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Die Insel Santa Maria.
Die benierkeiiswerthesten Berge der Insel sind: der Berg Huanayes, die
in nordsüdlicher Richtung liegenden, nahezu gleich weit von einander entfernten
Berge Cabras, Medio und Murtilla, ferner der Cerro del Cardon, so genannt
wegen der an einem seiner Abhänge wachsenden gleichnamigen Pflanze, der
Berg Dolores und der Cerro del Furo, auf dessen Gipfel ein Leuchtthurm steht.
Die Hauptthäler durchqueren die Insel und steigen von Ost nach West hin an.
Sie werden von den Einwohnern Pajonales genannt. Die breitesten und längsten
derselben sind: Das Pajonal de la Dolores, welches sieh vom gleichnamigen Berge
bis zur Halbinsel La Vega erstreckt, das Pajonal de la Aguada, an der SO-
Küste beginnend, und das Pajonal del Faro oder del Güantro, welches sich am
Ufer der Bucht Inglesa öffnet. In diesen Thälern fliefsen in sumpfigen Betten
die hauptsächlichsten Gewässer, aus denen die Einwohner den gröfsten Theil
ihres Wasserbedarfs entnehmen. Die Hügelketten fallen in Böschungen nach
den Thälern ab uud sind ziemlich kahl. Die Thäler hingegen und theilweise
auch die Abhänge der Hügel sind mit Büschen, Gras und anderem Viehfutter
reichlich bewachsen. Bäume, wohl die Reste des Waldes, welcher wahrscheinlich
früher die Insel bedeckte, sind nicht häufig.
Der Boden der Halbinsel La Vega ist zwar sandig aber trotzdem theil
weise mit Gras bewachsen. Im östlichen Theile ist dies nicht der Pall, denn
hier erheben sich viele wandernde Dünen, welche den herrschenden Winden ent
sprechend bald nach der einen bald nach der anderen Richtung hin fortschreiten.
Sach Aussage der ältesten Einwohner war dieser Theil der Halbinsel vor
ungefähr 30 Jahren niedriger und mit Sumpf bedeckt, in welchem nicht selten
das Vieh versank.
Die Temperaturschwankungen sind nicht bedeutend, und das Klima
der Insel ist mild und gesund. Nebel sind zwar häufig, verschwinden aber
gewöhnlich bald nach Mittag. In der Entfernung erscheint die Insel gewöhnlich
in einen leichten Nebel gehüllt, über welchen sich zuweilen ihre höchsten Gipfel
erheben. Nach Angabe der auf dem Festlande wohnenden Fischer soll es am
nächsten Tag schlechtes Wetter geben, wenn die Insel durch Nebel in zwei
Theile zerschnitten scheint.
Die vorherrschenden Winde sind dieselben wie die der gegenüberliegenden
Küste des Festlandes. Zuweilen wehen sie so heftig, dafs es nothwendig ist,
einen zweiten Anker auszubringen, Im Winter regnet es viel, und die in dieser
Jahreszeit (Juni, Juli, August) aus dem ersten und vierten Quadranten wehenden
Winde, welche häufig Sturm vorherzugehen pflegen, verursachen hohen Seegang.
Strömungen. Die von Süd her kommende Küstenströmung theilt sich
südlioh der Insel in zwei Arme, von denen der eine seine nördliche Richtung
beibehält und der andere durch die Meerenge Boca Chica, welche die Insel vom
Festland© trennt, mit einer Geschwindigkeit von */a Sin pro Stunde nach der
Arauco-Bucht läuft. Zur Zeit der Ebbe kommt aus letzterer ein 2 Sm pro
Stunde laufender Gegenstrom.
Am Strande bei dem Berge Dolores werden oft viele Baumstämme und
Zweige angeschwommt, welche aus den Flüssen des südlichen Chile ins Meer
g-elangen und dann in der Küstenströmung nordwärts treiben. An dem Strande
bei der Spitze Espolon finden sich oft Pfähle und Reben aus den an den Ufern
des Biobio und anderer Flüsse liegenden Weinpflanzungen. Die Strömung des
Biobio ist noch bei den Dormidos-K1 ippen bemerkbar und verursacht beim
Zusammentreffen mit dem nach Nord setzenden Küstenstrome starke Kabbelungen
und öfters unregelmäfsigen starken Seegang.
Die Insel hatte im Jahre 1886 ungefähr 160 Einwohner, welche sich mit
Viehzucht und etwas Ackerbau beschäftigen. Sie wohnen in dem höheren
Theile der Insel, zerstreut in ärmlichen Strohhütten. Die einzigen Häuser aus
solidem Material sind die Verwaltungsgebäude. In denselben kann man Hühner,
Rindfleisch, Hammelfleisch, Butter, Eier und Milch bekommen. Gemüse ist nur
in kleinen Quantitäten und nicht immer zu bekommen. Das die Insel umgebende
Meer ist reich an Fischen und eisbaren Schalthieren.