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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Di© Gezeiten längs dev niederländischen Küste. 
281. 
Strom mufs zudem noch bedeutend verstärkt werden durch die wave of trans- 
lation infolge des oingedruugeneu Seewassers. 
Längs der festen holländischen Küste ist die Neigung des Seebodons 
viel schwächer; bis auf grofse Entfernung von der Küste bleibt das Wasser 
gleich tief, womit die unter 8. genannte Ursache wegfällt. Aufserdem pflanzt 
die Fluthwelle (südliehe Tide) sich aus einem engen in ein weites Bassin fort, 
die Hindernisse nehmen ab, und Stromkenterung wird somit mehr und mehr 
normal 3 Stunden nach H-W. stattfinden, während schnellster Fluthstrom mit 
II-W. zusammenfällt, wie solches durch die Beobachtungen am Roek van Rolland 
bestätigt wird. In Hauptsache müssen die Strömungen längs der festen hollän 
dischen Küste somit gerade hin und zurück parallel zur Küste laufen, wie die 
Beobachtungen es ergeben. Diese hauptsächlich hin- und zurücklaufenden 
Strömungen beweisen zugleich, dafs nördliche und südliche Tide hier nicht, 
wie wohl angenommen wird, (auch in den „Noordzeewaarnemingen*) unter einem 
gewissen Winkel interferiren, weil dann bei dem grofsen Phaseuuntersehiede 
der beiden Fluthwellen stark drehende Strömungen entstehen müfsten. Da in 
dessen nicht anzunehmen ist, dafs die nördliche Tide südlich vom Helder gänzlich 
sollte aufgehalten werden, so werden beide Fluthwellen zwar interferiren, doch 
haben solche nahezu entgegengesetzte Richtung, so dafs drehende Strömungen 
nicht vorhanden sein können. Lokale Umstände können geringe Abweichungen 
von der einander entgegengesetzten Richtung wohl hervorrufen, so dafs eine 
schwache Drehung bald in dieser, bald iD jener Richtung beobachtet wird. 
Bevor wir zur Erklärung der scharfen Begrenzung zwischen den Strömungen 
am Book van Rolland und den daselbst sieh zeigenden fremdartigen Erscheinungen 
übergehen, müssen wir einen Augenblick den allgemeinen Stromlauf in der 
südlichen Nordsee und in dem östlichen Theile des Kanales betrachten. Kapt. 
Beechey, R. N., hat die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dafs innerhalb der 
Strecke, welche im Westen durch eine Linie La Rague—Portland Bill und im 
Norden durch eine Linie Oromer—Helder begrenzt wird, Stromkenterung überall 
gleichzeitig stattfindet in den Augenblicken, wenn zu Dover die äufsersten 
Stände erreicht sind. Prof. C. Börgen hat in den „Annalen der Hydrographie“ 
eine annehmbare Hypothese zur Erklärung .aufgestellt. Derselbe betrachtet die 
beiden Seen als zwei bei Dover zusammentreffende und untiefer werdendo 
Trichter. Die Widerstandsvergröfscrung in dem Mafse, wie sich die Fluthwelle 
Dover nähert, ist Ursache, dafs die Zeiten von H-W. und Stromkenterung mehr 
und mehr einander sich nähern und in dem engsten Theile nahezu zusammen 
fallen, wie auch in Dover wahrgenommen wird. Die gleichzeitige Stromkenterung 
erklärt er nun durch die Annahme, dafs die Verkleinerung des Zeitintervalles 
zwischen H-W. und Stromkenterung für auf einander folgende Plätze gleich 
ist dem auf einander folgenden späteren Eintritt von H-W.-Zeit auf den 
selben Stellen. Hieraus folgt dann zugleich, dafs die Erscheinung sich nur bis 
zu den Stellen zeigen kann, welche 3 Stunden früher als Dover H-W. haben, 
weil dies gerade das normale Intervall zwischen H-W. und Kenterung ist. Dies 
stimmt auch mit den Thatsaehen an der Kanal- und an der ostenglischen Küste, 
jedoch auch die Stellen, welche 3 Stunden später als Dover H-W. haben, wie 
iloek van Rolland, müssen in Bezug auf Stromkenterung Besonderheiten auf- 
weisen. Letzteres geht wiederum deutlich aus den „Noordzeewaarnemingen“ 
hervor; mit Nachdruck weisen die Herren Moons und Nöltheuius auf die 
„Stabilität des Flutbstromes“ und auf das regelmäfsige für nordwärts belegene 
Punkte Verspäten des Flutbstromes. 
Auf S. 78 und 79 der „Noordzeewaarnemingen“ steht, dafs dagegen die 
Ebbe sich von Süden nach Norden fortpflanzt. Der Ebbestrom scheint nämlich 
auf dem Punkt H südlieh vom Roek van Holland etwas später einzutreten als 
auf dem nördlicher belegenen Punkte K. Diese Beobachtung läfsfc sieh er 
klären, wenn wir Abstand nehmen von der für die feste holländische Küste 
ganz willkürlichen Definition der Strömungen, d. h. dafs Ebbestrom die süd 
wärts gerichtete, Fluthstrom die nordwärts gerichtete ist. Bei der Strom 
kenterung am Roek van Rolland mufs der sieh daselbst allmählich bildende 
südwärts gerichtete Strom zuerst auf nördlich belegenen Punkten sieh zeigen, 
wenn dieser Strom der abnehmende Fluthstrom der nördlichen Tide ist, und 
dann ist es klar, warum hier die Strömungen mit der Sonne drehen. Aus den
	        
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