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Reisen iai Ost indischen Archipel.
aufzusuchen. Um 7 Uhr liefsen wir 3 Sm SW l /aS von der Vierten Spitze
auf einer Wassertiefe von 25 ro (14 Fad.) den Anker fallen. Die unter Segel
gebliebenen Schiffe waren am folgenden Morgen fast bis aus Sicht zurück-
getrieben, was bei der flauen umlaufenden Briese, den Gewitterböen und der
südwestlichen Strömung von 2 Kn nicht zu verwundern war. Um 5 Uhr
Morgens den 22. Juli, als der Ström schwächer wurde, wurde der Anker wieder
gelichtet und bei südlicher, wenn auch flauer Briese Kurs aus der Sunda-
Straise hinausgesegelt.
loh darf wohl annehmen, dafs die Wiedererrichtung der Signalstation
auf der Vierten Spitze allgemein bekannt ist. Die Geschäfte sind auch
wieder von Merak nach Anjer verlegt. Von der Vierten Spitze wird ein vorbei*
passirendes Schiff, wenn es sein Unteracheidungssignal zeigt, rapportirt.
Des Tages über hielt sich der leichte Wind zwischen SSW und W und
das Wetter war beständig, des Nachts war der Wind flau und veränderlieh, bei
bedecktem Himmel. Am Morgen des 23. Juli kam wieder leichte westsüdwest
liche Briese bei klarem Wetter durch, die indefs nicht länge anhielt. Am Mittag
ergaben unsere Beobachtungen, dafs uns der Strom in 16 Stunden 21 Sm nach
SW'/sS versetzt hatte. Als um 4 Uhr Nachmittags der Wind, der zuletzt NE
bis ENE gewesen war, flau wurde, ankerten wir, die Two Brothers 3 Sm ent
fernt, in NzO. Während der folgenden Nacht setzte der Strom mit einer Ge
schwindigkeit von l 1 /* Kn nach WNW, und der Wind war nordöstlich und
flau. Um 9^ a. m, den 24. Juli schien der Strom etwas schwächer zu werden,
was mich veranlafste, im Verein mit einer Flotte von acht Schiffen, die thoils
»ach Singapore, theils nach der China-See bestimmt waren, bei mäfsigem KN 11-
Windo unter Segel zu gehen. Wir standen zunächst mit B-B.-Halsen nach SO,
später, als der Wind östlich holte, wurde nordwärts gewendet. Da die Strömung
unbedeutend war, so konnten wir 2 Sm luvwärts der Tvioo Brothers und nahe
der Westkante der #m«w«-Bank passiren. Darauf wurde während der Nacht,
unter beständigem Lethen an der Stelle vorbei gesegelt, woselbst, auch in den
neuesten Karten, das Comara-Riff als zweifelhaft nicdergclegt ist. 1 ) Hier trafen
wir einige greisere vor Anker liegende Schiffe. Der Himmel war dicht bezogen,
klarto aber am 25. Morgens bei auffrisehhender Briese aus OzN ab. Am Mittag
fanden wir für das letzte Etmal eine Versetzung von 10 Sm nach NNW. Bald
nach Mittag kam die Insel Lumpara in Sicht und peilte um 4 h p. m. NWzN,
8 Sm entfernt. Von hier aus mufsten wir wegen des Stromes bedeutend aus
dem Kurse steuern, und je weiter wir längs der Ostküste von Sumatra nord
wärts gelangten, desto stärker wurde die nördliche Strömung. Letztere ist,
wenn man zur Zeit des SE-Monsuns hierher kommt, wohl zu berücksichtige«,
besonders zur Springzeit, weil man sonst leicht wählend der Nacht auf dio
südöstlich von Lucipara gelegenen Bänke geräth. Bei Tage sind dieselben
indefs zu erkennen. Jenseits Lucipara setzte der Strom mit einer ungefähren
Geschwindigkeit von 2 Kn recht in die Banka-Strafse hinein. Eine halbe Stunde,
nachdem um 6 1 /» p. m. das Feuerschiff passirt war, wurde etwa 6 Sm NzW von
demselben geankert. Es wäre sehr wünschenswerth, wenn der seit lange be
stehende Plan, ein Feuerschiff vor dem ¿Stanton-Kacal ausznlegou, endlieh zur
Verwirklichung käme, denn, nach der Karte zu urtheilen, ist dieses Fahr
wasser wegen seiner greiseren Breite und Tiefe dem L?<etp«ra-Kar.al vor
zuziehen.
Am 26. Juli gingen wir mit Tagesanbruch bei leichtem ESE-Winde und
einlaufendem Strom wieder unter Segel und setzten den Kurs auf Mamelon-
Hummock (Insel Banka), der «ach Peilungen des Feuerschiffes leicht auszu-
machen ist, und den wir, um frei von der Untiefe Merapi zu bleiben, in die
Peilung NzW brachten. Bei andauernder leichter ostsüdöstlieher Briese und
schönem Wetter gelangten wir gegen Abend, zur Zeit des Sonnenunterganges
in die Nähe der Dritten Spitze, woselbst wegen eintreteuder Windstille, um
laufender Winde und böigen Wetters geankert wurde. Nennenswertber Strom
wurde im Laufe des Tages nicht wahrgenommen. Mit dom in der Nacht durch
gekommenen beständigen SW-Winde wurde am Morgen des 27. Juli dio Reise
unter Kreuzen fortgesetzt, wobei es uns verbältnifsmäfsig leicht wurde, oberhalb
l) la der englischen Adm.-Karte No. 2149 ist diese Untiefe nicht mehr verzeichnet.