Vierteljahrs-Wetter-Bimdsckau der Deutschen Seewarte, Frühling 1885. 29
nach einander von Manitoba nach SE, ESE und S gewandert, von heftigen
Frösten begleitet.
Durch das Verschwinden der Depression im Europäischen Eismeere, die
Ankunft des von den Britischen Inseln gekommenen Maximums in Westsibirien
und dessen Verstärkung, sowie durch das Auftreten neuer Depressionen bei
Islaud kündigte sich am 23. und 24. März der Eintritt einer neuen Wetterlage
an, welche den Zeitabschnitt vom 23. März bis zum 4. April kennzeichnet.
In diesem war das Hochdruck-Gebiet auf dom Oceam beständig höchst intensiv
(besonders am 29. und 30. März) und unterlag dasselbe zweimaliger Erneuerung,
indem am 26.—28. März das alte von einem neuen von Amerika herangezogenen
Maximum verdrängt wurde, und letzteres am 2. April mit einem dritten, diesmal
aus Canada kommenden, verschmolz. Mit diesen Anticyklonen wechselten auf
dem amerikanischen Kontinent Cyklonen in bunter Folge, so däfs die Angabe
einer mittleren Lage der Grenz-Isobare 765 hier nicht möglich war. Die Um
gebung von Island hingegen, sowie das Mittelmeer, waren in diesen Tagen
anhaltend der Schauplatz von Depressionen, jenes von tiefen, dieses von (lachen,
aber doch zum Theil ausgedehnten. Die Vorgänge am 27.—1. auf dem Meere
zwischen Island und Spitzbergen lassen sich natürlich aus Mangel an Beob
achtungen nicht sicher darstellen, nach den Aufzeichnungen der isländischen und
norwegischen Stationen und eines Schiffes ist auf der Karte III die am wahr
scheinlichsten erscheinende Auffassung angegeben. Ccntraleuropa stand in
diesen zwei Woeben unter dem Einflufs der beiden grofsen Anticyklonen und
hatte ruhiges, trockenes, kühles Wetter mit häufigen Nachtfrösten.
Das Erscheinen einer intensiven Depression im Westen von Irland machte
am 5.—6. April dieser Wetterlage ein Ende und leitete den Zeitabschnitt
vom 5.—17. April (vgl. Karto IV) ein. Am 6. trat hinter ihr in Grönland
ein Hochdruckgebiet, vor ihr, am Nordfufse der Alpen, ein Theilminimum von
zunehmender Ausbildung auf, mit welchem die an Tiefe nunmehr rasch ab
nehmende Hauptdepression die bei gleichwertigen Minima gewöhnliche gegen
läufige Bewegung resp. linksläufige Dotation um den gemeinsamen Schwerpunkt
nasführte. Vorn Abend des 9. an, wo das ehemalige Hauptminimum in seinem
Kreislauf bis nach Böhmen gelangt war, erhielt es wieder das Uebergewicht
über sein Nebenminimum, das nun auf seinem Wege südwärts sich rasch in
Frankreich ausfüllte, worauf das Hauptminimum, das am 12. wieder schwach
geworden und in Abhängigkeit von einer neuen Depression auf dem Mittelmeer
gerathen war, sich abermals .verstärkte, auch die letztgenannte Depression sich
tributär machte, in Karelien Halt machte und nun, mit schon wieder rasch
reducirter Tiefe, nach dem nördlichen Sibirien sich entfernte. Wir sehen also,
unabhängig von der Fortpflanzung der Wirbelcentren, durch deren alternirende
Ausbildung die Gegend tiefsten Barometerstandes über Europa folgendermafsen
sich verschieben: am 6.—7. vor dem Kanal, am 8. in NW-Deutsehland, am
9.—11. im Südosten und Osten von Centraleuropa, am 12. bei Griechenland,
am 13.—15. in der Nähe von Petersburg, am 17.—18. im westlichen Mittelmeer.
Wir haben also hier die von Abörcromby hervorgehöbenen, aber bisher noch
nicht näher untersuchten „suryeg of pressure“ in guter Ausbildung und ziemlich
beschränkten räumlichen Dimensionen vor uns.
Aehnliche Schlingen und gegenläufige Bewegungen, wie in diesem Falle
zwischen dem sibirischen Maximum und den beiden Maxirna des 30° West-
Meridians, zeigen sich gleichzeitig auch an den Cyklonen zwischen letzteren
beiden Maxirna und den von Nordamerika heranziehenden. So scheinen zwei
Wirbelcentra über Labrador und den Neufundlands-Banken am 7.—10. eine
ähnliche Rotation um gemeinsamen Schwerpunkt ausgeführt zu haben, wie die
eben besprochene ans denselben Tagen in Europa; nach dem 10. scheint der
Wirbel von Labrador die Rotation fortgesetzt zu haben, während der südliche
mit einem neuen aus Canada kommenden verschmolz. Ebenso machte am 13.—14.
ein kräftiger, den Golfstrom herabgekommener Wirbel, der hier mit jenem von
Labrador verschmolz, eine Schlinge in seiner Bahn, während zwei Theilminima
im SW und S von ihm lagen. Die am meisten von barometrischen Depressionen
besuchten Gegenden waren in diesem Zeitabschnitt das Mittelmeer und der
Meerestheil östlich von Neufundland. Das Maximum der Rossbreiten war weit
schwächer entwickelt, als im vorhergehenden Zeitabschnitt, und beschränkte