Bemerkungen über einig* Punkte an der SW-Küste von Afrika.
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mit nur geringer Höhendifferenz bis zur SÖ-Ecke der Bucht, biegen dann nach
West um" und fallen allmählich zur Ebene ab. Man ist infolge dieser falschen
Darstellung geneigt, den Eingang ca 2 Sm südlich von seinem wahren Platze
zu suchen. Innerhalb des Hafens bleibt zwischen dem Fufso des Höhenznges
und dem Wasser ein schmales Vorland, auf welchem hier und da noch am
stehender Quarz zu finden ist; dagegen fallen zwei ca 150 m hohe Sanddünen,
zwischen welchen sich eine tiefe Versenkung befindet, schroff zum Meere ab.
Die südlichere, nach See zu steilere dieser beiden Dünen, welche infolge steter
Sandabstürze bei günstiger Beleuchtung ein dunkleres Aussehen trägt, bildet
das Ostufer der Einfahrt.
Beim Anstenern des Hafens nähert man sich dieser Düne mit dem Kurse
mw SSO — einen südlicheren zu wählen, ist nicht rathsam, da sich vom Strande,
nördlich der Einfahrt, Sändc nach See zu erstrecken hält auf die Mitte der
Einfahrt zu und dreht daun mit hart St-B.-Ruder in die Mitte des Hafens hinein.
Als Zeit für das Einlaufen empfiehlt es sich, Stiihvasscr zu wählen.
Als Marken zum Erkennen des Hafens beim Kommen von Norden dienen
auch die Gebäude zweier unmittelbar bei einander liegenden englischen Fischereien,
welche ca 3300 m südlich von der Einfahrt stehen, und die ca 5260 m weiter
südlich an der SO-Ecke des Hafens befindlichen Gebäude der Deutschen West-
afrikanischen Kompagnie. Die im „Africa Pilot“, Theil II, pag. 213 erwähnte
eiserne Hulk ist als Landmarke nicht mehr verwerthbar, da dieselbe durch die
stets vorrückenden Dünen bereits so weit im Bande begraben ist, dafs nur
noch die B-B.-Reeling ca 1 in ans dem Sande hervorragt.
Zu bemerken ist ferner, dafs wenig nördlich vom Eingang die Höhen
vom Ufer zurücktreten und zwischen sich und dem Strande eine spärlich mit
Gras bewachsene Ebene mit ausgetrocknetem Flufsbett lassen, auf welcher die
Rinder, Schafe und Ziegen der kleinen Hottentottecniedorlassung Groscho, wie
die der wenigen in Sandwich-Hafen lebenden Weifsen ihre kärgliche Nahrung
suchen.
Der Hafen hat im Laufe weniger Jahre und auch gerade besonders in
letzter Zeit so grofse Veränderungen erlitten, dafs der im Jahre 1880 vom
britischen Kriegsschiffe „ Sylvia“ aufgenommene Plan vollkommen werthlos ge
worden ist.
Die im Jahre 1880 noch s /« Sm, Anfang des Jahres 1888 noch ca 850 m
breite Einfahrt hat jetzt nur noch eine Breite von 120 m.
Die im Jahre 1886 von englischen Fischern auf der Spitze der Halbinsel
errichtete schwarze Bake, bestehend aus schwarzer Stange mit Ball von gleicher
Farbe, steht von der jetzigen Spitze 1070 m entfernt.
Wenn auch bei dem ein- und auslaufenden Strom, dessen Geschwindigkeit
bis zu 5 Sm in der Einfahrt gemessen wurde, ein Schliefsen der Einfahrt zu
nächst wohl kaum zu erwarten steht, so ist doch durch den Einflufs der fast
ununterbrochen wehenden SW-Winde auf der einen und der in grofsen Mengen
von den Dünen abstürzenden Saudmassen auf der anderen Seite eine weitere
Verengung derselben zu befürchten.
Zum Glück scheint sich indefs eine neue Einfahrt, ja vielleicht ein neuer
Hafen zu bilden; denn ca 3,6 Sm südlich von der Spitze der Halbinsel und
unmittelbar nördlich der von letzterer sieh nach Osten hin erstreckenden Sände
geht jetzt nach Westen zu ein Einschnitt in die Landzunge, so dafe letztere
hier nur noch 150 m breit ist. Vier Meter vom Lande wurden in diesem Ein
schnitt 4 m Wasser gefunden, und nahmen die Tiefen nach Osten hin allmählich
zu. Etwa 500 m weiter südlich von diesem Punkt, wo die Landzunge etwas
niedriger und nur noch 120 m breit ist, wäscht bereits bei Hoehfluth die
Brandung über die Halbinsel hinweg, Noch etwas weiter südlich ist eine von
der Halbinsel aus nach Norden zu sich erstreckende neue Landzunge und mit
ähr voraussichtlich allmählich auch ein neuer Hafen in der Bildung begriffen.
Zur Zeit fällt bei der d’/f/ieo-Spitze der Boden nach Osten zu steil ab,
so dafs sich bereits in 5 m Abstand vom Lande 4 m und in 10 m Abstand 6 m
Wassertiefe vorfindet. Am Ostufer wurde letztere Tiefe in ca 15 m Entfernung
vom Strande gefunden; von hier aus nehmen die Tiefen nach der Mitte der
Einfahrt hin allmählich bis auf 9 m zu. In der Einfahrt setzt bei Ebbe der
Strom etwa in der Richtung mw NW, bei Fluth nach mw Süd. Innerhalb der
Ab». 4 Ilyir. et», IS39, Heft X, 2