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Vertheilung des Luftdruckes ober Mittel- and Süd-Europa,
erreichen. Daher unterzog sich der Verfasser zu allererst der ebenso zeit
raubenden als unumgänglichen Prüfung der zu verwendenden Reihen in Bezug
auf ihre Homogenität. Dieselbe geschah nach der von Hann auch für
Temperaturreiben angewandten Methode der Differenzen, die auf der Thatsaehe
beruht, dafs die Aenderung des Luftdrucks von Jahr zu Jahr selbst auf gröfseren
Landfläehen an allen Punkten mehr oder weniger parallel verläuft, dafs also
scheinbare isolirte Abweichungen von dieser Parallelität auf das Eingreifen
einer Fehlerquelle an der betreifenden Station schliefsen lassen. In dieser
Weise wurden die Luftdruekreihou von etwa 200 über ganz Europa vertheilten
Stationen durch Differenzen geprüft und sodann die Reihen durch Anbringung
der so gefundenen Korrektionen konsolidirt. Ueber die Prüfung giebt ein
38 Seiten langer „Nachweis“ Station für Station Rechenschaft. Derselbe macht
im Verein mit den weiter unten erwähnten Tabellen Hann’s Buch zu einem
„Standard work“, nach welchem jeder Forscher, der irgend mit LuftdruckMitteln
zu Uran hat, wird greifen müssen, auch nachdem die von Hann aus seinen
Reihen abgeleiteten Resultate durch Lehr- und Handbücher Gemeingut der
Wissenschaft geworden sein werden.
War in dieser Weise jede Reihe für sich in ihren einzelnen Theilen
vergleichbar geworden, so wurden nunmehr durch Anbringung der Barometer
korrektionen und Reduktion aller Barometerstände auf den Stand des seit 1877
funktionirenden Normalbarometers der k.k. Centralanstalt für Meteorologie zu Wien
die Luftdruckwerthe verschiedener Stationen vergleichbar gemacht. So wurde ein
Material geschaffen, das an Präcision nichts zu wünschen übrig liefs. Nach
Anbringung der Schwerekorrektion, nach Reduktion der Luftdruckmittel auf das
Meeresniveau, die freilich nur bei ca 70 Stationen möglich -wär, deren genaue
Seehöhe sich mit Sicherheit auf Grund von Nivellements ermitteln liefs,
sowie endlich nach Reduktion der kürzeren Reihen auf das 30jährige Mittel
1851/80 waren alle Daten gegeben, um die Isobaren des Jahres im Meeres
niveau zu entwerfen. Die letzteren gaben dann die Möglichkeit, barometrisch
die Seehöhe derjenigen Stationen zu berechnen, welche nicht an Präcisions-
mvellements angeschlossen sind, und dadurch deren Beobachtungen für die Kon
struktion der Monatsisobaren verwertbbar zu machen.
Ausführliche Tabellen, welche dem Text angehängt sind, enthalten nach
einander für 205 Stationen die beobachteten und in dieser Weise korrigirten
wahren Luftdruckmittel des Jahres und der Monate der Periode 1851/80, ferner
für dieselben Stationen den wahren Luftdruck im Meeresniveau und für
64 Stationen den wahren Luftdruck im Niveau von 500 m. Den Schlufs bilden
Tabellen der Monats- und Jahresmittel des Luftdruckes in den einzelnen Jahr
gängen nebst Lustren-Mitteln für 39 Normalstationen, welche die Reduktion
auch anderer, hier nicht verwendeter kürzerer Beobachtungsreihen auf eine
längere Periode ermöglichen.
Die dem Werk beigegebenen Tafeln I bis III enthalten Isobarenkarten
im Meeresniveau für das Jahr sowie für die einzelnen Monate für ein Gebiet,
das von dem Meridian von Bristol im Westen, demjenigen von Cherson im
Osten und dem Breitenkreis von Königsberg im Norden und demjenigen von
Kairo im Süden eingeschlossen wird. Ueberall sind die Isobaren von 0,5 zu
0,5 mm gezogen. Aufserdem bringt der Verfasser auf Tafel III noch die
Isobaren im Niveau von 500 m Höhe für das Jahr und die Monate Januar,
Mai, Juli und Oktober zur Darstellung; denn für die Luftströmungen ist die
Luftdruckvertheilung in dieser Höhe die mafsgebendere, weil einerseits über
haupt in hochgelegenen Gebieten, wie etwa den Alpen und selbst den Mittel
gebirgen Deutschlands die Isobaren im Meeresniveau eine reine Fiktion sind,
und andererseits die Luftbewegung der Höhe sich in Tiefländern durch vertikalen
Luftaustausch auch den tieferen Luftschichten mittheilt. Doch zeigt hier die
Luftdruckvertheilung in 500 m Höhe durchaus dasselbe Bild, wie diejenige
im Meeres»!veau, nur durchweg mit abgeschwächten Gradienten.
Die Karten, die in Kapitel II eingehend diskutirt werden, bieten natur-
gemäfs z. Th. in ihren grofsen Zügen das bekannte Bild der Luftdruckvertheilung
dar. Im Einzelnen aber begegnet man Schritt für Schritt neuen Thatsachen,
die über verschiedene, bisher wenig erklärte Anomalien in der Vcrtheilung
anderer klimatischer Elemente Licht zu verbreiten geeignet sind, wie Verfasser