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Normanton am Golf von Carpentaria (Australien).
Küste ist aber die Bevölkerung den Weifsen feindselig gesinnt und hinterlistig,
so z. B. auf der Mornington - Insel. 1 ) Während meiner Anwesenheit in Nor
manton ist auf dem Mc. ArtkurSlnssa, an der Westseite des Golfs von Car-
pentaria, der Kapitän eines Gaffelschoners von den Eingeborenen ermordet
worden. Schiffe, die nach diesen Gegenden kommen, müssen vor allen Dingen
gute Wache halten, um nicht unerwartet überfallen zu werden, und besonders
mit Schiefswaffen ausgerüstet sein, vor welchen die Eingeborenen eine greise
Furcht haben. Die Waffen der letzteren bestehen in 3 bis 3 3 /a m langen und
25 mm dicken, von ziemlich hartem, schwerem Holze angefertigteu Speereu, die
mit eisernen Spitzen versehen sind. Dazu führen sie den sogenannten Bumerang,
ein etwa 0,6 m langes und 60 mm breites Stück harten schweren Holzes, das nach
den Kanton hin angeschärft und in einem stumpfen Winkel gebogen ist. Die Ein
geborenen gebrauchen das Instrument als Wurfwaffe und wissen mit demselben
mit grofser Sicherheit ihr Ziel zu treffen. Es besitzt die Eigentümlichkeit, dafs
es, in einer gewissen Weise geschleudert, in einem grofsen Bogen hoch in die
Luft steigt, an einem bestimmten Punkte umkehrt und dann in entgegengesetzter
Richtung nach der Ähgangsstelle zurückkehrt. Diese Waffen und andere Holz-
geräthe werden von den Leuten vermittelst scharfer Muschelschalen hergestellt;
aus Eisen bereitetes Handwerkszeug ist noch nicht in ihrem Gebrauch.
Reise von Normanton nach Newcastle N. S. W.
In Normanton erhielt ich die telegraphische Order, nach Newcastle N. S. W.
zu versegeln, um dort eine Ladung Steinkohlen einzunehmon, und trat nun die
Frage an mich heran, auf welcher Route diese Reise am besten ausführbar sei,
ob westlich um Australien herum oder durch die Torres-Strafse. Auf der Her
reise von der Rcm»Strafse nach Nm-manton, die im April, also zu Beginn des
Südost-Monsuns, stattfand, hatte Ich die Ansicht gewonnen, dafs ein Aufkreuzen
längs der Ostküste Australiens zur Zeit des vollen Südost-Monsuns unmöglich
sein müsse, besonders wegen der hohen See und zumal mit einem ballastbe
ladenen eisernen, stark angewachsenen Schiffe, und durch die Erkundigungen,
die ich in Normanton einzog, wurde ich in dieser Ueberzeugung befestigt.
Yon den Herren Berns, Philip & Co. erfuhr ich, dafs die eiserne englische
Bark „Jamaica“ von 1000 Tonnen Gröfse, welche im Monat Marz, also noch
vor Eintritt des Südost-Monsuns, Normanton in Ballast nach Neu-Calédonien ver
lassen und den Weg durch die 2Vm-Strafse und das Korallenmeer genommen
hatte, eine Reise von 67 Tagen gehabt hätte. Auch die zwischen hier und Neu
seeland verkehrenden Küstenfahrer empfahlen mir die Routo westlich und südlich
um Australien herum. Einer dieser Kapitäne, ein geborener Oesterreich er,
dessen Gaffelschoner allgemein für einen Schnellsegler galt, sagte mir, dafs er
selbst während des Nordwest-Monsnos auf der direkten Route eine lange Reise
nach Neu-Seeland gehabt hätte, indem er von 17® S-Br an, wo der Nordwest-
Monsun endete und ein frischer Südost-Passafc einsetzte, noch 45 Tage benöthigt
hätte, um den Bestimmungsort zu erreichen. Alles dieses bestimmte mich, die
Routo um Australien herum zu wählen, und wenn auch vielleicht kein grofser
Zeitgewinn dadurch erzielt worden ist, so haben doch wenigstens das Schiff und
besonders: die Segel nicht so gelitten, als dies bei einem anhaltenden Kreuzen
durch die Torm-Strafse und längs der Ostküste von Australien der Fall ge
wesen sein würde.
Am 8. Juli 1888 traten wir die Reise nach Newcastle N. $ W. an, indem
wir durch einen Dampfer über die Barre geschleppt wurden und sofort in See
gingen. Am folgenden Tage pasairten wir des Morgens Bountiful- und des
Mittags Pisonia-Island. Abends 5 Uhr hatten wir Rocky- und Lake-Island in
Sicht. Die Positionen der letztgenannten Inseln scheinen in meiner Karte nicht
ganz richtig angegeben zu sein; es war indessen nicht möglich, dies genau fcst-
zustellen, da die astronomischen Beobachtungen im Golf von Carpentaria durch
die dort stattfindonde Strahlenbrechung sehr beeinträchtigt werden. Die Orts
angaben in dem „Queensland Almanach“ werden für zuverlässig gehalten.
Da die Briese im Golf sehr flau war, konnten wir erst in der Nacht vom
13. zum 14. Juli Kap Wessel erreichen. An der Nordküste Australiens fanden
1) Alan vergleiche auch den Bericht des Kapitän Ziindars, Annalen Jahrg. 1899, S. 54 ff,