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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

310 Berechnnag der Gangformeln für Marine-Chronometer. 
den strengeren Anschlufs an die Beobachtung liefert, ist in Kolumne K die 
Differenz der Summen der übrigbleibenden Fehlerquadrate aus beiden Aus 
gleichungen angegeben. Das Vorzeichen ist positiv gesetzt worden, wenn die 
Ausgleichung II den Vorzug verdient, wenn also [vv] aus dieser Ausgleichung 
kleiner ist, als die entsprechende Gröfse aus der Ausgleichung HL Das 
wechselnde Vorzeichen der Gröfsen in Kolumne K liefert nun den Beweis, dafs 
eine principieUo Entscheidung zu Gunsten einer der boiden Formeln nicht 
möglich ist. Es ergiebt sich als Mittelwerth für die zehn ersten Instrumente 
(No. 1 bis 11 mit Ausschlufs von No. 10) 
-f 0,163 
und als Mittelwerth für die zehn letzten Instrumente (No. 12 bis 22 mit Aus 
schlufs von No. 15) 
+ 0,187. 
Demnach scheint die Anwendung der Gangformel II, in welcher also 
statt des quadratischen Temperaturgliedes ein lineares Feuchtigkeitsglied ein 
getreten ist, den Vorzug zu verdienen. Es. sind indessen die oben gegebenen 
Mittohvertho im Vergleich mit den Einzelwertben der Kolumne L nicht be 
deutend genug, um die Allgcnieingültigkeit dieses Satzes festzustellen. Anderer 
seits hat die Beantwortung der angeregten Frage zunächst auch nur ein theo 
retisches Interesse, da gegen die rechnerische Berücksichtigung der auf den 
Observatorien bestimmten Feuchtigkeitskoefficicnten bei der Vorausberechnung 
des Standes auf See grofse Bedenken geltend gemacht werden können. 
Es haben die früheren Untersuchungen gezeigt, dafs die Gröfse der Feuehtsgkeits- 
koefficienton selbst innerhalb kürzerer Zeiträume bedeutenden Veränderungen 
unterworfen sind, welche bei Instrumenten von geringerer Güte wahrscheinlich 
abhängig sind von dem Grade der Verunreinigung und der im Innern ein- 
getretenen Rostbildung. Ob bei vollkommen rostfreien Chronometern derartig 
bedeutende Veränderungen überhaupt eintreten oder ob dieselben in diesem 
Falle einen systematischen Verlauf nehmen, darüber fehlt bis jetzt noch das 
für eine Entscheidung nothwendige Beobachtungsmaterial. Bei den Chrono 
metern No. 8 (Ehrlich No. 510), No. 17 (Kittel No. 271) und bei fast sämmt- 
lichen Eppner’schcu Instrumenten liefert zwar infolge der stark hervortretenden 
Abhängigkeit des Ganges von der Luftfeuchtigkeit die Gangformel II eine 
wesentlich bessere Darstellung der Beobachtung durch die Rechnung als die 
Gangformel I. Es läfst sich demnach voraussetzen, dafs bei diesen Instrumenten 
die Berücksichtigung der hier ermittelten Feuclitigkeitskoöf'ficionten während 
der nächsten Zeit eine vermehrte Sicherheit für alle Bestimmungen bieten 
wird. Wie lange man indessen berechtigt ist, ein derartiges Verfahren anzu 
wenden, läfst sich wiederum nicht entscheiden. Es zeigt somit die vorstehende 
Diskussion, dafs bei dem heutigen Standpunkte der Chronometerfrage im All 
gemeinen kein schwerwiegender Grund vorliegt, welcher Veranlassung geben 
könnte, in der für die Vorausberechnung an Bord gebräuchlichen Formel 
g' = g-f-a(t—15°) -j- b (t—15°)* das quadratische Temperaturglied durch ein 
Feuchtigkeitsglied zu ersetzen oder gar dieses Glied noch hinzuzufügen. Es 
steht zu hoffen, dafs durch die neuen und wesentlich verbesserten Konstruktionen 
der S chutzVorrichtungen gegen die Veränderungen des Feuchtigkeitsgehaltes im 
Innern des Gehäuses eine derartige Komplikation des rechnerischen Apparates 
überhaupt überflüssig gemacht wird.
	        
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