Normanton am Golf von Carpentaria (Australien).
283
sich im Golf unter der Ostküste zu halten. Der Wind war zur Nachtzeit am
frischesten, manchmal so stark, dafs es nöthig wurde, die Bramsegel festzumachen.
Das Feuerschiff vor dem iVoi-m««-Flusse ist in der Nacht zwar sehr gut zu
sehen, man darf sich demselben aber nicht allzusehr nähern, sondern hat öst
lich davon zu bleiben, um nicht auf das Wrack des Schiffes „Rockhampton",
welches nur durch eine kleine Boje bezeichnet ist, zu gerathen.
Tiefen- und Gezeitenverhältnisse. Im Golf von Carpentaria hat
man überall geringe Tiefen, und der fleifsige Gebrauch des Lothes leistet die
besten Dienste. Eine Berechnung des Hoch- und Niedrigwassers läfst sich zur
Zeit noch nicht anstollen, da es nicht gelungen ist, irgend welche Gesetz-
mäfsigkeit in Betreff derselben zu entdecken. Es ist gewöhnlich in 24 Stunden
ein Mal Hoch- und Niedrigwasser. Nach einer Aeufsenmg dos Hauptlootsen
hicrselbst tritt ersteres gewöhnlich sioben Stunden nach dem Meridiaudureh-
gange des Mondes ein, und einige darauf gegründete Vorausberechnungen
stimmten auch ziemlich gut mit den späteren Thatbeständen überein; aber als
eino feste Regel darf dieses durchaus nicht angesehen werden, dona die Ge
zeiten sind gar zu sehr von dem Winde abhängig; nicht einmal fallen die
höchsten Fluthen immer mit dem Neu- oder Vollmonde zusammen. Bei tauben
Gezeiten ist manchmal, besonders wenn ein starker SE-Wind weht, während
mehrerer Tage kein Gezeitenstrom vorhanden. Das Wasser fällt und steigt
dann vielleicht einen Fufs, und der Stand desselben ist im Allgemeinen ein so
niedriger, dafs die Leichter bei einem Tiefgange von 0,9 bis 1,2 m (3 bis 4 Fufs)
nicht an die etwa 20 Sm flufsaufwärts gelegene Stadt gelangen können. Zu
anderer Zeit stellt sich dagegen zwei Mal in 24 Stunden der Gezeitenwechsel
ein, obwobl, wie schon bemerkt, überall im südlichen Theil des Golfes in der
Regel nur ein Mal in 24 Stunden ein Wechsel von Flutb und Ebbe stattfindet.
Der Wasserstand auf dor Barre, der ja ebenfalls von der Gezeitenströmung und
der Richtung des Windes abhängig ist, beträgt im Fahrwasser bei Spriug-
zeiten zur Zeit des Südost-Monsuns gewöhnlich 4 bis 4,5 m (13 bis 15 Fufs),
während er im Nordwest-Monsun durchschnittlich 0,5 bis 1 m (2 bis 3 Fufs)
höher ist. Bei meinem Abgänge von hier (Anfang Juli 1888) war eben ein
grofser neuer Bagger von Brisbane angelangt, der die Aufgabe batte, den Kanal
über die Barre bis auf 3,6 m (12 Fufs) bei Niedrigwasäer zu vertiefen, wodurch
es selbst gröfseren Schüfen möglich werden würde, mit Hochwasser in die
Flofsmündung einzulaufen. Ea werden natürlich einige Jahre vergehen, bevor
der 3 Sm lange Kanal bis auf die angestrebte Tiefe gebracht sein wird; allein
ein Erfolg wird schon in nicht allzu ferner Zeit zu verzeichnen sein, da der
Bagger im Stande ist, täglich 4000 Tonnen Erdreich zu bewältigen. In dem
Flusse beträgt die Wassertiefe von seiner Mündung bis zn dem 15 Sm unter
halb Normanton belogenen Punkte Red Bluff 4,5 bis 4,8 m (15 bis 16 Fufs).
Bei dem sogenannten Ballastgrunde, etwa 3 Sm aufwärts von der Mündung,
woselbst alle Schiffe ballasten müssen, ist hinreichend Wasser für die gröfsten
Schiffe vorhanden. Der Ankergrund ist sowohl auf der Rhede, als auch im
Flusse sehr gut und besteht aus weichem blauem Mudd.
Karumbä und Red Bluff. Der am rechten Ufer der Flufsmiindung
belegenen kleinen Niederlassung mit einer Telegraphen Station, welche bisher
Rimberley hiefs, hat man vor einiger Zeit, um eine Verwechselung mit den
mehrfach in Australien vorhandenen Ansiedelungen dieses Namens zu verhüten,
offieiell dcu Namen Karumba beigelegt, was zu beachten, besonders bei Ab
sendung von Telegrammen von Wichtigkeit ist. Es besteht die Absicht, bei
Red Bluff eiue Kaje zu bauen, an welcher die Schiffe ihre Ladungen löschen
können, und diesen Punkt durch eine Eisenbahn mit Normanton zu verbinden;
fester Beschlufs ist in dieser Hinsicht jedoch noch nicht gefafst worden.
Entlöschung und Ballast. Das Löschen der Ladung nimmt gegen
wärtig noch eine lange Zeit in Anspruch, da im Ganzen nur drei Leichter vor
handen sind. Zwei derselben, welche jeder etwa 300 Tonnen Stückgüter laden
können, sind Eigenthum einer Dampfschiffahrt-Gesellschaft, während der dritte,
von 120 Tonnen Ladefähigkeit, den Herren Bums, Philip & Co. in Nor
manton gehört. Alle drei sind mit Dampfwinden versehen, welche ohne Extra-
vergütung zum Löschen der Segelschiffe benutzt werden können, was für letztere
eine grofse Erleichterung ist. Da die Herren Burns, Philip & Co. auch
fern. a, Hydr. ote., 1889, Heft VUI. 3