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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Viertcijahrs-Wetter-Rundscbaii der Deutschen Seewarte, Herbst 1885. 
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von anderer Seite*) ausgesprochene Behauptung, daf3 bei Nachtgewittern die 
Temperatur steigt, zeigt sich diesen höchst charakteristischen Kurven gegenüber 
als übereilte Verallgemeinerung. Bei dem Interesse, das diese Erscheinungen 
für die Aufhellung des höchst kornplizirten Mechanismus der Gewitter haben, 
geben wir nachstehend die betr. Kurvenstücke wieder und fügen jene vom 
1. Oktober, ebenfalls m Brüssel, hinzu, welche ganz Aehnliehes um Mitternacht 
zeigen. Die beiden starken Linien beziehen sich auf den Luftdruck, die beiden 
zarten auf die Temperatur. 
1Ö p 12 p 2 a i a 6 a 
Oktober 
Eine Reihe sehr merkwürdiger Erscheinungen bieten die beiden folgenden 
Zeitabschnitte vom 9.—14. und vom 15.—19. Oktober dar, welche auf 
Karte V und VI dargestellt sind. Das ausgedehnte Gebiet hohen Druckes, 
welches im vorhergehenden Zeitabschnitt stationär in den sogen. Eofsbreiten 
auf dem Ocean gelagert hatte, erfuhr am 8. bis 11, eine rasche Umwandlung, 
indem es sich auf den Osten des Oceans beschränkte und nach Norden mit einem 
zweiten Maximum in Verbindung trat, welches über Grönland erschien, vielleicht 
als Fortsetzung des am 5.—9. durch die Vereinigten Staaten und bis nach 
Labrador gewanderten Maximums, jedoch jedenfalls unter nur unvollkommenem 
Zusammenhang mit diesem. Der südwestliche Tlieil des letzteren bildete sich 
dagegen vom 9. zun* IQ. über Virginien zu einem gesonderten intensiven Hoch 
druckgebiet aus, weiches bei den Vorgängen der folgenden Tage eine bedeutende 
Rolle spielte. Drei Rücken höhere» Druckes etwa bei 7CU W, 20® W und 
60° Ost v, Gr. schlossen in diesen Tagen zwei Rinnen niedrigeren Druckes 
etwa bei 45° W und 10° Ost zwischen sich ein; die durch die Isotherme 765 
auf unserer Karte dargestellte mittlere Druckvertheilung entspricht besonders 
nahe derjenigen am 12. Oktober. 
In der östlichen Furche entspricht die Bewegung der meisten Depressionen 
der Regel, indem sie andere Depressiönsceatren zu ihren Linken haben; ins 
besondere ist dieses bei der merkwürdigsten dieser Bewegungen der Fall, jener, 
die am 12.—14. vom Skagerrak nach England führte und speziell mit dem sehr 
hohen Luftdruck bei Island zusammenhing. Dagegen war in der westlichen 
Furche die Lage verwickelter. 
Hier war es ein am 9. unvermuthet im Golfstrom gegenüber Nou-England 
aufgetretener Wirbel, welcher vom 11. ab grofse Dimensionen erreichte, bis 
zum 13. nach NE und Nord fortwanderte, im Laufe dieses Tages anscheinend 
in einen nördlichen und südlichen T'heil zerfiel, und in dem gröfseren letzteren 
eine anomale Richtung direkt nach Süd einschlug. Am 11. und 12. herrschte 
an der Westseite dieser Depression an den Küsten Neufundlands und des süd 
lichen Labradors ein Nordsturm, welcher grofse Verheerungen unter der Fischer- 
flotte anrichtete. Nach Zeitungsnachrichten begann der Sturm in der Nacht 
vom IQ, zum 11, Oktober und wiithete mehrere Tage; mehr als 80 Schiffe 
wurden auf den Strand geworfen, und über 100 Fischer büfsten ihr Leben ein. 
*) A. Krebs, „Beiträge zur Keujitnjfs und Erklärung der Gewitter - Erscheinungen*. 
Stuttgart 1889.
	        
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