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Ann. d. Hydr. etc., XVII. Jalirg. (1889), Heft VIII.
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Die Gezeiten längs der niederländischen Küste. 1 )
Von A. von Ilorn.
Es ist allgemein bekannt, dafs es noch nicht gelungen ist, auf einiger-
mafsen sichere Weise im Voraus die Zeitpunkte von Hoch- und Niedrigwasser
für die niederländischen Küsten platze zu berechnen. So heifst es in dem
officiellon „Bericht über die in den Jahren 1880 und 1882 angestellten Beob
achtungen über den Lauf, die Geschwindigkeit etc. der Strömungen in der Nord
see längs der niederländischen Küste von H. Bernelot Moens und Noithenius“ a ):
„bis jetzt ist man noch nicht so weit gekommen — wenigstens für die nieder
ländischen Küstenplätze — mit hinreichender Genauigkeit diese Zeit
punkte (von Hoch- und Niedrigwasser) zu berechnen.“
An Versuchen, zu einem guten Resultat zu gelangou, scheint es nicht
gefehlt zu haben. Allerdings werden in vielen AlmaDaehen die Zeitpunkte von
1Ì-W. und N-W. im Voraus aufgcgeben. Dìo Ucbereinstimmung zwischen Be
rechnung und Wahrnehmung ist meistens höchst unvollkommen. In richtiger
Erkenntnifs dieser Thatsache wird seit einigen Jahren für das Taschenbuch des
Königlichen Instituts der Ingenieure in den Niederlanden die belgische Methode
befolgt, welche darin besteht, dafs für H-W.-Zeit zu Vlissingen die H-W.-Zeit zu
London Bridge aus dem „Nautical Almanae“ um eine konstante Zahl verringert
wird. Gleichwohl sagt Herr F. van Ryssclbergho, Mcteorolog des Obser
vatoriums zu Brüssel, darüber: „J’ajoute qu’en 1878 l’époque observée de mer
haute s’écartait parfois de plus d’une heure, même en l’abscuce de vents forts,
de l’instant obtenu par la méthode généralement en «sage parmi nos marins
et qui consiste à ajouter une quantité constante aux heures de marée haute
calculées pour London Bridge.“
Ohne unsere Zuflucht zu der harmonischen Analyse zu nehmen, wird
aus dem Folgenden hervorgehen, dafs auf einem einfachen Wege aus den Beob
achtungen selbst die Zeitpunkte von H-W. und N-W. mit hinreichender Genauig
keit berechnet werden können. Die befolgte Methode ist diejenige, welche von
Daniel Bernouilli angegeben ist, unter Berücksichtigung der bereits an
anderen Hafenplätzen gemachten Erfahrung.
Die Untersuchung gründet sich auf die „12 Tabellon der Wasserhöhen
nach den selbstregistrirenden Fluthmessern während dos Jahres 1887“ und ist
zunächst für die Zeitpunkte von H-W. und N-W. für Vlissingen ausgeführt.
Dabei ist zu bemerken, dais die aufgogebenon Zeiten auf 5 Minuten abgerundet
sind, infolge dessen keine sehr grofse Genauigkeit den hier abgeleiteten Kon
stanten zuzuschreiben ist.
Zunächst sind alle in Vlissingen beobachteten Gezeiten in zwölf Gruppen
geordnet. Jede Gruppe enthält die zwischen zwei auf einander folgende Stunden
der Mondkulmiuatiou fallenden H-W.- und N-W.-Zeiten und -Höhen, deshalb ist
jedes H-W. und das darauf folgende N-W. mit dem Zeitpunkt in wahrer Zeit
der unmittelbar vorhergegangenen Mondkulmination zusammengestellt. Wegen
des geringen Längenuntorschiedes Vlissingen- Greemvich, + 14 m , und des in der
q Nach «Jen Ausführungen von E. Bngelenbürg in „de ingénieur“ No. 5 und 9 Jahrg. 1889
über: „Getijberekening voor Vlissingen“ und „De getijen längs de NederJandsche Kust“.
3) Verslag over de wanvnemingen in de Noordzco omtrent de stroomen Jangs de Neder-
landsche Kost in de jaren 1S8Q—81, verricht door R. 1*. J. Totein Noithenius en H. Bernelot Moens.