accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

286 
Normanton am Golf von Carpentaria (Australien). 
Küste ist aber die Bevölkerung den Weifsen feindselig gesinnt und hinterlistig, 
so z. B. auf der Mornington - Insel. 1 ) Während meiner Anwesenheit in Nor 
manton ist auf dem Mc. ArtkurSlnssa, an der Westseite des Golfs von Car- 
pentaria, der Kapitän eines Gaffelschoners von den Eingeborenen ermordet 
worden. Schiffe, die nach diesen Gegenden kommen, müssen vor allen Dingen 
gute Wache halten, um nicht unerwartet überfallen zu werden, und besonders 
mit Schiefswaffen ausgerüstet sein, vor welchen die Eingeborenen eine greise 
Furcht haben. Die Waffen der letzteren bestehen in 3 bis 3 3 /a m langen und 
25 mm dicken, von ziemlich hartem, schwerem Holze angefertigteu Speereu, die 
mit eisernen Spitzen versehen sind. Dazu führen sie den sogenannten Bumerang, 
ein etwa 0,6 m langes und 60 mm breites Stück harten schweren Holzes, das nach 
den Kanton hin angeschärft und in einem stumpfen Winkel gebogen ist. Die Ein 
geborenen gebrauchen das Instrument als Wurfwaffe und wissen mit demselben 
mit grofser Sicherheit ihr Ziel zu treffen. Es besitzt die Eigentümlichkeit, dafs 
es, in einer gewissen Weise geschleudert, in einem grofsen Bogen hoch in die 
Luft steigt, an einem bestimmten Punkte umkehrt und dann in entgegengesetzter 
Richtung nach der Ähgangsstelle zurückkehrt. Diese Waffen und andere Holz- 
geräthe werden von den Leuten vermittelst scharfer Muschelschalen hergestellt; 
aus Eisen bereitetes Handwerkszeug ist noch nicht in ihrem Gebrauch. 
Reise von Normanton nach Newcastle N. S. W. 
In Normanton erhielt ich die telegraphische Order, nach Newcastle N. S. W. 
zu versegeln, um dort eine Ladung Steinkohlen einzunehmon, und trat nun die 
Frage an mich heran, auf welcher Route diese Reise am besten ausführbar sei, 
ob westlich um Australien herum oder durch die Torres-Strafse. Auf der Her 
reise von der Rcm»Strafse nach Nm-manton, die im April, also zu Beginn des 
Südost-Monsuns, stattfand, hatte Ich die Ansicht gewonnen, dafs ein Aufkreuzen 
längs der Ostküste Australiens zur Zeit des vollen Südost-Monsuns unmöglich 
sein müsse, besonders wegen der hohen See und zumal mit einem ballastbe 
ladenen eisernen, stark angewachsenen Schiffe, und durch die Erkundigungen, 
die ich in Normanton einzog, wurde ich in dieser Ueberzeugung befestigt. 
Yon den Herren Berns, Philip & Co. erfuhr ich, dafs die eiserne englische 
Bark „Jamaica“ von 1000 Tonnen Gröfse, welche im Monat Marz, also noch 
vor Eintritt des Südost-Monsuns, Normanton in Ballast nach Neu-Calédonien ver 
lassen und den Weg durch die 2Vm-Strafse und das Korallenmeer genommen 
hatte, eine Reise von 67 Tagen gehabt hätte. Auch die zwischen hier und Neu 
seeland verkehrenden Küstenfahrer empfahlen mir die Routo westlich und südlich 
um Australien herum. Einer dieser Kapitäne, ein geborener Oesterreich er, 
dessen Gaffelschoner allgemein für einen Schnellsegler galt, sagte mir, dafs er 
selbst während des Nordwest-Monsnos auf der direkten Route eine lange Reise 
nach Neu-Seeland gehabt hätte, indem er von 17® S-Br an, wo der Nordwest- 
Monsun endete und ein frischer Südost-Passafc einsetzte, noch 45 Tage benöthigt 
hätte, um den Bestimmungsort zu erreichen. Alles dieses bestimmte mich, die 
Routo um Australien herum zu wählen, und wenn auch vielleicht kein grofser 
Zeitgewinn dadurch erzielt worden ist, so haben doch wenigstens das Schiff und 
besonders: die Segel nicht so gelitten, als dies bei einem anhaltenden Kreuzen 
durch die Torm-Strafse und längs der Ostküste von Australien der Fall ge 
wesen sein würde. 
Am 8. Juli 1888 traten wir die Reise nach Newcastle N. $ W. an, indem 
wir durch einen Dampfer über die Barre geschleppt wurden und sofort in See 
gingen. Am folgenden Tage pasairten wir des Morgens Bountiful- und des 
Mittags Pisonia-Island. Abends 5 Uhr hatten wir Rocky- und Lake-Island in 
Sicht. Die Positionen der letztgenannten Inseln scheinen in meiner Karte nicht 
ganz richtig angegeben zu sein; es war indessen nicht möglich, dies genau fcst- 
zustellen, da die astronomischen Beobachtungen im Golf von Carpentaria durch 
die dort stattfindonde Strahlenbrechung sehr beeinträchtigt werden. Die Orts 
angaben in dem „Queensland Almanach“ werden für zuverlässig gehalten. 
Da die Briese im Golf sehr flau war, konnten wir erst in der Nacht vom 
13. zum 14. Juli Kap Wessel erreichen. An der Nordküste Australiens fanden 
1) Alan vergleiche auch den Bericht des Kapitän Ziindars, Annalen Jahrg. 1899, S. 54 ff,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.