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Die Gezeiten längs der niederländischen Küste.
selben Gründen, weshalb der Fluthstrom aus dem Süden vor den Zecuw ! sehen
Inseln eine Drehung gegen die Sonne zu Wege bringt, mufs der Fluthstrom
aus dem Norden eine entgegengesetzte Drehung, also mit der Sonne, verursachen
(siehe S. 75 der „Noordzeewaarnemiugen“). Der Grund, warum diese Drehung
nur auf einem eng begrenzten Gebiete wahrgenoinineu wird, ergiebt sieh sofort
aus der Karte der Nordsee mit Tiefenlinien. Die 20 m • Tiefenlinie nähert sich
eben nördlich vom Heek van Holland plötzlich der Küste, nordwärts ist die
Tiefenzunnhtne viel allmählicher von der Küste aus. Die für die Drehung noth-
wendige schnelle Tiofenznnahmc ist somit hier nur innerhalb einer geringen
Küstenausdehnung vorhanden.
Im Allgemeinen tritt jedoch längs der niederländischen Küste Kenterung
in den nördlicher belegenen Plätzen später ein, und zwar in Uebereinstimmung
mit der Theorie für eine sich nordwärts in ein gröfseres Bassin ausbreitende
freie Fluthwelle,
Endlich erübrigt noch eine Erklärung für die mit Sonne erfolgende
Drehung der Strömungen nördlich vom Helder. Es ist nicht schwer einzusehen,
dafs das Drehen bei Texel, Vlieland und Terschdling dem Interferiren der
schottischen Fluthwelle aus dem Nordwesten mit der Kämal-Fluthwelle zuge
schrieben werden mufs, welche unter sieh gut 5 Stunden auseinander liegen.
Weiter ostwärts ist der Strom nicht hin- und zurückgehend, wie ver
kehrt in den „Noordzeewaarnemingen“ angegeben ist, sondern ein gegen die
Sonuo drehender, wie aus den Beobachtungen der deutschen Feuerschiffe
Borkumer Riff“) hervorgeht. Der Grund dafür ist derselbe wie boi den
Zeeuw*8ehen Inseln, d. h. die West-Ost gerichtete schottische Fluthwelle über dem
geneigten Seeboden.
Aus den Beobachtungen auf dem TirsfAiZIinuhunA-Feuerschiff sind analoge
Schlüsse zu ziehen, wie aus denen für die Zeeuw’schen Inseln, d. h. das starke
Drehen bei dem Feuerschiff und der Hin- und Herlauf nahe bei Terschelling.
Aus dem Gesagten dürfte hervorgehen, dafs viele offene Fragen ver
schwinden, wenn die periodische Schwankung des Seespiegels in enger Ver
bindung mit den Strömungen betrachtet wird, d. h wenn die Erscheinung der
Gezeiten als eine freie Wellenbewegung aufgefafst wird. Trotzdem giebt es
noch viele offene Fragen, die nur durch systematisch vorbereitete und ausgeführte
Beobachtungen mit Hülfe der zahlreichen Mareographen an der Hand der
Theorie gelöst werden können.
Normanton am Golf von Carpentaria (Australien).
Bericht des Kapt. F. Rumpff von der deutschen Bark „Balcarry“.
(Mittlieiliing von der Deutschen Seewarte.)
Hinreise und Ansegelung des Norman - Flusses. Nach einer
langen Heise, die im Dezember 1887 von London aus angetreten worden
war, und auf welcher 51 Tage allein im Nordatlantischen Öeean verbracht
wurden, erreichten wir glücklich unsern Bestimmungsplatz iNormanton. Da
meiner Meinung nach im Monat April nördlich von Australien der Südoat-
Monsun schon eingesetzt haben müfste, wählte ich die Route durch dio Bass-
und die 2Vm-Strafse und glaube auch hieran recht getlian zu haben, denn
wir legten die Strecke von der Mitte der ilass-Strafse bis nach Normanton
in nur 24 Tagen zurück. In der IWas-Strafso roufste während zweier Nächte
geankert werden. Es war gerade zur Zeit der Springe und wir beobachteten
einen sehr starken Strom, besonders ira Prince of Whales Channel, wo or mit
einer Geschwindigkeit von 5 Kn lief. Die Segelanweisnng für den Golf von
Carpentaria habe ich als sehr zuverlässig gefunden. Wegen der in jener An
weisung erwähnten unbequemen See, die wir auch angetroffen haben, ist es gut,