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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Die Gezeiten längs der niederländischen Küste« 
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Umstände einen plötzlichen Zuflufs, gefolgt von einem schwächeren, bervor- 
briogen, so dafs verschiedene Translation - Wellen entstehen. Ferner hat 
Boussinesq (Journal de Mathématiques de Lionvillo 1872) angedeutet, dafs 
obiger Ausdruck für v genauer geschrieben wird durch 
v= 1 /g(H + (1 .+ «tg 
worin h die Höhe der Welle in einem Durchschnitt, parallel zur Scheitelliuie, 
bezeichnet. Die Geschwindigkeit ist somit von Durchschnitt zu Durchschnitt 
verschieden und infolge dessen kann die Welle, selbst bei konstanter Wasser 
tiefe, ihre Form verändern. 
Wie dem auch sei, die Sache erscheint sehr verwickelt und eine gute 
Erklärung der fremdartigen Gezeitwellen »och immer eine* ungelöste Frage, 
welche vielleicht aus den beobachteten Erscheinungen durch strenge Rechnung 
mit Beibehalt dor gewöhnlich bei der harmonischen Analyse vernachlässigten 
Termen zur Klarheit gebracht werden kann. 
Dio Fluthwellen in der Zuidersee scheinen in erster Linie durch das 
Seegatt von Texel einzudringen, wenn auch die Soegatton zwischen den Inseln, 
namentlich der Vlkstrom, von Einfiufs sein wird. Dafs das Segatt von Texei 
das bedeutendste ist, geht aus den Hafenzeiten hervor. Während der Syzygien 
ist um 4 h schon H-W. am 1leider, während im Vliestrom die Fiuth erst auf 
kommt. Ferner ßnden wir für die Entfernung Helder—Statoren 40 km mit 
Hafenzeitdifferenz von 123 Min., v — 5,4 m per 1 Sek.; für Helder—Harlingen 
48km, welche in 133 Min. durchlaufen werden, v — 6m per 1 Sek. Beide 
Geschwindigkeiten stimmen hinreichend mit der theoretisch berechneten von 
6,2 m per 1 Sek. für 4 m Tiefe überein. 
In Bezug auf dio Richtung der Fortpflanzung der F luth welle in der 
Zuidersee selbst kann kein Zweifel bestehen. Zwischen Statoren und Enkhuizen 
cinkommend, theilt sie sich in zwei Theile; der eine biegt zwischen Enkhuizer- 
sancl und Urk nach Süden um, der andere läuft nordwärts an Urk und Shokland 
vorbei. In Wirklichkeit ßnden wir auf den Entfernungen Statoren—Kraggen 
burg, Enkhuizen—Nykerk, Enkhuizen—JDurgerdam Geschwindigkeiten von 4,3 m 
per 1 Sek., während für eine mittlere Tiefe von 2)» v = 4,4 ta per 1 Sek. wird. 
Eine Erklärung für die verwickelte horizontale Wässerbewegung längs 
der niederländischen Küste kann an der Hand der Theorie in Verbindung mit 
den Beobachtungen in grofsen Umrissen auch gegeben werden. Zuvor sei darauf 
hingewiesen, dafs dio Gezeiten durch eine periodische Wellenbewegung des 
Secwasaors verursacht werden, welch© sich durch Mittheiluug der Bewegung 
fortpflanzt. Bei dieser Fortpflanzung erleiden die Wasserthcilchen selbst eine 
Versetzung, welche als Gezeitströmung und Höbeusehwankuug wahrgenommen 
wird. Die Gezeitströmung steht jedoch in keinem Verband mit dem Ge 
fälle der Oberfläche. In dem am meisten vorkommenden Falle bewegen 
sich die Wasser theile mit Fluthatrom in der einen und mit Ebbestrom in der 
entgegengesetzten Richtung. Nachdem der Maximalwert}! erreicht ist, nimmt 
der Fluthstrom langsam ab und wird Null: der Strom kentert und es entwickelt 
sich der Ebbestrom. In diesem Falle ist die Gezeitströmung eine hin- «ud zu- 
rückgeheude, wie es die Regel an dor festen holländischen Küste zu sein scheint. 
Südlich vom lloek van Holland und nördlich vom Helder tritt jedoch nie 
Strom Stillstand ein. Beim Abnehmen des Ebbestromes und heim Aufkommen 
des Fluthstromes und umgekehrt dreht sich der Strom den Kompafs herum, 
wobei sich danu noch einzelne Eigenthiimlielikeiten zeigen können. Bevor wir 
zur Erklärung dieser Rotationsströmungen übergehen, müssen wir feststcllen, 
welcho Ursachen im Allgemeinen das Drehen der Strömungen her vorrufen können. 
Drehende Strömungen entstehen: 
1, Wenn eine Wassermasse gleichzeitig unter dem Eiuflnfs erstens einer 
rechtwinkoligen Seeatrömuog und zweitens einer hin- und zurückgehenden Ge 
zeitströmung steht. 
2. Wenn zwei Gezeitwellen von verschiedener Periode einander unter 
einem Winkel kreuzen (Plocq, Ann. des Ponts & Chaussées 1865).
	        
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