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Yierteljatirä-Wetier-Kundachau der Deutschen Seewarte, Frühling 1885.
setzte. Ein zweites Theilminimum derselben Depression, dessen Kern aber
schon fast von Florida her zu verfolgen war, bewegte sich auf ähnlicher, aber
südlicher liegender Bahn am 6. und 7. sehr schnell durch Frankreich und Mittel
deutschland, um am 11. östlich vom Ural zu verschwinden. Der kurz dauernde
Sturm, welcher den Vorübergang dieser Depression in Frankreich und tlieil-
weise auch Süddeutschland begleitete, erreichte in der Nacht vom 5. zum 6.
auf dem Pie du Midi eine noch gröfsere Heftigkeit, als der Orkan vom
19.—-21. Dezember 1884; eine kurze Beschreibung der merkwürdigen Kraft-
äufserungen dieses Sturmes auf dem Gipfel-Observatorium (2860 m) sowohl, als
auf einem Gasthof in 2360 m Höhe giebtVaussenat im „Bull, mensuel du Bur.
centr. mCt. de France“ und im „Ann. de la Soc. möt. de France“ 1886, S. 104.
Am folgenden Abend (des 6.) hatte der Rigi „Sturm“ und der Säntis „von
10 p au Orkan“. Der rasche Vorübergang dieses Wirbels kennzeichnet© sich
auch an den Barometerkurven in Frankreich und Oentraleuropa durch eine
kurze, aber steile und tiefe Senkung. Komplicirter war die Natur der folgen
den, etwas schwächeren Druckwelle, welche am Ende desselben Zeitabschnittes
ebenda auftrat, und welche in der „Monatlichen Uebersieht“ der Seewarte auf
die Fortpflanzung eines Wirbels vom 9. Morgens bei Bordeaux zum 9. Abends
nach Wien bezogen worden ist; da eine solche Fortpflanzungsgeschwindigkeit
fast beispiellos grofs wäre, so haben wir die Sache nach den jetzt reichlicher
vorliegenden Nachrichten einer nochmaligen Prüfung unterzogen, welche als die
wahrscheinlich richtigste Auffassung die auf unserer Karte 1 angedeutete er
geben hat. Hiernach hätte sich der Wirbel vom Biscayischen Busen im centralen
Frankreich ausgefüllt, an seiner Ostseite wäre aber am 9. um Mittagszeit am
Nordfufse der Alpen ein neuer entstanden, der sich ostwärts bewegt hätte,
ähnlich dem Föhnsturm vom 15. Oktober 1885 (vgl. „Meteor. Zeitsehr.“, Januar
1886), jedoch mit viel geringerer Intensität und Dauer. Dieser Wirbel war an
manchen Stellen von elektrischen Entladungen begleitet, namentlich aber fand
während seiner Ausbildung zu Neufchatel von 5 h 10“ Ms 5 h 30“ p. m. des 9.
ein heftiges Gewitter statt.
Die übrigen Depressionsbahiien dieses ersten Zeitabschnittes haben den
jenigen Charakter, welcher einem hohen Luftdruck westlich von Irland entspricht,
und welchen wir schon wiederholt in dieser Rundschau darzustellen hatten,
z. B. auf der Karte I des Winters 1883—84 und den Karten IV und VIII des
Herbstes 1884, sowie II des Winters 1884—85: nordwärts gerichtete Bahnen
im nordöstlichen Amerika, südwärts gerichtete in Nordeuropa.
Durch die Festsetzung des nördlichen atlantischen Hochdruckgebietes
über den Britischen Inseln wird der zweite Zeitabschnitt vom 10.—14. März
charakterisirt. Süd westwärts stand dieses Maximum durch eine Brücke hohen
Druckes mit jenem der Rossbreiten in Verbindung. In dem folgenden Zeit
abschnitt vom 15,—22. März wunderte dieses Maximum über Italien uud
Kleinasien nach Westsibirien, während das atlantische sieh nordwärts aus
breitete und an Intensität gewann. Der Typus der Depressionsbahnen blieb
dabei der zuletzt geschilderte, besonders an der amerikanischen Seite: die aus
der Gegend von Florida nach Grönland führende Zugsträfse wurde von vier
Depressionen mit bedeutender Geschwindigkeit und zunehmender Tiefe durch
laufen. Die Bahnen im Europäischen Russland zeigten die in diesen Fällen
gewöhnliche Tendenz, aus der südöstlichen in eine nordöstliche Richtung um-
zubiegeo. Gerade in der Nähe dieser Umbiegung erreichten die betreffenden
Depressionen ihre gröbste Entwickelung. In den beiden scharf ausgeprägten
Fällen am 11. uud 21. standen übrigens diese Minima in Verbindung mit etwa
ebenso tiefen im N, die gleichzeitig uuregelmäfsige rückläufige Bewegungen
über dem Eismeere ausführten. England und die deutsche Küste, welche bei
dem hohen Luftdruck vom 10.—14. März kaltes ruhiges Wetter gehabt hatten,
wurden am 20.—21. von einem grofsen Schneesturm überzogen.
An denselben Tagen, resp. vom Abend des 17. bis zum 22. März, wurde
auch die Ostküste Nordamerikas von Schneestürmen heimgesucht, die an der
linken Seite von zwei Depressionen stattfanden, welche dieser Küste entlang
nordostwärts zogen, während über Manitoba ein Maximum lag. Die zweite
dieser Depressionen war zuvor von Dakota nach Loüisiaua herabgekommen.
An den vorhergehenden Tagen vom 9.—17, März waren drei Hochdruckgebiete