360
Kleine Notizen.
45,9° W-Lg noch einer 3m SO und um 4 Uhr Nachmittags auf 47,8° S-Br und
45,5® W-Lg der letzte Eisberg weit entfernt im NNW gesehen.
2. Chemische Analyse des Nordsee-Wassers. Nach einer in der
Nummer 1021 der englischen Zeitschrift „Nature“ enthaltenen Notiz hat der
mit der Leitung der physikalischen Arbeiten des schottischen „Mshery Board“
betraute Gelehrte Dr. John Gibson vor Kurzem die Diskussion einer Reihe
sorgfältiger Analysen des Nordsee-Wassers beendet, deren Ergebnifs für das
Problem der Meeresströmungen von Wichtigkeit sein dürfte. Vorläufig hat er
der »Royal Society“ in Edinburg einen Bericht über seine Untersuchungen,
welche im nächsten Jahresbericht dos „Fishery Board“ in extenso veröffentlicht
werden sollen, eingereicht, aus welchem hervorgeht, dafö die Nordsee zweierlei,
durch das Yerhältaifs des Chlorgehalts zur Dichtigkeit von einander ver
schiedene Wasser enthält. Er weist nach, dafs das relativ chlorreichere von
der Oberfläche des Atlantischen Oceans um die Nordkiistc Schottlands herum
und durch den Englischen Kanal in die Nordsee gelangt, während dag relativ
chlorärmere von Norden her, wo es bis 79° N-Br angetroffen wurde, in dio
Nordsee eindringt. Die in den „Challenger Reports“ veröffentlichten Unter
suchungen der von diesem Schiffe in verschiedenen Meeren gesammelten Wasser
proben lassen erkennen, dafs ähnliche Unterschiede des Chlorgehalts in der
ganzen Ausdehnung des Oceans Vorkommen, und dafs meistens, namentlich aber
in südlichen Breiten, die chemischen und DicbtigkeitsVerhältnisse des Meeros-
wassers angenähert dieselben sind, wie die des relativ chlorreicheren Wassers
der Nordsee, das, wie erwähnt, aus dem Atlantischen Ocean stammt. Das
cblorärmero Wasser scheint sich, wie ans den „Challenger Berichten“ hervor
geht, vorwiegend nördlich vom Acquator und im SW der Einmündungen des
nördlichen Eismeeres in deu Atlantischen und Stillen Ocean vorzufinden.
Dieser Umstand sowohl, als auch die chemischen Eigenschaften des chlor-
ärmeren Wassers lassen vermuthen, dafs es arktischen Ursprungs ist, wie das
in die Nordsee von Norden her einfliefsende.
3. Strommessungen im Nordatlantischen Ocean. Der Y. St.
Dampfer „Blake“ wird unter Kommando des Lieutenants J. E. Pillsbury auf
Veranlassung des „Coast and Geodetic Survey Office“ in diesem Sommer süd
östlich vom Kap Ilatterm, südlich von der Nantucket-Untiefe und südlich
von den Georyes-Untiefen Strommessungen ausführeu. Ausser direkten Messungen
werden zur Bestimmung des Stromes unter der Oberfläche eine Anzahl Schwimmer
über Bord gesetzt. Dieselben bestehen aus 2’/2 m (8') langen weifsen Staugen,
die 30 bis 60 cm aus dem Wasser hervorragend an ihrem oberen Ende eine
einfache metallene Windfahne tragen, während an dem unteren Ende vier
eiserne Flügel befestigt sind, welche 1,8 bis 2 m (6 bis 7') unter der Oberfläche
die Wirkung des hier herrschenden Stromes aufnehmen und den Schwimmer
demselben zu folgen zwingen sollen. Die Stange trägt fünf gläserne wasser
dicht verschlossene Röhren, welche in Hülsen aus Kupferdraht befestigt sind;
jede der Röhren enthält einen Zettel mit Datum und Ort, au welchem der
Schwimmer über Bord gesetzt wurde, und mit einer Aufforderung an den
Finder des Schwimmers, Fundort nnd Datum des Auffmdens auf dem Zettel zu
vermerken; der Zettel ist in englischer, deutscher, spanischer und französischer
Sprache abgefafst. Aufserdem befindet sieh in jedem Glasbehälter ein Kouvert
mit der Adresse „The Superintendent Coast and Geodetic Survey, Washington,
D. C.“ Indem die genannte Behörde dies bekannt macht („Notice to Mariners“
N0. 114), bittet sie Denjenigen, welcher einen solchen Schwimmer antrifft, einen
von den Glasbehältern zu entnehmen und den Schwimmer sodann weiter treiben
zu lassen, jeden späteren Finder, ebenso zu verfahren, Mau zerbreche oder
öffne die Glasröhre vorsichtig, lese den Zettel und befolge die auf demselben
enthaltene Aufforderung, indem man Datum,.Ort und Art des Findeus, ob der
Schwimmer frei treibend oder gestrandet, ausfüllt, den Zettel mit seinem Namen
unterzeichnet, ihn in das beiliegende Kouvert packt und dasselbe entweder
durch den nächsten amerikanischen Konsul oder direkt au die Adresse befördert.
4. Gezeitenstrom in der Belle Isle-Strafse, am Nordende von
Neufundland, Britisch Nord-Amerika. („Hydrographie Notice“ N0. 5,
London 1889). Nach einem Bericht des Hafenmeisters zu St. John, Commander