accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

282 
Die Gezeiten längs der niederländischen Küste. 
selben Gründen, weshalb der Fluthstrom aus dem Süden vor den Zecuw ! sehen 
Inseln eine Drehung gegen die Sonne zu Wege bringt, mufs der Fluthstrom 
aus dem Norden eine entgegengesetzte Drehung, also mit der Sonne, verursachen 
(siehe S. 75 der „Noordzeewaarnemiugen“). Der Grund, warum diese Drehung 
nur auf einem eng begrenzten Gebiete wahrgenoinineu wird, ergiebt sieh sofort 
aus der Karte der Nordsee mit Tiefenlinien. Die 20 m • Tiefenlinie nähert sich 
eben nördlich vom Heek van Holland plötzlich der Küste, nordwärts ist die 
Tiefenzunnhtne viel allmählicher von der Küste aus. Die für die Drehung noth- 
wendige schnelle Tiofenznnahmc ist somit hier nur innerhalb einer geringen 
Küstenausdehnung vorhanden. 
Im Allgemeinen tritt jedoch längs der niederländischen Küste Kenterung 
in den nördlicher belegenen Plätzen später ein, und zwar in Uebereinstimmung 
mit der Theorie für eine sich nordwärts in ein gröfseres Bassin ausbreitende 
freie Fluthwelle, 
Endlich erübrigt noch eine Erklärung für die mit Sonne erfolgende 
Drehung der Strömungen nördlich vom Helder. Es ist nicht schwer einzusehen, 
dafs das Drehen bei Texel, Vlieland und Terschdling dem Interferiren der 
schottischen Fluthwelle aus dem Nordwesten mit der Kämal-Fluthwelle zuge 
schrieben werden mufs, welche unter sieh gut 5 Stunden auseinander liegen. 
Weiter ostwärts ist der Strom nicht hin- und zurückgehend, wie ver 
kehrt in den „Noordzeewaarnemingen“ angegeben ist, sondern ein gegen die 
Sonuo drehender, wie aus den Beobachtungen der deutschen Feuerschiffe 
Borkumer Riff“) hervorgeht. Der Grund dafür ist derselbe wie boi den 
Zeeuw*8ehen Inseln, d. h. die West-Ost gerichtete schottische Fluthwelle über dem 
geneigten Seeboden. 
Aus den Beobachtungen auf dem TirsfAiZIinuhunA-Feuerschiff sind analoge 
Schlüsse zu ziehen, wie aus denen für die Zeeuw’schen Inseln, d. h. das starke 
Drehen bei dem Feuerschiff und der Hin- und Herlauf nahe bei Terschelling. 
Aus dem Gesagten dürfte hervorgehen, dafs viele offene Fragen ver 
schwinden, wenn die periodische Schwankung des Seespiegels in enger Ver 
bindung mit den Strömungen betrachtet wird, d. h wenn die Erscheinung der 
Gezeiten als eine freie Wellenbewegung aufgefafst wird. Trotzdem giebt es 
noch viele offene Fragen, die nur durch systematisch vorbereitete und ausgeführte 
Beobachtungen mit Hülfe der zahlreichen Mareographen an der Hand der 
Theorie gelöst werden können. 
Normanton am Golf von Carpentaria (Australien). 
Bericht des Kapt. F. Rumpff von der deutschen Bark „Balcarry“. 
(Mittlieiliing von der Deutschen Seewarte.) 
Hinreise und Ansegelung des Norman - Flusses. Nach einer 
langen Heise, die im Dezember 1887 von London aus angetreten worden 
war, und auf welcher 51 Tage allein im Nordatlantischen Öeean verbracht 
wurden, erreichten wir glücklich unsern Bestimmungsplatz iNormanton. Da 
meiner Meinung nach im Monat April nördlich von Australien der Südoat- 
Monsun schon eingesetzt haben müfste, wählte ich die Route durch dio Bass- 
und die 2Vm-Strafse und glaube auch hieran recht getlian zu haben, denn 
wir legten die Strecke von der Mitte der ilass-Strafse bis nach Normanton 
in nur 24 Tagen zurück. In der IWas-Strafso roufste während zweier Nächte 
geankert werden. Es war gerade zur Zeit der Springe und wir beobachteten 
einen sehr starken Strom, besonders ira Prince of Whales Channel, wo or mit 
einer Geschwindigkeit von 5 Kn lief. Die Segelanweisnng für den Golf von 
Carpentaria habe ich als sehr zuverlässig gefunden. Wegen der in jener An 
weisung erwähnten unbequemen See, die wir auch angetroffen haben, ist es gut,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.