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Js'ovmUnion am Golf von Carpejitaria (Australien).
Agenten der Dampfer-Gesellschaft sied, so steht ihnen das alleinige Ver-
fügungsrecht über sämmtliche Leichter zn, und sie begünstigen bei der Ent
löschung natürlich am meisten diejenigen Schiffe, die an sie konsignirt oder
deren Ladung ihr Eigenthum ist. Obgleich Letzteres bei uns der Fall war,
dauerte unser hiesiger Aufenthalt doch über zwei Monate. Leider waren in
meiner Charterpartie keine Liegetage festgesetzt, was für eine Reise nach hier
niemals unterlassen werden sollte. Die Leichter benöthigen durchschnittlich
fünf Tage, um mit den aus dem Schiffe bei dem Ballastgründe geladenen Gütern
an die Stadt und von dort zurückzukommen, wobei sie durch einen Dampfer
geschleppt werden. Bei tauber Gezeit und südöstlichem Winde dauert eine
solche Reise natürlich noch länger. Wenn ein Postdampfor anwesend ist,
ein Fall, der alle 14 Tage eintritt, wird die Entlöschung der Segelschiffe gänzlich
unterbrochen, indem sämmtliche drei Leichter verwendet werden, um die aus
600 bis 1000 Tonnen bestehende Ladung des Dampfers zu löschen. Dazu
kommt, dafs dieser auf der Rhede liegen bleibt, wodurch die Fahrten der
Leichter bedeutend verlängert werden.
Zur Zeit des Nordwest-Monsans, der nassen Jahreszeit, steht das niedrige,
den Flufs begrenzende Land unter Wasser, und auch die Stadt Normanton ist
fast ganz von demselben eingeschjossen. Der Verkehr mit dem Bannenlande, be
sonders mit Craydon, in dessen Nähe sich die Goldfelder befinden, ist dann
der unpassirbaren Wege halber gänzlich gestört, und kommen deshalb in dieser
Zeit auch die Dampfer nicht nach Norntanton. Für die Segelschiffe würde nun
die beste Gelegenheit für eine rasche Beförderung vorhanden sein.
Der gröfste Uebelstnnd für Segelschiffe, welche Normanton besuchen,
sind der hohe Preis und die langsame Lieferung des Ballastes. Die Firma
Bums, Philip & Go. berechnet, wenn sie den Ballast mit ihren Leichtern
längsseits des Schiffes bringt und mittelst ihrer Dampfwinden au Deck sehafft,
die Tonne mit 8 sh. Holt man das Schiff an den Strand und beschäftigt die
Leichter nur insofern, als man ihre Dampfwinden benutzt, so stellt sich die
Tonne Sandballast auf 4 sh., was auch noch viel zu theuer ist. Dazu mufs
man oft längere Zeit warten, bis ein Leichter zur Verfügung steht. Auch mir
war es nicht möglich, einen solchen zu erhalten, und ich war genöthigt, das
Schiff zum Ballasten an den Uferstrand zu logen. Das Schiff war dabei mit
dem Kopfe gegen die Fluth, hinter einem Buganker mit 215 m (120 Faden)-
Iiette und mit einem schweren Wurfanker und 108 m (60 Faden)-Kette vom
Heck aus vertäut, Aufserdem wurde dasselbe vermittelst guter Leinen an den
Bäumen auf dem Ufer befestigt. Man hat in dieser Lage sehr darauf zu
achten, dafs das Schiff stets flott bleibt, denn der Strand fällt steil ab und ein
Festgerathen des Schiffes kann daher leicht ein Kentern desselben zur Folge
haben. Solches soll nach der Aussage des Lootsen hier in der Thai
schon passirt sein. Ist man im Besitz guter starker Boote, so möchte ich
.empfehlen, den Sand in diesen längsseits zu holen, weil man auf diese Weise
die erwähnte Gefahr und den durch das Abholen des Schiffes entstehenden
Zeitverlust vermeidet, auch das Aufheifsen des Ballastes aus den Booten nicht
soviel Zoit beansprucht, als das Uebernehiuen direkt vom Strande ab. Ich
hatte leider nur leicht gebaute englische Klinkerboote an Bord, die den Trans
port von etwa 280 1 Tonnen Saudballast wohl nicht gut hätten vertragen können,
abgesehen davon, dafs die Sitzbänke nicht zu entfernen waren, weshalb wir
darauf angewiesen waren, denselben in Körben direkt vom Strande überzunehmen.
Diese Arbeit, zu deren Ausführung wir eingeborene Arbeiter mit herangezogen,
ging nur sehr langsam von Statten, besonders auch aus dem Grunde, dafs das
Schiff so häufig mit dem wechselnden Wasserstande von und nach dem Ufer
geholt werden mufsto. Wir konnten auf diese Weise täglich nur 15 bis 20
Tonnen Ballast übernehmen, verloren indessen, im Ganzen genommen, nicht
sehr viel Zeit damit, weil wir stets die Zwischenpausen, in denen keine Leichter
zum Löschen da waren, zum Ballasten benutzten. Bei einer prompten Ent
löschung der Ladung würde dieses Verfahren nicht zweckmäfsig gewesen sein.
Wir benötWgtOD, wie schon erwähnt, zum Löschen der Ladung und zur Ueber-
nahme des Ballastes im Ganzen etwas mehr als zwei Monate. Als wir fertig
waren, gingen uns noch weitere drei Tage dadurch verloren, dafs wir infolge