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Vierteljahvs-Wetter-Ruiidscliau der Deutschen Seewarte, Herbst 1885.
Am 19.—20. Oktober vollzog sich eine völlige Umgestaltung der Druek-
vertkeilung über dem Oeean und Europa dadurch, dafs das grönländische
Maximum durch ein neues, von Canada her in mittleren Breiten heranrückendes
ersetzt wurde, während das Minimum von der spanischen See sich nach Ober
italien verlagerte und südlich von Island ein neues entstand, das an den
folgenden Tagen über dem englischen Kanal stationär wurde und sieh bedeutend
ansbildete. An Stelle des hohen Druckes, der sich auf Karte VI von Grönland
nach Kleinasien erstreckt, finden wir auf Karte VII ein Gebiet niederen Druckes,
den Spielplatz von cyklonaleu Wirbeln, während eine Reihenfolge von Hochdruck
gebieten vom Felsengobirge bis gegen Gibraltar zieht. Im Zeitabschnitt
vom 20.—24. Oktober liegt das erste dieser Maxima noch zwischen Neu
schottland und den Azoren, und nimmt in Europa hauptsächlich die wunderliche
Schleifenbahn und zunehmende Entwickelung der erwähnten Depression am
Kanal unser Interesse in Anspruch. Im folgenden Zeitabschnitt vom
25.-29. Oktober liegt dieses Maximum östlich von den AzorcD, den Raum
zwischen Bermuden und Island kleinen Cyklonen überlassend, und wird die
eben besprochene Depression rasch zum Theilminimum einer neuen, mächtig bei
Island sich entwickelnden erniedrigt. Die letztere ist am 26. und 27. bei den
Färöern am intensivsten; darauf vollzieht sich aber in demselben Nieder
druckgebiet, durch rasche Verflachung dieses Minimums, die Verlagerung des
tiefsten Punktes auf ein anderes, im Skagerrak liegendes, und daun (zum 29.)
auf eiu drittes, in Finnland liegendes Centrum. Bei genauerer Verfolgung,
namentlich auch der Abendkarten, zeigt es sich, dafs die Fortpflanzung:
27. Shetlands, 28. Skagerrak, 29. Finnland nicht als eine und dieselbe Bahn
dargestellfc werden kann, sondern die soeben und in der Karte angedenteton
Diskontinuitäten enthielt.
Der Zeitabschnitt vom 30. Oktober bis 8. November wird dadurch oin-
geleitet, dafs am 30. und 81, zwei neue, an der amerikanischen Ostküste und
in Ungarn aufgetretene Depressionen starke Entwickelung erlangen. Doch
werden sie beide rasch unterdrückt durch die mächtige Ausbildung einer neuen
Depression über Island, die jedoch nach dem 4. wieder abstirbt. Während der
von Amerika kommende Wirbel rasch an der Nordgrenze des azorischen
Maximums hingleitet, bewegt sich jener aus Ungarn zuerst, bis zum 2., unter dom
Einflufs hohen Druckes im Osten nordwärts (auf Zugstrafse Vb), dann unter
dem eines über Südrussland entstehenden Maximums ost- und südwärts, und
zuletzt am 5.—7. unter jenem eines im nördlichen Ural auftretenden Maximums
eine kurze Strecke westwärts. Ueber dem Mittelmecre lag wahrend dieser
ganzen Zeit eine flache, nur am 6. stärker entwickelte Depression.
Im Gegensatz zu den obenerwähnten Hochdruckgebieten, die zwar zum
Theil höchst intensiv waren, aber auf unseren Karten nur auf wenige Tage
und ohne deutlich verfolgbare Fortpflanzung auftraten, steht das Maximum,
welches vom 30. Oktober bis zum 8. November vom Oberen See bis nach
Lithauen sich fortpflanzte. Durch dasselbe wurden am Ende dieses Zeit
abschnitts die Gebiete niederen Druckes im Nord westen und im Süden Europas
von einander getrennt, und erhielt Central-Europa eine längere, nur am 15.—16.
durch ein kräftiges Theilminimum auf der Ostsee gestörte Periode ruhigen,
trockenen, aber vielfach sehr nebligen Wetters. Dasselbe dauerte dadurch, dafs
vom 15.—18. ein neues Maximum von Schottland her, und am 19.—21. ein
ferneres von den Färöern über Central-Europa hin wegzog, noch bis zum 21. an,
doch erschien es aus Rücksieht auf die Lage auf dem Oeean richtiger, den in
der Karte IX darzustellenden Zeitabschnitt auf die Tage vom 9. —18. No
vember zu beschränken. Am Ende desselben hatte Mitteldeutschland kräftigen
Frost, der in den Thälern schärfer auftrat, als auf den Höhen, wie dieses in
Anticyklonen im Winter ja nicht selten ist.
Unter den Depressionsbahnen dieser Karte fällt uns besonders die lange
Bahn eines Wirbels in die Augen, welcher am 10.—11. im St. Lorenzgolf be
deutende Entwickelung erreichte und nun quer über den Oeean bis nach Oporto
fortschritt. Anfang und Ende seiner Fortpflanzung waren, in seltsamer Ueber-
einstimmung, von der kräftigen Ausbildung und schleifenförmigen Bewegung je
eines Wirbels am gegenüberliegenden Rande des Oceans begleitet, nämlich um
den 11.—13. bei Madeira und um den 16.—18. bei Labrador. Die Erscheinung