Prüfung der Poisson’schen Deviatiottstheorie für die Schiffskonjpasse..
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Differenzen zwischen Rechnung und Beobachtung übrig bleiben, als solche, die
man den zufälligen Beobächtungsfehlern zusehreiben dürfte, und nicht etwa
systematische Differenzen sich herausstellten, die auf das Mangelhafte der Theorie
hinweisen würden. Schon Herr Faye, Mitglied der Pariser Akademie der
Wissenschaften, erklärte sich in dieser Beziehung nicht ganz, befriedigt mit der
unbedingten Anwendung von Poisson’s Theorie, so lange nicht durch geeignete
Untersuchungen nach wirklichen Beobachtungen auf dem Schiffe die Zulässigkeit
der gemachten Voraussetzungen naehgewiesen sei. 8 ) Zu diesem Zwecke wählte
er aus dem AdrniraUy Manual pag. 36 acht nach den Konopafsknrsen äquidistante
Deviationsbeobachtungen vom 23. Dezember 1856 bei Greenhithe auf der Themse,
an Bord des englischen Kriegsschiffes „Tncfenf“, wobei die gröfste Deviation
22° beobachtet war. Die Berechnung der fünf Konstanten in Poisson’s strenger
Gleichung nach der Methode der kleinsten Quadrate ergab Deviationswerthe,
welche von den acht beobachteten höchstens um 22' abwichen und keinen
systematischen Gang der Differenzen erkennen liefsen, so dafs das Ergebung
für Poisson’s Theorie als sehr befriedigend angesehen wurde.
Es ist noch eine recht vollständige Reihe von 48, offenbar mit besonderer
Sorgfalt anf dem englischen Panzerschiffe „ ffamor“ am Regelkompasse äu
gest ellter Deviationsbeobachtungen vorhanden,®) die wohl eine entsprechende
Berechnung auch in dieser Beziehung verdienen. Die Beobachtungen sind nicht
in gleichen Intervallen der anliegenden Kurse vorgenommen, sondern auf dem
Ankerplätze des Schiffes bei Spähend vom 12. bis 17. Oktober 1861 so angestellt
worden, wie es die wechselnde Richtung des Schiffes nach Strömung und Wind
mit sich brachte; aufserdem ist zur Vervollständigung der Beobachtungsreihe
ein Hülfsdampfer benutzt worden, um das Schiff in die noch übrige gewünschte
Lage zu bringen, so dafs ziemlich nahe bei allen Richtungen des Schiffes
beobachtet werden konnte. 7 ) Im Aclrniralty Manual werden diese guten Beob
achtungen seitdem als Musterbeispiel benutzt, um danach allein eine Deviations-
kurve zu konstruiren, welche mit möglichster Genauigkeit ausgeführt ist und
die etwaigen Abweichungen der Beobachtungen von der Kurve in jedem ein
zelnen Falle durch die 0bserv a ti o ns p u n k t o erkennen läfst. Nur einmal tritt
dabei entschieden eine zufällige Störung oder ein erheblicher Beobachtuugs-
fehler hervor, indem auf dem Kompafskurse S 25° 20' E die beobachtete Deviation
10° 20' W etwa 3 bis 4 Grad zu klein sein wird — ein Fehler, der sich bei
der ersten genäherten Rechnung zwar verbirgt, aber bei Anwendung der ge
naueren Formel und auch schon bei der Konstruktion der Kurve nicht zu ver
kennen ist. Diese Beobachtung kann also für die Bestimmungen der Resultate
nicht in Betracht kommen. Uebrigens sind die Beobachtungen zahlreich genug,
um aus der Kurve die einzelnen, sowohl nach Kompafskursen, wie auch nach
magnetischen Kursen, von Strich zu Strich geordneten Deviationen in zwei,
entsprechenden Deviations-Tabellen als ausgeglichene Beobachtungswerthe dar
zustellen, wie eg im Ädmäralty Manual pag. 20 geschehen ist. Eg war danach
leicht, die so geordneten Wertbe als Grundlage für die Rechnung zu benutzen.
Um aber jedesmal den Werth der Resultate bezüglich ihrer Verträglich
keit mit anderen Beobachtungen klar übersehen und auch die Rechnung voll
ständig prüfen zu können, sind in der Folge stets Gruppen von nur fünf
5 ) H. Kayo, Corn’s d’Astvonomie nantiqjne. Paris 1880, pag. 211.
®) Admiralty Manual pag. 19. Satin d« Kigttr (ftyfograataj) erlitt die Ko»npaJso.«M eine
Schwächung ihrer magnetischen Richtkraft (nach Norden) auf den Kursen von SWzW doreh N
bis ШК, aber eine Verstärkung auf den übrigen südlichen Kursen, so dafs vorwiegend eine nord-
polare Störung vor dem Kompafs, öder eine südpötare hinter dcaiseifeen gewirkt haben wird.
*0 Historisch hat es noch ein Interesse, die vemmblicb älteste Anweisung zm Herstellung
einer Deriätidnstaliftiia schon Im Vorigen «Jahrhundert m finden. Sie wurde von dem amerikanischen
Ingenieur Chnrohiaati gegeben Mid lautete so: J,* *t there be fixed л true meridian on shore, but
near the ship, out of the reach of the attraction of iron; here let the variation be taken on this
meridian; then, before she sails, let the variation be taken on hoard the ship, with her head turned,
if occasion should require, on every point of the compass; by noting the difference between the true
variation on the true meridian, and the false variation on hoard, a fable of differences may he
constructed, which may show the allowance etc. The Magnetic Atlas or Variation Charts. By John
Churchman. London 1794 in 4. pag. 50. — Für den Verfasser war es von gröfstem Interesse,
dafs die richtige magnetische Deklination auf den Schiffen gefunden werden könne, weil sonst
seine Variationskarten für die damit beabsichtigte Lühgenbestmmnmg nicht *u gebrauchen wären.