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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Die Gezeiten längs der niederländischen Kaste. 
3. Ans dem verschiedenen Stand in Bezug auf H-W., welchen die 
Kenterung in verschiedenen Durchschnitten ein und derselben Welle bei ab 
fallendem Seoboden einnimmt, je nachdem diese Durchschnitto näher oder weiter 
von der Küste belegen sind. 
Letztere Ursache, bereits von Airy angegeben, ist noch näher zu erklären. 
In dem regelmäfsigen Falle, welcher sich weit von der Küste vollzieht, erreicht 
der Fluthstrom bei H-W. seine gröfste Geschwindigkeit. Zugleich beginnt dann 
das Wasser zu fallen und drei Stunden nach Hochwasser, wenn das Wasser am 
raschesten fällt, kentert der Strom und ist Null, Bei dom nun fortdauernden 
Fallen entwickelt sieh der Ebbestrom, welcher 6 Stunden nach H-W., also wenn 
N-W. ist, seine gröfste Geschwindigkeit erreicht. Dann folgt wieder Steigen des 
Seespiegels, Abnahme der Stromgeschwindigkeit, und nach nochmals 3 Stunden 
steigt das Wasser am raschesten; der Strom kentert, und nach 12 Stunden tx-itt 
wieder H-W. ein. Der Strom kentert also ungefähr 3 Stunden nach den 
äufsersten Ständen. An der Küste bewirken jedoch die Hindernisse, wie ab 
nehmende Tiefe, Verengung, aufser einer Erhöhung der Welle und einem 
schnelleren Steigen bei längerem Fallen, zugleich eine Annäherung der Zeiten, 
zu welchen die äufsersten Stände und die Stromkenterung stattfiuden, so dafs 
unter gewissen Umständen diese zusammenfallea können. 
Damit stehen die Ergebnisse der „Noordzeewaarnemiogen“ in Einklang. 
Auf den Stellen q, K, L (Seite 75) bez. 1,5 km, 5 km und 15 km von der Küste, 
beinahe in derselben Senkrechten, wurde bei gleichzeitigen Beobachtungen ge 
funden, dafs der Strom auf den der Küste am nächsten liegenden Stellen 
»voraus“ war. Dieselbe Erscheinung, wenn auch keine gleichzeitigen Beobach 
tungen erfolgt sind, zeigt sich bei den Zeenw’sehen und südholländischen 
Inseln. Wenn somit an der Küste und in See H-W, ist, herrscht am Ufer 
Stromstillstand, in See läuft jedoch in demselben Augenblick stärkster Fluth 
strom. Dieser Uebergang findet natürlich allmählich statt, d. h. der vor den 
südlichen Inseln laufende Fluthstrom aus dem Kanal nach dem Norden ist, 
wenn auch schwächer, auf Punkten zwischen der Küste und der See als eiue 
Strömung aus dem Kanal bemerkbar. Drei Stunden später, wenn die Wasser 
oberfläche über die mittlere Höhe gefallen ist, läuft an dor Küste schnellster 
Ebbestrom, in See kentert der Strom, Diese aus der Küste setzende Strömung 
mufs noch in einiger Entfernung von der Küste wahrnehmbar sein. Bei dem 
darauf folgenden N-W. herrscht wieder Stromstillstand an der Küste, schnellster 
Ebbestrom in See, und dieser letztere mufs nun wieder auf zwischen gelegenen 
Plätzen als ein nördlicher Strom gefühlt werden. Im weiteren Verfolg bemerkt 
man mit Berücksichtigung der Zwischenstände, dafs der Strom links um, also 
gegen die Sonne drehen mufs. Dies ist nun der Fall südlich vom Iloek van 
Holland. Wie leicht eiuznsehen ist, wird das Drehen des Stromes noch durch 
die schnellere Fortpflanzung der Fluthwello in tiefem Wasser befördert, infolge 
dessen der Scheitel oder H-W. in See in Bezug auf die Küste „voraus“ ist. 
Endlich ist der Einflufs der Wesier-Schelde und der der übrigen Seegatten in 
minderem Mafse noch merkbar. 
In Uebereinstimmung mit der Theorie finden wir ungefähr 3 Stunden 
nach II-W. am Iloek van Holland bei Kenterung von Flutli in Ebbe einen 
schwachen Strom aus der Küste, innerhalb der Seegatten bereits schnellsten 
Ebbestrom, welcher vor der Wester - Schelde am weitesten von der Küste 
merkbar ist. 
In dem Bericht der „Noordzeewaarnemingen“ wird angeführt, dafs bei 
Kenterung von Ebbe in Fluth in den Punkten D, E, F die Wirkung der See 
mündungen nicht mehr naehgewiesen werden kann, weil dann in diesen schon 
starker Fluthstrom läuft, während aufserhalb der Strom Null ist und nicht nach 
der Küste zu läuft, wie eine Wirkung der Seegatten erfordern würde. Diese 
Thatsache orgiebt deutlich, dafs nicht die Seegatten, sondern die unter 3. ge 
nannte Ursache die Hauptursache der Rotatioosströmung ist. Uebrigens lassen 
die Wahrnehmungen sich noch durch die Thatsache erklären, dofs dicht unter 
der Küste diese als Barriere sich der Bewegung der Wassertheile entgegen 
stellt und den Strom nach der Küste hin verhindert. Desto schneller läuft aber 
der Strom nach binnen, wo diese Barriere fehlt, also in den Seegatten. Dieser
	        
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