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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Sommer 1885.
•westlicheren Stellung den Aequator östlicher schnitt, als „Patagonia“. Die
Reisen von „./. H. Lübken“ und „Spéculant“ verliefen, nachdem östlicher Wind
an die Stelle des in der Nähe der Kanalmündung herrschenden leichten Süd
westwindes getreten war, unter ähnlichen Verhältnissen, wie sie die drei vor
erwähnten Mitsegler gefunden hatten. Da die Segelfähigkeit jener Schiffe
indessen eine verhäUnifstnäfsig geringe war, nahm die Vollendung ihrer Reisen
auch eine längere Zeit in Anspruch.
Etwa um die Mitte des Juni verlicfseu „Niagara* und „Johanna 1 ' 1 den
Kanal. Das erstere, ein eisernes Schiff, that es am 16. Juni, das zweite, ein
sehr schnell segelndes hölzernes Sehiff, am 17. Juni. Da sich damals, wie aus
Karte III ersichtlich, der nordöstliche Ausläufer des Hochdruckgebietes nach
Süden verschoben hatte, fanden diese beiden Schiffe im offenen Océan zunächst
längere Zeit anhaltende Westwinde. Erst als sie weiter nach Süden vorgerückt
waren, nahmen die Winde unter dem Einflüsse des Hochdruckgebietes, an
dessen Ostseite die Schiffe gelangten, eine nördliche und schliefslich eine nord
östliche Richtung an. Der Passat stellte sich bei „Niagara“ in 33,6° N-Br und
18,3° W-Lg am 26. Juni, bei „Johanna“ in 32,6° N-Br und 20,2° W-Lg am
28. Juni ein. Derselbe hielt an, bis er das erstere Schiff bis zum 5. Juli nach
11,1° N-Br in 25,5° W-Lg und das letztere bis zum 6. Juli nach 12,3° N-Br
in 25,7° W-Lg geführt hatte. Beide Schiffe fanden hierauf erst nach längerer
Zeit der Mallung den später nur unbeständig wehenden Südwestmonsun. Als
östlichsten Punkt erreichte „Niagara“ 6,3° N-Br in 23° W-Lg am 12. Juli,
„Johanna“ 5,1° N-Br in 17,2° W-Lg am 14. Juli. Auf dem von hier aus noch
vorliegenden Reiseabschnitt scheint aber „Johanna“ entweder viel günstigere
Verhältnisse als der Mitsegler au getroffen zu haben, oder ihre gröfsere Segel
fähigkeit machte sich hier, wo mit frischer Briese beim Winde gesegelt werden
inufste, am meisten geltend. Sie erreichte die Linie in 23° W-Lg nur 4 Stunden
später, als „Niagara“ es in 30,2° W-Lg gethan hatte. Letzteres Schiff konnte
trotz seines für diese Jahreszeit unerwünscht weit westlichen Schnittpunktes,
später die brasilianische Küste wohl auf einem Buge klaren, verlor jedoch
dabei dermafseu, dafs, als es sich am 24. Juli Mittags in 12,4°' S-Br und
35,4° W-Lg befand, „Johanna K schon 16,7° S-Br in 28,7° W-Lg erreicht hatte.
Die folgende Gruppe von Schiffen, aus „Le-rnka“, „Caroline Behn„Amanda Sf
Elisabeth“ und „Polynesia“ bestehend, trat Ende Juni und zu Anfang Juli ihre
Reise an. Die ersteren drei verliefseo den Kanal bei nordöstlichem Winde
und trafen auf ihrem Wege nach Süden auch zunächst fast gar keinen Gegen
wind an. Als jedoch „Polynesia“ den Kanal verliefs, hatte sich die bis dahin
günstige Lage des Hochdruckgebietes verändert, indem sich dasselbe nunmehr
weit in Europa hinein erstreckte, wodurch vor dem Kanal, anstatt der früher
herrschenden Nordostwände Westwind verursacht wurde. (Siehe Karte IV.)
Es dauerte infolge dessen verhältnifsmäfsig lange, bevor „Polynesia“ 30° N-Br
erreichen konnte. Alle Schiffe trafen später einen rnäfsig starken Passat an,
wurden südlich von dessem Gebiet aber ziemlich lange durch Mallung und
Stille aufgehalten. Südwestmonsun von geringer Stärke und Beständigkeit
herrschte südlich von 8,5° N-Br. Als östlichsten Punkt erreichte „Levuka“ am
24. Juli 3,8° N-Br in 17,2° W-Lg, „Caroline Behn“ am 23. Juli 4,2° N-Br in
16,9° W-Lg, „Amanda fy Elisabeth“ am 25. Juli 3,8° N-Br in 16,8° W-Lg und
„Polynesia“ am 4. August 4,0° N-Br in 20,8° W-Lg.
Eine fernere Gruppe der von Nordeuropa kommenden Schiffe umfafst
„Anna Thormann„Louise“, „G. R. Bishop“ und „Gustav Adolph“. Diese
begännen ihre Fahrten in der Zeit zwischen dem 10. und 20. Juli, während
welcher, infolge der Lage des Hochdruckgebietes der Karte V, vor dem Kanal
leichte westliche Winde herrschten. Die Schiffe trafen, als sie bei denselben
eine Strecke nach Süden hin vorgerückt waren, zwar bald den an der Südost
seite jenes: Gebietes herrschenden Nordostwind, doch war derselbe nicht sehr
beständig, wurde bei „Gustav Adolph“ auch noch wieder von Westwinden
unterbrochen. Alle Schiffe wurden dagegen von ziemlich frischem Passate be
günstigt. Bei demselben steuerte „C. R. Bishop“ einen Ost von den Kap
Verden nach Süden führenden Kurs, während die übrigen Mitsegler die westliche
Route einhielten. Derselbe gewann dabei gegen „Anna Thormann“ und „Louise“,
was indessen ebenso sehr ein Erfolg seiner greiseren Segelfähigkeit als der