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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Vierteljahrs-Welter-Rnncischau der Deutschen Seewarte, Herbst 1885. 
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der Küste von Neu-England aus einem schwachen, vom Golf kommenden Wirbel, 
schritt von da nordwärts nach der Baffins-Bai fort, erreichte am 26. ihre 
gröfste Intensität, theilte sich darauf am 27. und 28. in zwei und zog dann 
in ihrem gröfseren östlichen Tkeilstücke zwischen Grönland und Island südwärts, 
bis zum Schlafs dieses Zeitabschnittes. Eine Erklärung für diese so scharf 
ausgeprägten Bewegungen läfst sich zur Zeit kaum geben. Druck und Tempe 
ratur waren am 23.—26. freilich — wie der Regel entspricht — auf der rechten 
Seite der Bahn höher, als auf der linken; allein die Unterschiede waren nicht 
bedeutend; am 26. war zudem der Wärme-Unterschied (Jakobshavn 8,5® bei 
SSE 6, Baffins-Laiid 0° bis —3°) z. Th. einer Föhnwirkung zuzuschreiben. Boi 
der Südwärts-Bewegung am 28. und 29. ist das gewöhnliche Uebergewicht der 
rechten Seite noch weniger erkennbar. Allein da beide Bewegungen innerhalb 
eines sehr spärlich mit Stationen besetzten Gebietes und am Rande eines völlig 
unbekannten sich vollzogen, so ist eine genauere Untersuchung derselben nicht 
möglich. 
In dem folgenden Zeitabschnitt vom 30. September bis 9. Oktober, 
wo eine Reihe tiefer Depressionen auf den besser mit Beobachtungen besetzten 
Tkeilen der Karte sich bewegten, bewährte sich hingegen jene Regel im All 
gemeinen sehr gut, wie schon die Karte IV dieser Rundschau es zeigt. Die 
Mehrzahl der Depressionsbahnen auf derselben ziehen mehr oder weniger parallel 
der dargestellten Isobare von 765 mm und haben hohen Druck rechts und andere 
Depressionen links von sich. So liegen Depressionscentren: am 30. am Onega, 
West von Schottland und über Baffins-Land, am 1. Färöer und Baffins-Bai, am 
4. NE und Süd von Island, am 6. Ost und West von Shetlands, am 7. Lofoten, 
Süd von Island und von Grönland, am 9. Russ. Eismeer, Nordsee «nd SW von 
Island. Im Wesentlichen stimmte auch die Temperatur-Vertheilung damit über 
ein. Die mehrfache gleichzeitige Erduldung gleicher Schicksale bei diesen 
korrespondireuden Cyklonencentren, so die Bahnschleife am 2., das Verschwin 
den am 7., ist sehr seltsam. Besonderes Interesse beanspruchen die am West 
rande von Depressionen entstehenden und rasch zu höchst intensiven Bildungen 
heranwachsenden Theilminima am 6. und 9. mit ihren im Anfänge äufserst 
schnellen halbkreisförmigen translatorischen Bewegungen. 
Von diesen Depressionscentren war für uns das merkwürdigste jenes, 
welches am Abend des 6. Oktober bei Liverpool lag und in den Morgenstunden 
des 7. nahe nördlich von Hamburg vorbeiging, unter fortdauernder Vertiefung. 
Die Aufzeichnungen derjenigen Apparate der Sec warte, welche kontinuirlieh 
registrh'en, findet man von diesem Tage wiedergegebon in der „Monatlichen 
Uebersicht der Witterung“: jene des Thermograph?, der alle 10 Minuten zeichnet, 
findet man im täglichen Wetterbericht der Seewarte. Am Nachmittag des 6. 
hatten zwei Gewitter, um ‘/¡»l* und ‘/-’3 h , ihre charakteristischen Wirkungen am 
Barographen, Anemographen und Pluviographen geäufseit und, wie dies bei 
Taggewittern die Regel ist, kurzdauernde kräftige Abkühlungen hervorgebracht; 
darauf fand in der Nacht anhaltendes Sinken des Luftdrucks statt, wobei der 
Wind erst bis ESE krimpte, dann, von 1 a an, langsam unter Auffrischen über 
SW nach NW ausschofs, welchen Strich er um 8 a erreichte. Dadurch, dafs 
die Depression während ihres Vorüberganges in Austiefung begriffen war, findet 
eine bemerkeuswertlie Verschiebung in den Wendepunkten der einzelnen Elemente 
statt: während die Reehtsdreliung des Windes schon um 1 a begann und der 
starke Regen von 12 bis 4 a dauerte, währten die heftigen Windböen von 4 a 
bis 8 a und wurde der niedrigste Barometerstand erst gegen 6 a erreicht. Die 
Temperatur aber zeigte eine ganz anomale Zunahme von ‘2 a an, ein Maximum 
gegen 6 a und ein neues Sinken bis 9 a, wonach erst die tägliche Periode wieder 
in ihr Recht trat. 
Ebenso interessant, wie jene von Hamburg, sind die Aufzeichnungen dev 
Registrirapparate in dieser Nacht zu Brüssel, wo sie sich wesentlich anders 
abspielten. Um 5 a, also vor Sonnenaufgang, ging hier das Barometer vom 
Fallen zum Steigen über durch ein plötzliches Emporschnellen mn 1,1 mm — 
eine Druckstufe, wie sie so oft Nachmittagsgewitter im Sommer charakterisirt; 
gleichzeitig fand auch die ebenfalls für solche Gewitter charakteristische plötz 
liche Abnahme der Temperatur, in diesem Falle von S'/a® statt. Die kürzlich 
Ana. d. Hydr. etc., ISS9, Heit IX. a
	        
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