Teitheilung des Luftdruckes über Mittel- und Süd-Europa.
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mehrfach andeutet. Freilich, alle diese Schlüsse zu ziehen und dadurch nach
allen Richtungen hin das gebotene Material auszunutzen, konnte nicht Aufgabe
des vorliegenden Werkes sein.
Werfen wir einen Blick auf die Jahreskarte, so treffen wir die dichteste
Behaarung der Isobaren entlang der Kette der Alpen, die eine Art Stau
wirkung auf die Luftmassen ausübt, indem sie erst jenseits einer Höhe von
2000 m eine freie Kommunikation gestattet. Am steilsten sind hier die Gradienten
im Osten, im Gebiet von Kärnthen, Krain und Küstenland, wo sieh das Hoch
druckgebiet, das den Nordfufs der Alpen eharakterisirt, bis Klagenfurt südost-
wärts krümmt und in fast unmittelbare Nachbarschaft des Gebietes niedrigen
Druckes auf der Adria gelangt. Die Richtung des Gradienten ist hier das
ganze Jahr hindurch eitle südliche oder südwestliche, seine Gröfeo dabei be
sonders im Winter eine ganz aufserordentÜche, Am schwächsten sind die
Gradienten auf unserer Karte in Ungarn.
Eine Musterung der Monatskarten lehrt, dafs die vier meteorologischen
Jahreszeiten durch ganz verschiedene Wettertypen eharakterisirt werden ; die
mittleren Monate der Jahreszeiten, Juli, Oktober und Januar, zeigen auch
diesen Charakter am schärfsten ausgeprägt; nur der Frühling macht eine Aus
nahme, dessen Charakter durch den Mai noch typischer repräsentirt wird als
durch den April.
Der Winter ist eharakterisirt durch den außerordentlich tiefen Druck
im Nordwesten auf dem Atlantischen Ocean und durch ein Band hohen Drucks
längs der Mittellinie des Kontinents, von Spanien bis Südrussland, das das
Hochdruckgebiet der Rossbreiten mit der Anticyklone Innerasiens verbindet
und über Siebenbürgen und den Alpen Kulminationspunkte besitzt — endlich
durch scharf markirte Nie der d ruckgebiete auf dem Mittelmeer. Im Frühjahr
herrscht über Mitteleuropa eine außerordentlich gleichmäfsige Luftdruckverthei-
lung mit tiefstem Druck im Südosten, welcher in Frankreich, Deutschland,
West-Oesterreich und West-Ungarn nördliche und nordöstliche Winde veranlafst;
schwache Depressionen finden sieh, abgesehen von der Bulkanhulbinsel, in
Siebenbürgen, in der Po-Ebene und bei Corsiea. Der Typus der Sommer-
Isobaren repräsentirt den gröfsten Einflufs des Atlantischen Oceans auf die
Witterung Mitteleuropas. Der hohe Druck über dem Ocean im Westen und der
niedere Druck im Inneru von Russland lassen die oeeanischen West- und Nord
westwinde zur gröfsten Herrschaft gelangen. Ein geschlossenes Gebiet niederen
Druckes begegnet uns nur in der Po-Ebene, während an der Nordseitc der
Alpen eine Zunge hohen Drucks von West nach Ost sich erstreckt. Im Laufe
des Herbstes stellt sieh allmählich die Luftdruckvertheilung des Winters wieder
her; dabei repräsentiren die Herbst-Isobaren für Mitteleuropa das Maximum
des kontinentalen Einflusses mit östlichen und südöstlichen Landwinden. Ein
dotaillirtes Eingehen auf die Karten wie auch eine erschöpfende Darlegung der
im Text in so reicher Fülle enthaltenen Resultate von weittragender wissen
schaftlicher Bedeutung verbietet uns der Raum. Wir müssen diesbezüglich auf
das Original verweisen und begnügen uns hier mit einer kurzen Uebersicht des
Inhalts,
Ein Vergleich der verschiedenen barometrischen Maxima und Minima,
die auf den Karten hervortreten, einerseits mit der Temperaturvertheilung,
andererseits mit der Bodenkonfiguration lehrt die enge Abhängigkeit ihres Auf
tretens von beiden Faktoren.
Die Aenderungen, die im meteorologischen Regime Mitteleuropas im
Laufe eines Jahres vor sich gehen, lassen sich trefflich an den Aenderungen
des Lnftdruckgefälles in bestimmten Richtungen, d. h. also an den Lnftdruck-
differenzen zwischen zwei in bestimmter Richtung zu einander gelegenen Orten
darstellen. Diese Luftdrackdifferenzen für die Richtungen N—S, NW—SE,
W—E und SW—NE, wie auch die Aenderuug (Steigen und Fallen) des Luft
drucks von Monat zu Monat in verschiedenen Theilen Europas, endlich den
jährlichen Gang der Monatsmittel des Luftdrucks von Mittel- uud Süd-Europa
im Meeresniveau behandelt der Verfasser ausführlich im III. Kapitel.
Von hohem Interesse ist der Abschnitt über die Beziehungen zwischen
den Luftdruck-Anomalien über Europa und den Temperatur - Anomalien in
Mittel-Europa (Kapitel IV). Verfasser nahm eine gewisse Anzahl der aller-