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Prüfung der Poisson’schen Beviatlonstheorie für die ScWflskompasse,
einwirkt, dafs schon hierdurch die Nadel in eine Richtung gebracht wird, welche
die Wirkung der anderen Kräfte auf die so veränderte Richtung der Nudel
gänzlich abändern würde, so wird folgende einfache Summirung gestattet sein:
p e 4" q/S
p'u + q','<
p"n -f* °,"ß
r y in der Richtung a
r ‘y »
r "y n
Zu einer Kraftäufserung in der Richtung a trägt also nicht nur der
Theil pß des indueirten Eisens bei, dessen Lage mit dieser Richtung überein-
stimmt, sondern auch die beiden anderen dazu senkrechten Theile und ry,
insofern sie vermöge ihrer Lage eine Polarität gewinnen, die auf die Richtung
nach a einwirkt. Ebenso in Beziehung auf die anderen Richtungen nach ß und y.
Söll nun gar keine Störung der Nadel im azimuthalen Sinne, also gar
keine Deviation stattfinden, so müssen offenbar die bezüglichen störenden Kräfte
sich gegenseitig auf hoben, d. h. diese Kräfte müssen sich zu einander verhalten
wie a zu ß, wodurch von der Erde allein die Richtung der Nadel in diesem
Sinne bestimmt ist. Es mufs in diesem Fall© also die Gleichung bestehen:
pß 4- ijjS + r y
p'« + q'rf 4- v'y
oder ßfaa + ijß + if) == a (p'c 4* q',S 4- r'y).
Die Division der letzten Gleichung durch aß giebt:
p4-q.
£
m
p‘.
- » | • ^ —j— ,
jp
und da auch diese Gleichung für alle Werthe von a, ß, y richtig bleiben soll,
so ist nur übrig, dafs p = q' und q = o, r = o, p' — o, r* = o seiu müsse, da
her sich die nenn Koeflicienten in diesem Falle auf fünf rcduoiren, um der
gestellten Bedingung allgemein zu genügen. In besonderen Fällen können
natürlich andere Bedingungen dasselbe bewirken, wenn nur das Yerhältnifs der
störenden Kräfte dem Yerhältnifs der Erdkräfte gleich bleibt.
Vierzehn Jahre später, als schon durch die gemachten Erfahrungen auf
den Polar-Reisen und durch die zunehmende Verwendung von Eisen zu Schiffen,
die Berücksichtigung der Deviation der Schiffskompasse anfiog zu einer brennen
den Frage zu werden, bearbeitete Poisson in dieser Beziehung den Gegenstand
eingehender. 2 ) Er wählte das obige Koordinatensystem für a und ß jetzt nach
dem Längsschnitte und Querschnitte des Schiffes, dessen Kompaisort sonach
zum Gentrum eines mit den wechselnden Richtungen des Schiffes beweglichen
Koordinatensystems gemacht worden ist. Aus den Grundgleichungon wurden
Formeln hergeleitet zur Bestimmung der magnetischen Deklination und Inklination
durch die Beobachtungen am Schiffe. Die Formel für die Deklination, welche
auch zur Bestimmung der Deviation in Betracht kam, enthielt sowohl den
Kompafskurs, als auch de» magnetischen Kurs, und fünf konstante Koeffizienten,
welche aus den Beobachtungen nach der Methode der kleinsten Quadrate be
stimmt werden sollten, wenn mehr als fünf Beobachtungen zur Verfügung waren.
Um die Einführung und zweckmäfsige Entwickelung für den nautischen
Gebrauch machten sich sodann in England Archibatd Smith von der Cam
bridger Universität und Kapt. Evans von der Königlichen Marine verdient. 3 )
Bei der Aufstellung der Gleichungen wurde es vorgezogen, abweichend von
Poisson, die östliche Deviation als positiv, ebenso die Richtung nach Steuer
bord als die positive seitliche Richtung anzunehmen und gleichfalls die Kurse
von Nord durch Ost als positiv zu rechne». Zur Berücksichtigung des festen
Magnetismus im Schiffe, dessen schon Poisson (pag. 148) gedacht und mit
a', ß\ f nach den drei Koordinaten bezeichnet hatte, wurden diese Gröfscn
durch P, Q, R ausgedrückt und in den Gleichungen mit aufgenommön, so dafs
2) Sur les déviations de ia boussole produites par le fer des vaisseaux, 1838. Cotm, des
Temps pour l’an 1841. Paris 1838. Addit. pag. 113.
») Philos. Trajisaet. London 1881. — Admiralty Manual for the Déviations oi tlie Compass.
London 1862. 5. Edit, 1882. — Von À. Smith sind auch schon frühere Bearbeitungen de® Gegen
standes veröffentlicht (tt. n. Phil. Tr. 1816, pag. 346—355), die sich aber mit der Wahl der Vor
zeichen noch ganz an Poisson ansehliefseit.