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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Reisen im Qst.nidisclien Archipel. 
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der Spitze Kalian zu kommen, von wo aus bei dom inzwischen auf SSE geholten 
mäßigen Winde der Kurs so gesetzt wurde, dafs wir zwischen Pulo Taya und 
Toedjoe oder Seven-hlands hindurch passirten. 
Die von mir benutzte Imrayscho Karte der iinral-a-Strafse läfst nichts zu 
wünschen übrig. Die in derselben verzeichnet o rotlic Boje an der Südkanto 
des Riffs Brom-Brom und die auf dem Riff errichtete Bake befanden sich an 
der angegebenen Stelle, ebenso die weifse Boje an dem Pladjie-Riff; die Bake 
auf dem letzteren wurde jedoch nicht von uns entdeckt. 
Am 28. Juli standen wir um 5 h a. m. näher unter Pulo Taya, als ich 
erwartet hatte; eine Folge dea Stromes, der uns in der Nacht 12 Sm nach 
NzW versetzt hatte. Es wurde daher zunächst etwas östlicher und dann so 
gesteuert, dafs die Spitze Eung auf einem Abstande von 10 Sin passirt wurde. 
Um 2 h p. m. peilte Pulo Taya beim Verschwinden in einem Abstande von 
30 Sm SW, und um 6 h p. m. war unser Schiffsort 4‘/2 Sin östlich von Ost- 
Domino, einer kleinen, niedrigen Insel. Eine bedeutende westliche Strom- 
Versetzung, die wir auf dieser Strecke wahrnahmen, stimmt gut mit den Angaben 
Findlays, dafs die Hauptmasse der aus 3er China-See fortschreitenden Fluth- 
welle südlich von Bintang westwärts äb gelenkt wird, überein. 1 ) . Mit Rücksicht 
auf den Anbruch der Nacht und der infolge des bedeckten Himmels und der 
Gewitterluft herrschenden Dunkelheit hielt ich es für gerathen, vorerst einige 
Zeit unter beständigem Lothen nach Norden zu steuern, um gut frei von den 
Untiefen Fly und Pollux zu bleiben. Auf diesem Kurse bei mäfsiger südöst 
licher Briese vorwärts segelnd, fanden wir die Wassertiofe bis 12* 1 p. m. be 
ständig zu 30 m (17 Fad,), Als dieselbe um l h a. m. bis 34 m (19 Fad.) zu- 
nahm, wurde der Kurs auf NW verändert, in der Annahme, der Strom könnte 
gekentert sein. Als aber auch jetzt noch, gegen alle Erwartung, die Wasser- 
tiefe anstatt ab- noch zunahm, wurde recht West gesteuert. Um S 1 /» 1 * a. m. 
den 29. nahm die Wasser tiefe plötzlich von 36 und 34 m (20 und 19 Fad.) auf 
20 m (11 Fad.) ab, und ich nahm daher an, dicht unter der Bank zu stehen, 
die quer vor der AHo-Strafse liegt, eine Vermuthnng, die sich später auch als 
richtig erwies. Wir ankerten deshalb, um hier den Anbruch des Tages abzu 
warten. Der Strom schien uns in 10 Stunden 15 Sm nach NzO versetzt zu 
haben, genau liefs sieh derselbe jedoch nicht feststellen, da die Witterung keine 
sicheren Peilungen zuliefs. Einige Inseln, die etwa 15 Sm nördlich von uns in 
Sicht waren, konnten nicht ausgemacht werden. 
Nachdem der Anker am folgenden Morgen wieder gelichtet war, standen 
wir bei nordwestlicher Briese und böiger, trüber Luft mit St-B.-Halsen bei dem 
Winde weg, bis bei Umlaufen des Windes auf SW und Auffrischen desselben 
gewendet wurde. Bei mehr und mehr zunehmender Briese klnrto das Wetter, 
das vorher dick und regnerisch gewesen war, allmählich ab, und wir sahen als 
erste sichere Land marke Rodong Hill und später auch die Berge auf der Insel 
Linga, wodurch es uns möglich wurde, unsern Schiffsort genau festzulegen und 
unsern Kurs aufzunehmen. Aus der Ferne gesehen ist Rodong Hill wegen seiner 
konischen Form, die unter den in der Nähe befindlichen Bergen nicht wieder 
vorkommt, ein untrügliches Merkzeichen. Obgleich das Wetter wieder regnerisch 
wurde, blieb es doch so sichtig, dafs wir das Land ausmachen konnten. Wir 
brauchten daher die Fahrt nicht zu unterbrechen und erreichten um 8 1 p. m. 
die Nähe von Little Garras. Hier kam ein sogenannter Singapore-Lootsö an 
Bord, den ich gegen billige Vergütung annahm. Eine genaue Kenntnifs der 
Küsten und vielleicht auch der Strömung darf man den Singapore-Lootsen nicht 
absprechen, aber von der Führung eines Schiffes verstehen sie nicht viel, denn 
sie sind eigentlich nur Runner der Lieferanten in Singapore, von denen sie mit 
einem Boot ausgerüstet werden und ihren täglichen Bedarf an Reis erhalten. 
Das Lootsgeld, von dem ein Theil zur Bezahlung der Bootsleute benutzt wird, 
behalten sic für sich. Zunächst suchen sie immer soviel als möglich zu be 
dingen, besonders wenn sie erfahren, dafs sie es mit einem Kapitän zu thun 
haben, der zum ersten Malo nach Singapore kommt. Sie kommen daher auch 
immer zuerst mit der Frage: „Have you been here before?“ 
1) Findlay, „A Directory for the Navigation of the Indian Archipelago etc.“, 1378, Seite 
325 u. 326.
	        
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