Kleine Notizen.
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wir längsseits der Werft und machten den folgenden Tag den Anfang mit der
Entlöschung der Ladung. Falls die Witterung es gestattet und die Ladung
nicht zu unhandlich ist, kann man darauf rechnen, täglich etwa 100 Tonnen zu
löschen. Ich hatte diese Arbeit für 10 d. die gemessene Tonne an einen Stauer
ausverdungen» wobei es mir freistand, zwei Mann von der Besatzung gegen
eine Vergütung von 10 sh. den Tag dabei zu beschäftigen. Es ist dies hier
der gewöhnliche Taglohn. Der Preis des Ballastes ist 2 sh. 4 d. die Tonne;
frisches Rindfleisch kostet 27« d. das Pfund, Trinkwasser 1000 Gallonen —
1 Tonne — 8 sh. Die nöthigen 300 Tonnen Ballast konnten mit der eigenen
Mannschaft in 47s Tagen übergenommen werden. Für die Uebernahme des
Ballastes durch einen Stauer unter Anwendung von Dampfkraft äst 1 sh. für
die Tonne zu entrichten. Beim Löschen von Stückgütern ist mit grofser Vor
sicht darauf zu achten, dafs diese mit vollständig unbeschädigter Verpackung
ans Land kommen, denn wenn nur das Geringste daran auszusetzen ist, ver
weigern die Empfänger die Annahme der Güter. Solche Gebinde werden dann
im Beisein des Kapitäns und dor Eigenthümer geöffnet, und jede, selbst die
geringfügigste Beschädigung mufs vom Schiffe bezahlt werden.
Gleichzeitig mit „Caroline Behn“ erreichten zwei englische Barken „ Peru“
und „Letteseweerstero am 2. April von Liverpool, letztere am 4. April 1887
von London gesegelt, den Hafen von Wellington. »Peru“ hatte die Länge
zwischen 42° und 43° S-Br abgelaufen und dort vorherrschend leichte bis
mäfsige nördliche Winde getroffen, während „Lettesewe“ zwischen 44° und 45°
S-Br unbeständiges Wetter und schwere Stürme vorfand. Wir hatten in letzterer
Breite den Wind von mittlerer Stärke. Die nördlichen Winde waren meistens
frisch, und die südlichen und westlichen steigerten sich nur gelegentlich bis zu
einem mäfsigen Sturme. Es war nur zweimal während einiger Stunden nötldg,
ein Reff in der Fock zu führen. Leider hatten wir nur sehr leichte Passate
und an den Grenzen derselben zu lange anhaltende Windstillen getroffen, sonst
wäre der Verlauf der Reise ein sehr günstiger gewesen.
Am 4. August 1887 traten wir die Reise von Wellington nach Napier
an, wobei wir im Schlepptau eines Dampfers um 12 Uhr Mittags den Feuor-
thurm von Pancarrow passirten und nach einer Reise von fünf Tagen am
9. August um 10“ a. m. auf der Rhede von Napier in einer Wassertiefe von
12,6 m — 7 Faden — ankerten.
Die EinBegelung nach Napier ist sehr leicht, und das Fahrwasser bietet
Raum genug, auch bei einem Gegenwinde einkreuzen zu können. Der Lootse
kommt erst bei Napier-Blujf an Bord. Wer schon einmal in Napier gewesen
ist, bedarf eines solchen kaum; doch besteht Lootsenzwang, und wird seine
Hülfe schon deshalb in Anspruch genommen. Das Lootsengeld beträgt für die
ersten 100 Reg.-Tonnen 6 d. pro Tonne und für jede folgende Reg.-Tonne 2 d.
mehr. Die Rhede von Napier ist besser, als allgemein behauptet wird. Wenn
gleich die Schiffe bei Winden von S durch E nach KE manchmal dwars in der
Dünung zu liegen kommen und derart schlingern, dafs das Löschen unter
brochen werden mufs, so kann man doch auch wochenlang schönes, beständiges
Wetter haben, bei dem am Tage ein mäfsiger Seewind aus SE und in der
Nacht eine mäfsige Landbriese aus W auftritt. Während meines dreiwöchent
lichen Aufenthalts auf der Rhede von Napier, vom 9. August bis zum 2. Sep
tember 1887, erreichte der Wind von SE nur an einem Tage die Stärke 7. Es
entstand hierdurch freilich eine sehr hohe Dünung und das Schiff schlingerte
fürchterlich, doch war es nicht nöthig, den zweiten Anker fallen zu lassen.
Nach Aussage des Lootsen kommen solch schwere Stürme, die für die Schiffe
gefahrbringend werden können, hier nur alle drei bis vier Jahre einmal vor.
Wir haben in 16 Arbeitstagen mit den eigenen Leuten 600 Tonnen Ladung
gelöscht. Die Unkosten sind im Ganzen mäfsig.
Am 2. September 1887 gingen wir um 6“ a. m. von Napier nach Iquique
unter Segel und erreichten diesen Hafen, nach einer Reise von 37 Tagen, am
9. Oktober. Um 9“ a. m. dieses Tages wurde auf dem Ballastgrunde in einer
Wassertiefe von 16 Faden — 29 m — geankert. In einem Abstande von etwa
2 Sin vom Hafen gerieth das Schiff bei der Ansegelung um 5 h a. m. in Wind
stille, so dafs wir, um nicht zu vertreiben, genöthjgt waren zu bugsiren. Es
ist, um einem solchen Vorkommnifs zu entgehen, gerathen, den Hafen nickt
Ann. <3. Hyilr. etc., 1SSD, Seit XX, 7