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Kleine Notizen.
Häuser der Niederlassung und die niedrige Landzunge, welche die Westseite
des Hafens bildet, in Sicht. Auf dieser Landzunge steht eine kleine Bake, eine
dünne Stange mit Ball, welche weder in den Karten verzeichnet, noch in den
Segelanweisungen angegeben ist. Auf das von S. M. Kr. „Habicht“ gebeifste
Lootsensignal kam ein älterer Fischer an Bord, der dort die Häuser der ehe
maligen englischen Fischerei-Gesellschaft verwaltet, und brachte den Kreuzer
in den Hafen. Ohne Lootsen einzulaufen, ist nicht gerathon. Die Landzunge,
welche sich beständig verändert, hat sich beträchtlich nach Osten vorgeschoben,
so dafs die Bake jetzt schon ziemlich weit vom Ende derselben steht, und die
Einfahrt sich bis auf 2 und 3 Kabellängen verengt hat, in derselben sind 10 m
Wasser. Nach Aussage des Lootsen, der die Bake selbst errichtet und schon
einmal versetzt hat, häuft sieh jetzt der Sand nach See zu an die Landzunge
an, so dafs dieselbe nun nach dieser Richtung hin fortsehreitet und eine weitere
Verengung der Einfahrt nicht zu befürchten ist. Im Hafen liegt man gut, und
soll derselbe stets sicher sein. Die Wassertiefen ändern beständig; in die
Lagune, an deren südlichstem Rande die Niederlassung der deutsch-west-
afrikaoisefaen Gesellschaft liegt, führt nur eine ganz schmale Rinne für Boote.
Die Niederlassung besteht aus einigen primitiven Wohnhäusern, dem Schlaeht-
hanse, Kühlhause, dem Pökelhause und einem eisernen Thurm (zur Herstellung
von Rauchfleisch).
Verborgene Gefahren existiren vor dem Hafen nicht, die Wässertiefen
nehmen langsam und gleichmäfsig ab. Der Betrieb und Export der englischen
Fischerei ist augenblicklich ganz eingestellt.
2. Bemerkungen über Walfisch-Bai. 1 ) Nach dem Berichte S. M. S.
„Carola“, Kommandant Korv.-Kapt. v. Raven. Bei dor Ansegelung von Walfisch-
Bai am Morgen «narkii te sieh der Kirchthurm des Ortes sowohl, als die auf
der Spitze Pelican stehende Bake gut; die grofsen sich auf der Spitze aufhaltenden
Vogelschaaren erschweren jedoch auf weitere Entfernungen das Erkennen der
letzteren. Die Tiefen nehmen in der Bucht recht gleichmäfsig ab, der aus
Schlick bestehende Ankergrund ist überall ein recht guter.
Die Bai ist zu Gewehr- und Geschützschiefsübuogen von Bord geeignet,
zum Torpedoschiefseu nur in ihrem Eingänge, im inneren Theile sind die
Wassertiefen hierfür zu gering. Nach Aussage der dortigen Einwohner kommen
daselbst Haifische bis dicht an den Strand vor, welche nächst dem kalten
Wasser —-■ die Temperatur schwankte zwischen 12,6° und 17,2° C. — das
Baden daselbst verbieten.
Das dortige Klima ist sehr gesund; im Besonderen kömmt Malaria nicht vor
und ist der Platz vielmehr als Heilstätte für diese Krankheit sehr zu empfehlen.
Die Temperatur war so niedrig, dafs die Mannschaften blaues Zeug mit dickem
Unterzeug trugen. Die niedrige Temperatur ist gröfstenthoils den vor
herrschenden südwestlichen Winden znzüschreiben. Morgens ist es gewöhnlich
still oder flau und nebelig; gegen Mittag und am Nachmittag frischen die
Winde auf, wirbeln an Land viel Staub auf und erregen auf dor Rhode eine
den Bootsverkehr erschwerende See.
Für die Verpflegung der Besatzung ist frisches Rind- und Hammelfleisch
jeder Zeit zu billigen Preisen von den Ansiedlern zu bekommen. Die Bucht
ist ferner reich an verschiedenen Arten wohlschmeckender Fische. Frischo
Gemüse sind an Land nicht zu haben, Trinkwasser nur in geringen Mengen.
3. Die Reise von Walfisch-Bai nach Kapstadt hat S. M. Kr.
„Habicht“ in diesem Jahre, im Februar, an dor Küste entlang dampfend zurück
gelegt, anstatt wie in früheren Jahren unter Segel mit Benutzung des Südost
passats auf grofsem Umwege. Die Reise unter Dampf dauerte in diesem Jahre
5 ’A Tage gegen 19 Tage im Jahre 1888 und 15 ! /s Tage im Jahre 1887. Die
in den Segelanweisungen enthaltenen Bemerkungen über die Windverhältnisse,
die auftretenden Nebel, die Schwierigkeit, bestimmte Punkte am Lande auszu
machen und die Täuschung, welcher man beim Schätzen seiner Entfernung vom
Lande unterworfen ist, fand der Kommandant, Korv.-Kapt. Rittmeyer, völlig
bestätigt. Nach seinem Berichte markirt sich das Land bei verhältnifsmäfsig
1) Vergt. Annalen 1888, S. 368.
„Africa Pilot“ Part II, 1884, S. 208.