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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Dampfer-Routen zwischen Aden und NiederläutHscli Ostindien. 
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hat sich zur Aufgabe gemacht, für die Reise über den Indischen Oceau von 
Aden nach Niederländisch Ostindien (Padang, Sunda-ÜLrafse) und zurück die 
günstigste Route, d. b. diejenige Route, auf welcher die schnellste Ueberfahrt 
zu erwarten ist, festzustellen, nicht sowohl nach der Theorie, d. k. unter Berück 
sichtigung der Wind- und Stromverhältnisse, soweit sie bekannt sind, sondern 
vielmehr an der Hand der Erfahrung, der wirklich ausgeführten Reisen. 
Die erstere wird bei günstigen Winden stets die direkte Route als die 
kürzeste verschreibe»; dies ist für die vorliegenden Fahrten auf der Ausreise 
in den Monaten Juni, Juli, August und September der Fall, wo ein regelmäfsiger 
West-Monsun über den Indischen Ocean weht, auf der Heimreise im Januar 
und Februar, in welchen Monaten der Ost-Monsun herrscht. 
Da der West-Monsun gewöhnlich ziemlich stoif ist, aber sich nicht über 
5° S-Br erstreckt, so folgt weiter, dafs Schiffe während desselben auf der 
Rückreise gut thun, eine südliche Route zu wählen, auf welcher sie nicht mehr 
gegen den SW-Monsun zu kämpfen haben. 
Der Ost-Monsun ist von geringerer Stärke, überschreitet auch nicht den 
Aequator nach Süden hin, so dafs er ohne gröfseren Umweg zu vermeiden ist. 
In den übrigen Monaten ist der Monsun in Richtung uud Stärke schwan 
kender, so dafs sich nach den Windverhältnissen Regeln für die einzuschlagende 
Route mit Sicherheit nicht aufstellen lassen. Im März nimmt der NE-Monsun 
an Stärke ab und wird nördlicher, im April treten Stillen und veränderliche 
Winde ein, so dafs für Dampfschiffe sowohl auf der Hin- als Rückreise die 
direkte Route als empfehlenswert)! erscheinen mufs. 
Der West-Monsun setzt meistens im Mai ein und erreicht schnell oine 
grofse Stärke; in der Uebergangsperiode herrschen Stillen und veränderliche 
Winde. Dio auf der Ausreise begriffenen Schiffe können daher auf alle Fälle 
die direkte Route innehalten, die rückkehrenden nur so lange der Monsun sich 
noch nicht entwickelt hat, welcher Zeitpunkt verschieden ist. Im Oktober 
nimmt der West-Monsun an Stärke bedeutend ab, während im Arabischen Meer 
busen nördliche Windo vorherrschen. Im November weht im letzteren schon 
ein leichter NE-Monsun; südlich von 8° N-Br trifft man variable Winde und 
Stillen mit schwachen Ueberbleibseln des West-Monsuns, welche rückkehrende 
Schiffe von der direkten Route nicht abzuhälton brauchen. Die nach Ostindien 
bestimmten Schiffe können dom NE-Monsun durch einen geringen Umweg nach 
Süden ausweiohen. 
Zur Ermittelung der besten Routo nach den bisher gemachten Erfahrungen 
sind die Journale von ungefähr 450 holländischen Schiffen herangezogen worden, 
welche die Hin- und Rückreise unter normalen Verhältnissen, d. h. ohne durch 
Havarie oder sonstige besondere Zufälle aufgebalten zu sein, zurückgelegt 
haben, und welche vollständige und sichere Angaben über die Schiffspositonea 
enthalten. Um die Verzögerungen zu eliminiren, zu welchen die Schiffe durch 
Verminderung der Fahrt und Stoppen bei dickem Wetter, in der Nähe der 
Häfen etc. gezwungen wurden, sind als Ankunfts- und Abgangsmomento für 
Aden, Padang und die /Swnda-Strafse, zwischen welchen Plätzen die Reiserouten 
behandelt sind, die Zeitpunkte angenommen, wo die Schiffe den 45., 98. und 
103. Meridian östlicher Länge geschnitten haben. Diese Schnittpunkte liegen in 
offener See, so dafs zwischen denselben dio Schiffe mit voller Fahrt laufen 
konnten. Wenn die Schiffe einen Hafen von Ceylon angelaufen haben, so ist 
dio hierdurch bedingte Verzögerung auf das Sorgfältigste in Rechnung gezogen 
worden, nicht nur der Aufenthalt im Hafen, sondern auch der dadurch ge 
machte Umweg von der gewöhnlichen Route. Aus den Journalen ist die Zeit 
entnommen, zu welcher jedes Schiff den Meridian von 45°, 55°, 65°, 75°, 85°, 
95° uud 98° oder 103° O-Lg passirt hat, ebenfalls die Breite, unter welcher 
der Meridian durchschnitten worden ist, und hiernach die Reisedauer vom Aus 
gangspunkt bis zu dem betreffenden Meridian und von hier nach dem Endpunkt 
der Reise berechnet. Ferner sind die Reisen in Gruppen gotheilt nach dem 
Monat, in welchem dio Schiffe den 75. Meridian östlicher Länge, als den in 
der Mitte der Route gelegenen, passirt haben. Um für dio Bestimmung der 
Yortheilhaftesten Route nicht beeinflufst zu sein von der Geschwindigkeit der 
einzelnen Schiffe, ist die mittlere Dauer aller ähnlichen Reisen desselben Monats 
durch die Dauer der Reise jedes einzelnen Schiffes dividirt, das Mittel aller
	        
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