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Pampero ipi Südosten von der La 1' 1 ata-Mündung.
Pampero im Südosten von der La Plata - Mündung.
(MittlieHimg von der Deutsche» Seewatte.)
Die deutsche Bark „Jmonda“, Kapt. A. Oefselmann, stand, auf einer
Reise von Newcastle u. T. nach Valparaiso begriffen, am 9. Juli 1888 anf
88,9° S-Br und 47,1° W-Lg. Um 12 Uhr Mittags, bei einem hohen Luftdruck
von 770,9 mm (red.), flaute der während des Vormittags herrschende leichte
südwestliche Wind zur Windstille ab. Die Luft war sehr drückend, und Un
massen von Fliegen sammelten sich auf dem Schiffe an. Um 2 Uhr Nachmittags
kam eine flaue nordöstliche Briese durch, die bei fällendem Barometer rasch
aul'frisehte und am folgenden Morgen um 4 Uhr in 39,7° S-Br und 48,2° W-Lg
bei einem bis 760,4 nun herabgesunkenen Luftdruck als voller Sturm wehte.
Es blitzte fortwährend, doch war Donner kaum vernehmbar. Auf den Toppen
bildeten sich Elmsfeuer; die Luft war dick von Regen und hatte ein drohendes
Aussehen, besonders in Südwest und West. Nach 6 Uhr Morgens am 10. Juli
begann der Wind allmählich nördlich zu holen und zum starken Sturm zuzu
nehmen, der jedoch in gelegentlichen Pausen von 10 Minuten bis zu einer flauen
Briese nachliefs. Unter diesen Verhältnissen, bei rasch fallendem Barometer,
lenzte das Schiff vor beiden Untermarssogeln nach SW. Im Horizont lagerten
hoch aufgethürmte Cumuluswolken mit scharfen weifsen Rändern. Von schweren
Böen mit Regen und Hagel und anhaltendem Gewitter begleitet, wehte der
allmählich weiter links drehende Sturm am Nachmittage des 10. Juli mit der
Stärke 10, bis er um 8 Uhr Abends, als das Barometer mit 746,9 mm seinen
notirten tiefsten Stand einnahm, die Richtung NW erreichte. Um 9 Uhr 30 Mi
nuten Abends folgte auf einen schweren Blitz ein heftiger Donnerschlag, der
das ganze Schiff erzittern machte; zugleich sprang der Wind in einer furchtbaren
Böe um auf SW. Das Schiff legte sich platt auf die Seite, doch zerrifs im
selben Augenblick das Voruntermarssegel, und richtete sich infolge dessen das
Schiff etwas wieder auf. Die folgenden Böen waren nicht mehr von so aufser-
ordentlicher Kraft; unsere Lage blieb indessen noch eine unheimliche; dureh
die grellen Blitze, welche die sonst stockfinstere Nacht alle Augenblicke er
leuchteten, wurden wir fast geblendet, Gleich nach dem Ansschiefsen des
Windes begann das Barometer rasch in die Höhe zu gehen, und die Böen
wurden allmählich schwächer und seltener, doch wehte noch bis 6 Uhr Abends
des nächsten Tages ein starker SW-Sturm. Dann nahm die Windstärke rasch
ab, und auch die See, welche eine gewaltige Höhe erlangt hatte, legte sich
allmählich.
Der Pampero nahm den auf dem La Plata gewöhnlieh vorkommenden
Verlauf. Das Sturmfeld hat sich mit bedeutender Geschwindigkeit in südöst
licher Richtung fortbewegt. Als das Schiff in den Bereich desselben hineintrat,
lag dessen Centrum ungefähr westnordwestlich von ihm, es stand also auf der
linken Seite der Sturmbahn. Indem das Schiff nach SW steuerte, hatte es sieh
dem Centrum der Depression bis auf eine geringe Entfernung genähert, als um
9 h 30 ra p. m. den 10. Juli der Wind in der schweren Böe von NW nach SW
umsprang; dasselbe war um diese Zeit ebon vor dom Sehiffe vorübergegangen
und entfernte sich jetzt rasch von demselben, was durch das schnelle Steigen
des Barometers angedeutet ist. Nach dem Herumspringen des Windes von NW
auf SW trat eine grofse Abnahme der Lufttemperatur ein. Das Sinken der
Temperatur der Meeresoberfläche läfst wohl erkennen, dafs das Schiff die Grenze
zwischen der warmen und kalten Meeresströmung überschritten hatte.