Prüfung der Poässon’schen Dcviatkmsthcorie für die Schiffskompasse. 317
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die drei Poissonschen Fuiidamontal-Gleiclinr,gen nunmehr folgende Gestalt
erhielten:
X' «- X 4- aX + bY 4~ eZ 4- P
Y' = Y + dX + eY + IZ + Q
Z' — Z 4- gX 4- bY + k Z 4- R,
in welchen die linke» Seiten die Gesammtwirkung der magnetischen Erdkraft
und Sßhiffskraft auf die Kompaftnadcl darstellen, zerlegt nach den drei Achsen-
richtungen, und im positiven Sinne nach vorn, nach steuerbord und nach unten
gerichtet. Auf der rechten Seite bedeuten X, Y und Z den Betrag der Brdkraft
allein, ferner P, Q und R die Werthe für den festen Magnetismus im Schiffe
und die übrigen nenn Gröfsen den zerlegten Magnetismus des inducirfcen weichen
Eisens, Aufserdem sind alle Kraftrichtungen nach den Wirkungen auf das
Nordende der Kompafsnadel zu beziehen und erhalten dem gern äfs ihr Vor
zeichen. Zur Bestimmung der Deviation kommen nur die beiden ersten
Gleichungen in Betracht, und der Gang der Entwickelung ist ähnlich wie bei
Poisson, indem ein Ausdruck für die magnetische GcsamnUkraft in der Pom
eines von der Erdkraft entlehnten Faktors eingefiihrt wird, welcher multiplicirt
mit dem cos und sin des Kompafskurses (£') die Kraftriehtungen nach vorn
und seitwärts zerlegt. Ferner kommt auf der rechten Seite beider Gleichungen
durch die Zerlegung der Erdkraft nach den gewählten Koordinatenaxen, der
sin und cos des magnetischen Kurses (£) vor. Die Verbindung der beiden
Gleichungen zu einer Summe, nachdem sie mit sin £ und cos £ multiplicirt
waren, liefert ein Produkt aus dem Kräftefaktor und sin (£—£') = sin 6, womit
also die Deviation (d) eingefiihrt ist. Eine fernere ähnliche Verbindung beider
Gleichungen zu einer Differenz giebt denselben Kräftefaktor, aber multiplicirt
mit cos S, so dafs der Quotient ans beiden Resultaten einen strengen Ausdruck
für tg ö ergiebt, freilich in der Form einer nicht bequem zur Rechnung, wohl
aber zur Konstruktion *) geeigneten ßruchgestalt:
»■ St + 18 sin £ -h © cos f 4- S sin 2 C -f- © cos 2c
° — 14-SS cos f—©.sin f + ® cos2f — © sin
worin auf der rechten Seite nur der magnetische Kurs vorkommt, aufser den
fünf Konstanten 21, 23, (3, 3), % welche Poisson aus mehr als fünf Boob-
achtungen nach der Methode der kleinsten Quadrate zu bestimmen vorschlug.
Die Substition von tg d = ——-k und Bildung der Produktengleichung führt
C08 o
durch die Verbindungen von sind und cosd mit sin £ und cos £ zu sin und cos
des Winkels £—J = £' als Kompafskurs, und damit zu der noch immer strengen
Gleichung:
sin 6. = 31 cos <j 4-18 «i» P i- € cos P 4- © sin (f 4- p) 4- © cos (? 4- $%
wobei auf der rechten Seite ein Näherungswerth von 6 anzunehmen wäre, wenn
er nicht schon durch die Beobachtungen vorliegt.
Zum gewöhnlichen nautischen Gebrauch war es nnn noch wichtig, der
strengen Formel die praktisch zulässigen Abkürzungen zu geben. In Erwägung,
*) Die Konstruktion der Deviation nach dieser Formel macht sich am einfachsten durch
Abträgen der östlichen oder westlichen Strecken, welche den Zähler, und der nördlichen oder süd
lichen, welche den Kenner bilden sollen: Von einem beliebigen Punkte P ausgehend, werde 81
(positiv nach rechts) abgeseßt, dann das Stück © in der Kursriehtung (£) ungetragen, So dafs die
östliche Veränderung 4- S8 sin £ wird; ferner auf 33, in« Endpunkt*, das Stück S senkrecht, positiv
nach rechts gesetzt und die Mord-Süd-Linie gezogen, so dafs •+• ©:*».$. £ die neue (östlich positive)
Veränderung ist. Ebenso mit © und ® verfahren, welche auch senkrecht zu einander gestellt
werden, aber S der Richtung 2i folgend, so dafs die östlichen Veränderungen 4-©sio2f und
4-@c0s2£ werden. Die Summe aller östlichen oder westlichen Veränderungen ist dann genau der
Zähler der Pomei. Aber auch die Stimme aller nördlichen oder südlichen Veränderungen wird
dareit dieselbe Konstruktion schon mit Rücksicht auf die Vorzeichen im Kenner dargestellt, und
wenn man noch die Einheit PO noch Süden abträgt, so ist der ganze Nenner 1 4- S3 cos f — © sin £
4-©cqs2C—Ssinöf die anliegende Kathete und der Zähler die gegenüber liegende, also sehliefe»
lieh der Winkel POR = <f, wenn R den Endpunkt von © bezeichnet. So von Kurs zu Kurs Weiter
gehend, liefert die Punktreihe (R) die als Dygogramm benannte Kurve. Alle Punkte nördlich von P
zeigen eine Verstärkung der Eiehtkraft nach dem. magnetischen Korden an, alle südlichen Punkte
eine Schwächling derselben. Die Figur konnte daher als Dynamo-gonio-gramm (Dygogramm) be
zeichnet werden, in Beziehung auf die Kraft (Dynamis) und den Winkel (Gonia) ihrer Richtung.