Segel-Anweisungen für Fahrten in den Chinesischen Gewässern.
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von Süd-Formosa gelangt ist, daun 1 bis 2 Wachen nach ungefähr NNW und
hiernach wieder nach Osten. Auf diese Weise wird man das Südkap in etwa
3 Tagen erreichen, darf aber nicht vei’gessen, dafs aus dem Aw-mosa-Kanal ein
starker Strom nach SW setzt. Bei sehr steifem Winde segele man nicht direkt
nach Formosa hinüber, sondern arbeite erst nach Breaker-Spitze auf und dann
nach Süd-Formosa hinüber.
An der Westküste von Formosa herrscht während des NE-Monsuns fast
immer schönes Wetter, die See ist ruhig und der Wind leicht zwischen E und
NNE. Am Südkap weht es dagegen gewöhnlich stark und steht eine hohe
kurze See. Dieser stürmische Wind reicht aber nur etwa 40 Sm südlich von
dein Kap, und man gehe daher dreist südlich von den FrZe-Arie-Felsen nach
Südosten. Ist man so 1—10 Sm nördlich von Nord-Bashi gekommen, wende
man, sobald man Botel Tobago erreichen kann, an deren Nordseite man auf den
nach Norden setzenden Kurosiwo trifft, hüte sich aber vor allzu grofser An
näherung an die Küste von Formosa. Von Samosama an kreuze man nach NNO
und gehe zwischen der Mejaco-Sivia-Gruppe und dem NO-Kap von Formosa
hindurch, komme aber dem letzteren nioht zu nahe, da man hier stets frische
Briese, Stromkabbelungen und unregelmäfsigo See findet. Von hier arbeite
man östlich von der lloa-pin-su-Gruppe nach ca 28° N-Br und 125 *4° O-Lg,
von wo Shanghai und Ningpo leicht erreicht werden können. Nördlicher als
28° zu gehen, ist nicht rathsära, da mau in dieser Jahreszeit bei dem Chusan-
nnd Sa<M<?-Archipel oft WNW- bis NNW-Winde antrifft.
12. Von Swatau nach Amoy und Nord-China.
Um im NE-Monsun von Swcrfau nach Amoy zu segeln, Hege man nach
der Westküste von Formosa hinüber und kreuze zwischen dieser und den
Pescadores auf, bis man nördlich frei von denselben nach dem Bestimmungsort
liegen kann. Die Reise wird von 5 bis 8 Tagen Dauer sein.
Von Swatau nach dem Norden Chinas führen zwei Segelwege. Man
kreuze entweder an der “Westseite von Formosa bis zum NW-Kap dieser Insel
auf, gehe nördlich derselben nach Osten und dann mit dem Kuroswjo nach NNE,
oder man neliuio seinen Weg südlich von Formosa uud kreuze östlich der
Insel auf.
13. Von Ämoy nach Fntschan und Nord-China.
Von Oktober bis April von Amoy nach Fwtschau bestimmt, liege man
über einem Bug nach der Westküste von Formosa, auf die man jedenfalls
nördlich der Pescadores trifft, arbeite sich an der Küste bis zum NW-Kap auf,
von wo man Fv,tschau selbst bei steifer Briese auf einom Bug erreichen wird.
Nach dem Norden Chinas bestimmt, gehe man lieber südlich und östlich
von Formosa.
14. Reisen nach Tschifn, Tientsin, Newcliwang.
Nachdem man von einem südlichen Hafen auf die in den vorhergehenden.
Abschnitten angegebene Weise in den Ktiromoo-Stvom und bis ca 30° N-Br
und 125° O-Lg gelangt ist, arbeite man von November bis Februar mit den
dann hier herrschenden veränderlichen Winden zwischen Nord uud NW und
bis WSW nach dem Vorgebirge Shantung und halte sich so viel wie möglich
in der Mitte zwischen der China- und Korea-Küste, um jede Wind Veränderung
möglichst ausnutzen zu können. Obgleich an den Küsten Ebbe und Fluth läuft,
ist doch in einem Abstaude von ca 40 Sm von denselben nur der durch den
herrschenden Wind erzeugte Strom bemerkbar, der selten über 20 Sm Stärke
pro Tag erreicht. Wenn der Wind in den angegebenen Monaten aus dem
dritten Quadranten, d. h. zwischen Süden und Westen weht, so wird er fast
stets aus der Richtung kommen, wo es anfängt, am Horizont aufzuhellen.
Obgleich SW-Winde selten sind, so kommen sie doch zuweilen vor und gehen dann
öfters nach NW und springen von dieser Richtung wieder zurück auf SW, aber
fast nie nach SB, Geht der Wind von NW auf SW zurück, so tritt gewöhnlich
schlechtes Wetter mit Regen, starken Winden und Böen ein. Nach Februar
und besonders nach März treten NE-, E- und SE-Winde mit schönem Wetter
an die Stelle der NW-Winde. Dieselbe Witterung herrscht auch im Golf von
Liau Tung, hier kommen jedoch auch nach dem Juli plötzliche umlaufende