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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Teitheilung des Luftdruckes über Mittel- und Süd-Europa. 
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mehrfach andeutet. Freilich, alle diese Schlüsse zu ziehen und dadurch nach 
allen Richtungen hin das gebotene Material auszunutzen, konnte nicht Aufgabe 
des vorliegenden Werkes sein. 
Werfen wir einen Blick auf die Jahreskarte, so treffen wir die dichteste 
Behaarung der Isobaren entlang der Kette der Alpen, die eine Art Stau 
wirkung auf die Luftmassen ausübt, indem sie erst jenseits einer Höhe von 
2000 m eine freie Kommunikation gestattet. Am steilsten sind hier die Gradienten 
im Osten, im Gebiet von Kärnthen, Krain und Küstenland, wo sieh das Hoch 
druckgebiet, das den Nordfufs der Alpen eharakterisirt, bis Klagenfurt südost- 
wärts krümmt und in fast unmittelbare Nachbarschaft des Gebietes niedrigen 
Druckes auf der Adria gelangt. Die Richtung des Gradienten ist hier das 
ganze Jahr hindurch eitle südliche oder südwestliche, seine Gröfeo dabei be 
sonders im Winter eine ganz aufserordentÜche, Am schwächsten sind die 
Gradienten auf unserer Karte in Ungarn. 
Eine Musterung der Monatskarten lehrt, dafs die vier meteorologischen 
Jahreszeiten durch ganz verschiedene Wettertypen eharakterisirt werden ; die 
mittleren Monate der Jahreszeiten, Juli, Oktober und Januar, zeigen auch 
diesen Charakter am schärfsten ausgeprägt; nur der Frühling macht eine Aus 
nahme, dessen Charakter durch den Mai noch typischer repräsentirt wird als 
durch den April. 
Der Winter ist eharakterisirt durch den außerordentlich tiefen Druck 
im Nordwesten auf dem Atlantischen Ocean und durch ein Band hohen Drucks 
längs der Mittellinie des Kontinents, von Spanien bis Südrussland, das das 
Hochdruckgebiet der Rossbreiten mit der Anticyklone Innerasiens verbindet 
und über Siebenbürgen und den Alpen Kulminationspunkte besitzt — endlich 
durch scharf markirte Nie der d ruckgebiete auf dem Mittelmeer. Im Frühjahr 
herrscht über Mitteleuropa eine außerordentlich gleichmäfsige Luftdruckverthei- 
lung mit tiefstem Druck im Südosten, welcher in Frankreich, Deutschland, 
West-Oesterreich und West-Ungarn nördliche und nordöstliche Winde veranlafst; 
schwache Depressionen finden sieh, abgesehen von der Bulkanhulbinsel, in 
Siebenbürgen, in der Po-Ebene und bei Corsiea. Der Typus der Sommer- 
Isobaren repräsentirt den gröfsten Einflufs des Atlantischen Oceans auf die 
Witterung Mitteleuropas. Der hohe Druck über dem Ocean im Westen und der 
niedere Druck im Inneru von Russland lassen die oeeanischen West- und Nord 
westwinde zur gröfsten Herrschaft gelangen. Ein geschlossenes Gebiet niederen 
Druckes begegnet uns nur in der Po-Ebene, während an der Nordseitc der 
Alpen eine Zunge hohen Drucks von West nach Ost sich erstreckt. Im Laufe 
des Herbstes stellt sieh allmählich die Luftdruckvertheilung des Winters wieder 
her; dabei repräsentiren die Herbst-Isobaren für Mitteleuropa das Maximum 
des kontinentalen Einflusses mit östlichen und südöstlichen Landwinden. Ein 
dotaillirtes Eingehen auf die Karten wie auch eine erschöpfende Darlegung der 
im Text in so reicher Fülle enthaltenen Resultate von weittragender wissen 
schaftlicher Bedeutung verbietet uns der Raum. Wir müssen diesbezüglich auf 
das Original verweisen und begnügen uns hier mit einer kurzen Uebersicht des 
Inhalts, 
Ein Vergleich der verschiedenen barometrischen Maxima und Minima, 
die auf den Karten hervortreten, einerseits mit der Temperaturvertheilung, 
andererseits mit der Bodenkonfiguration lehrt die enge Abhängigkeit ihres Auf 
tretens von beiden Faktoren. 
Die Aenderungen, die im meteorologischen Regime Mitteleuropas im 
Laufe eines Jahres vor sich gehen, lassen sich trefflich an den Aenderungen 
des Lnftdruckgefälles in bestimmten Richtungen, d. h. also an den Lnftdruck- 
differenzen zwischen zwei in bestimmter Richtung zu einander gelegenen Orten 
darstellen. Diese Luftdrackdifferenzen für die Richtungen N—S, NW—SE, 
W—E und SW—NE, wie auch die Aenderuug (Steigen und Fallen) des Luft 
drucks von Monat zu Monat in verschiedenen Theilen Europas, endlich den 
jährlichen Gang der Monatsmittel des Luftdrucks von Mittel- uud Süd-Europa 
im Meeresniveau behandelt der Verfasser ausführlich im III. Kapitel. 
Von hohem Interesse ist der Abschnitt über die Beziehungen zwischen 
den Luftdruck-Anomalien über Europa und den Temperatur - Anomalien in 
Mittel-Europa (Kapitel IV). Verfasser nahm eine gewisse Anzahl der aller-
	        
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