der Homogenität der einzelnen Reihen, wie auch für die Reduktion
kurzer Reihen auf längere Perioden wir bereits oben andeuteten.
Die Veränderlichkeit der Differenzen nimmt von Süden nach Norden,
wie vom Innern des Kontinents gegen den Ocean hin sehr erheblich zu. Die
Zahl der Jahre, die nöthig sind, um das Jahresmittel der Differenzen auf 0,1mm
sicher zu stellen, beträgt bei 16 geographischen Meilen Entfernung 1 Jahr, bei
160 geographischen Meilen nur 14 Jahre.
Im letzten X. Kapitel weist der Verfasser auf gewisse mehrjährige
Perioden des Luftdruckes hin, die sich sowohl in den Differenzen der Jahres
mittel zweier Orte als auch in den Jahresmitteln selbst, sowie endlich in
Variationen der jährlichen Periode des Luftdruckes äufsern.
Die schwierige Frage, ob diese vieljährigen Schwankungen eine strenge
Periodicität besitzen oder nur ein Resultat der Erhaltungstendenz der Witterungs-
zustände sind, wird als noch nicht vollkommen spruchreif unerörtert gelassen.')
Es dürfte das vorliegende Werk nicht nur für die Klimatologie Europas,
welcher dasselbe zum Theil erst die feste Basis giebt, sondern durch seine
Methode als ein Meister- und Musterwerk für die zukünftige klimatologische
Forschung überhaupt bahnbrechend werden.
Ed. Brückner.
Nachtrag zu dem Artikel:
lieber die säkulare Variation der magnetischen Deklination
in Rio de Janeiro. *)
Durch gütige Mittheilung von Herrn Professor Dr. M. Kunze an der
Forstakademie zu Tharand bin ich noch auf zwei Beobachtungen der magneti
schen Deklination in Rio de Janeiro hingewiesen worden.
Die erste Beobachtung ist in dem von der Königlich schwedischen
Akademie der Wissenschaften veröffentlichten Reisewerke enthalten: „Kongliga
Svenska Fregatten Eugenies Resa omkriug Jorden ander befäl af C. A. Virgin,
1851—53. Tredje Delen. Fysik. Stockholm 1858—74. Magn. Observationer
pag. 75“. Hier findet sich als Beobachtung auf dem Lande zu Rio angegeben:
Lat. Long. Afläst lud. Corr. Magn. Deel.
1851 Dec. 13 22° 56' S 43° 9' W -f 0° 10' — 1° 20' — 1° 10'
„ „ „ „ -0 13 -1 8 -1 21
also im Mittel 1° 15' östliche Deklination. Die erste Ablesung geschah mit
Anwendung einer schweren Kompafsrose, die zweite mit einer leichten. Die
i) Referent möchte hmznfiigen, dafs diese Schwankungen des Luftdruckes, wie er durch
eine speeieile Untersuchung fconstatireu könnte, in engster Beziehung zu den топ ihm in dieser
Zeitschrift naehgewiesencn Klimaschwankungen stehen. (Vergl. Annalen der Hvdrogr. 1888 Heft II.)
i) Annalen 1888 Heft XI S. 486.