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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Pi« Gezeiten längs der niederländischen Küste, 
De Ztridersee, S. 138, 1849) als топ neueren (Oomoy; Etude pratique des 
marées fluviales, pag. 310 und H. Bernelot Moens und R, P. J, Tute in 
Nolthenius, Bericht über die Beobachtungen in der Nordsee 1880—82) -wurden 
Untersuchungen in diesem Sinne an gestellt. 
Tliomsons harmonische Analyse allein vermag über diese Eigenthüm- 
licbkeiten eine genügende Erklärung m geben, Diese Rechcnweise geht nämlich 
von der Annahme aus, dafs die Gezeitkurve für gewisse Plätze durch Synthese 
verschiedener Wellenbewegungen erhalten werden bann. Die Untersuchung der 
Beobachtungen folgt der umgekehrten Riebtüßg: durch Analyse die zusammen- 
zusetzenden Kurven zu finden. Diese Annahme verliert indessen ihre Gültigkeit, 
wenn die Amplitude der Wellenbewegung im Verhliltnifs zur Wassortiere sehr 
gro'.'s ist. Dann kommen die von Sir William Thomson selbst entdeckten 
zusammengesetzten Tiden zum Vorschein und nach diesen die ebenfalls von ihm 
angegebenen Neben-Tiden, deren Perioden erheblich von denen der primären 
Wellenbewegungen abweichen. Jedoch aufser diesen ist noch eine andere Ur 
sache möglich. 
Wellenbewegungen in See, welche unmittelbar durch die Anziehungskraft 
der Himmelskörper hervorgerufen werden, tragen den Namen „Gezwungene 
Wellen“. DieWassertheile befinden sich in öscillirendcr Bewegung und empfangen 
stets neue Impulse von den Himmelskörpern. Wird indessen eine solche 
Wellenbewegung durch Bänke oder Küstenform in ihrem Laufe behindert, so 
pflanzt sie sich hinter diesen Hindernissen wohl noch weiter fort, ist jedoch in 
der Hauptsache der direkten Einwirkung der Himmelskörper entzogen und sich 
selbst überlassen : es ist eine freie Welle. Die Bewegung der Gezeiten längs 
der holländischen Küste ist in der Hauptsache die Folge einer freien Welle. 
Wie schon gesagt, kommen auf untiefem Wasser noch aufserdem zusammen 
gesetzte und Neben-Tiden hinzu, wenn den Produkten der primären Wellen 
bewegungen Rechnung getragen wird. 
Aufser dieser oscillirenden Bewegung (ondes d’osciliation) besteht noch 
eine andere (ondes de translation, waves of translation). Diese Wellenbewegung, 
durch Scott Russell entdeckt {Rep. ßrit. Ass. 1884) wird durch einen allein 
stehenden Wellenberg, ohne vorhergehendes noch folgendes Wellenthal, gebildet. 
Eine solche Welle: solitary wave of translation, entsteht vor dem Bug 
eines in Bewegung befindlichen Schiffes, kann auch durch Hinzefügen einer ge 
wissen Wassermasse entstehen. Letzteres findet nun in den niederländischen 
Btrommüudungen und in der ZvAdersee statt. Bei dem Steigen des Seespiegels 
wird nicht allein der AbJlnft aus dem Strom behindert, sondern zugleich eine 
kleine Masse Seewasser nach binnen gedrängt. 1 ) 
Innerhalb der Seegatten sind somit die Gezeiten zwei verschiedenen 
Arten von Wellenbewegungen zuzuschreiben: den Oscillation- und Translation- 
Wellen. Letztere bewegen sieh mit einer Geschwindigkeit v = ]/ g (H -j- h) 
worin H die ursprüngliche Wassertiefe und h die Wellenhöhe bezeichnet. In 
Wirklichkeit erfolgt nun der Wassemblais in dem Seegatt unaufhörlich und ent 
steht somit nur eine Translation-Welle; es ist indessen möglich, dafs lokale 
I) Eine „solitary wäre“, wie sie von Russell beobachtet wnrdo, kann ¡¡war durch Hinsu- 
fiiguug von einerWasaermaise entstehen, aber sie miifs dies nicht, und es wird meistens eine oder 
vielmehr eine. Reihe von gewöhnlichen freien Wellen dadurch hervorgebvBcbt werden. Die iraef- 
lülsliehe Bedingung für die Möglichkeit der Entstellung einer „solitary wave of translation“ ist 
aber die, dafs die Zuführung des Wassers momentan erfolgt. Es ist daher sehr uiiwahrseheiulicb, 
dafs der Afeflöft des WäSSfciS nds der Zuidenei eine solche Welle erzeugen sollte, die überdies auch 
mit der Fhithwelle. gar nichts zu tlrara haben würde, sondern sieh nicht raifc der der Tiefe entsprechenden 
sondern mit der ihrer eigenen Länge entsprechenden Geschwindigkeit fortbewegen wurde, denn diese 
letztere ist im Vergleich zur Tiefe des Wassers nicht erheblich, und cs tritt dahier die für diesen 
Kall 
geltende 
Formel v 
worin Í s= Länge der Welle, in Kraft. 
Auf jeden Fall kann 
diese Länge der Welle, auch wenn sie im Vergleich in der Tiefe grofs sein würde, niemals einen 
Vergleich mit der Länge der Fluthwelle aushalten. Letztere hat hei 4 Rufs engl. Tiefe = 1,3 m eine 
Länge von ca IGO km, bei 3 m Tiefe eine solch* von 230 km. Hieraus folgt, dafs die Geschwindig 
keit und daher auch die Periode; einer durch plötzliche Hinzufügung von Wasser erzeugten Welle 
erheblich hinter der Geschwindigkeit resp. Periode der Fluthwelle (12* 1 2B* 11 ) Zurückbleiben rnufä. 
Riehe hierüber und speeieJl über die söge». solitary wäre von Scott Russell: Airy, TMcs 
and waves Art 226 ff.
	        
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