accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Vierteljabrs-Wetter-Kundschau der Deutschen Seewm'te, Sommer 1885. 
257 
5 den östlich von diesen Inseln nach Süden fahrenden Weg wählten. Drei 
Schiffe hatten als Abgangsort einen »ordamerikanischen Hafen, zwei kamen aus 
dem Mittehneere, die übrigen hatten den Norden Europas verlassen. Der 
Mittelwerth der Reisen jener Schiffe, die sich West von den Kap Verden 
hielten, war 33 Tage; dagegen gebrauchten die östlich gehenden Schiffe 30 Tage 
für ihre Reise. Die beiden von New-York kommenden Schiffe benöthigten im 
Durchschnitt 41, die zwei Mittclmeerschiffe 23 Tage. Unter den von Europa 
aus begonnenen Reisen ragt die 49 Tage in Anspruch nehmende des „Ober 
bürgermeister von Winter* durch ihre ungewöhnliche Länge hervor; doch war 
diese wohl gröfstentheils durch die Langsamkeit des Schiffes verursacht. Die 
kürzeste Fahrt von 22 Tagen führte der sehr segeltüchtige „Parnass* aus. 
In der ersten Hälfte des Juni traten II. Lübken„Speculant 
„J. W. Gildemeister*, „Parnass* und „Patagonia* ihre Reisen vom Kanal zur 
Linie an. Von diesen trafen es die beiden erstereu Schiffe anfänglich nur 
schlecht. Das Hochdruckgebiet des Oceans, welches damals nach Karte I nur 
klein und weit nach Süden zurückgezogen war, übte keine günstige Wirkung 
auf die vorm Kanäle, herrschenden Winde aus. Erst nachdem sich jenes Gebiet 
nach dem 7. Juni weit nach Nordosten hin ausgedehnt und dort die für dieses 
Vierteljahr so bezeichnende Form angenommen hatte, traten an die Stelle der 
leichten Gegenwinde frischere Nordostwinde. (Siehe Karte II.) Bei diesen 
verliefsen die drei letzteren Schiffe der Gruppe den Kanal, die sich infolge 
gröfserer Schnelligkeit, dann bald den vorerwähnten beiden Mitseglern näherten. 
„Parnass“ und „Patagonia* blieben, obgleich sehr wahrscheinlich nicht lang 
samer segelnd als der Mitsegler W. Gildemeistergegen diesen anfänglich 
zurück. Am 10. Juni Mittags hatte sich das letzter© Schiff in 48,3° N-Br und 
6,6® W-Lg, „Parnass 8 in 49,8® N-Br und 4,7° W-Lg und „Patagonia* in 50,3° N-Br 
und 4,6° W-Lg befunden; dann fanden die letzteren beide» nur solch schwachen 
Nordostwind, dafs sie in 3 Eimalen, das. erste nur nach 46,5° N-Br in 11,5° W-Lg, 
das zweite nach 44,7° N-Br in 10,7° W-Lg vorrücken konnten, während 
„J. 1F. Gildemeister“ atu Mittage des 13. Juni schon in 40,7° N-Br und 12,1° W-Lg 
stand. Nach dieser Zeit erzielten jedoch alle drei Schiffe einen befriedigenden 
Fortgang. Der am 15. und 16. Juni durch. N nach NW gedrehte Wind kehrte 
bald wieder zum nordöstlichen Viertel zurück und wurde Passat. Bei diesem 
schlugen „J. W. Gildemmter* und „Patagonia* den Ost von deu Kap Verden 
nach Süden führenden Weg ein, während „Parnass 14 sich westlicher hielt. Die 
Schiffe rückten bis zum 23. Juni Mittags vor: „J. W. Gildemeister“ nach 
14,8° N-Br in 21,5° W-Lg, „Parnass* nach 20° N-Br in 26,2° W-Lg, „Pata 
gonia* nach 19,6° N-Br in 12,4° W-Lg. Der Passat drehte während der 
nächsten Tage bei den östlich stehenden Schiffen nach N und veränderte sich, 
indem er schwach wurde, weiter durch N nach NW. Es ist deswegen die 
südliche Grenze des Passatgebietes hier kaum erkennbar. Südwestlich wurde 
die Windrichtung bei „J. W. Gildenmster* am 27. Juni iu etwa 8,5° N-Br und 
21° W-Lg und bei „Patagonia“ in 8,5° N-Br und 22,8° W-Lg am 28. Juni. Der 
Mitsegler „Parnass* wurde dagegen fast bis nach 7° N-Br in 25,2° W-Lg vom 
frischen Passat begleitet. Als dieser Wind dort am 28. Juni in Stille endete, 
folgte nach wenigen Stunde.» ein schwacher, unbeständiger Südwestwind. 
„Parnass“ segelte darauf, ebenso wie die beiden von keinem besseren Monsune 
begünstigten Mitsegler, mit Steuerbordhalsen. Frühmorgens am 1. Juli wendeten 
alle drei Schiffe: der W, Gildemeisur* um 0 Uhr in 4,6° N-Br und 
18° W-Lg, „Parnass* zwei Stunden später in 4,5° N-Br und 21,5° W-Lg, und 
wieder zwei Stunden später, also um 4 Uhr Morgens, „ Patagonia“ iu 5,2° N-Br 
und 20,5° W-Lg. Kurze Zeit nach dem Wenden stellte sieh bei allen Mit- 
seglern frischer Südostpässat ein. Bei diesem hielt „Parnass*, vielleicht weil 
der Wind auf der westlicheren Route raumer wehte, oder auch weil von den 
anderen Schiffen zu voll wcggehalteo Würde, einen erheblich südlicheren Kurs 
ein als seine Mitsegler nnd erreichte, hauptsächlich wohl dadurch, den Aequator 
fast einen Tag früher. „J. W. Gildemeister* ging um 10 Uhr Morgens des 
3. Juli in 22,4° W-Lg von nördlicher in südliche Breite über, fast genau zur 
selben Zeit that dies „Patagonia* in 25,5° W-Lg, während „Parnass* schon um 
2 Uhr Nachmittags des 2. Juli in 24,7° W-Lg den Aequator passirt hatte. Auf 
fallend erscheint hier die Thatsache, dafs „Parnass“ trotz seiner anfänglich 
Am. cL Hydr. etc,, 1889, Heft VI. 5
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.