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Vìertéljahrs-Wetter-Kuiidsehau der Deutschen Soewsrte, Sommer 1885.
Zeit haben zurückgelegt werden können, wenn eine etwas höhere Breite zum
Gutmachen der Länge aufgesuekt worden wäre.
Zu den Schiffen, welche ihre Reisen im Juli begannen, „Hedwig
„Republik“ und „Johann Kepler“, ist auch die vom Golf von Mexiko her-
kommende „Marie“ zu rechnen, denn auch diese legte den gröfsten Theil des
Weges über den Oeean im Juli zurück. Vöü ihnen gebrauchte die zur Nord-
spitze Schottlands segelnde „Republik“ die längste Zeit für ihre Reise. Das
Schiff wurde gleich nach dem 'Verlassen des Hafens vier Tage laug durch ganz
flaue Ostwinde und Stillen zurückgehalten und traf auch im weiteren Verlaufe
der Reise noch wiederholt schwache Gegenwinde an. Auf dem letzten west
lich von 20° W-Lg liegenden Reiseabschnitt hatte „Republik“ sogar an mehreren
Tagen stürmische Ostwände zu bekämpfen. Als man sich am 9. August bei
5(3,5° N-Br und 19° W-Lg befand und dort durch Sturm aus NNE zurück-
gehalten wurde, konnte der gleichzeitig in 48° N-Br und 22° W-Lg stehende
Mitscgler „Johann Kepler“ bei stürmischem Nordwestwinde einen sehr be*
friedigenden Fortgang erzielen. Die zwei Schiffe befanden sieh damals in ver
schiedenen Vierteln eines und desselben Niederdruckgebietes, welches sich auf
gekrümmter Bahn nordostwärts zur Nordspitze von Schottland bewegte. (Siehe
Karte VIII.) Die Brigg „Mark“, welche während ihrer Fahrt über den Oeean
bis dahin meist schwache, umlaufende Winde gefunden hatte, befand sich am
9. August in 50° N-Br und 15° W-Lg ebenfalls im Bereiche jenes Niederdruck-
S ebietes, doch wurde von ihr keine gröfsero Stärke des aus uordwestlicher
ichtung wehenden Windes als 7 beobachtet. „Hedwig“, die während der
ersten Tage ihrer Reise durch leisen südöstlichen Zug zurüekgehalten worden
war, wurde später für längere Zeit von frischem, südwestlichem Winde be
günstigt. Letzterer war eine Folge der Lagerung des Hochdruckgebietes, wie
sie Karte V zeigt. Bei demselben konnte das Schiff den Oeean iu rascher
Fahrt überschreiten. Als es sieh aber am 25. Juli in der Nähe von 48° N-Br
und 17° W-Lg befand, veränderte sich der schwach gewordene Wind durch
S naeh SE, um sich dann für 10 Tage im westlichen Halbkreise zu halten.
Man befand sich damals an der Südostseite eines neuen, nach Nordost gerich
teten und sich in ganz hoho Breiten erstreckenden Ansläufers des Hochdruck
gebietes mittlerer' Breiten. (Siehe Karte VII.) Erst nachdem sich diese für
dieses Vierteljahr so bezeichnende Lagerung verändert hatte, trat an die Stelle
des Ostwindes ein günstiger Westwind.
Die günstigste Reise von allen legte das letzte Schiff der Liste, die von
Philadelphia zum Mittelmeer bestimmte „Helene“ zurück. Als dieses Schiff am
12. August den Hafen voriiefs, hatten sich die seit längerer Zeit nur geringen
Schwankungen unterworfenen Verhältnisse des grofsen Hochdruckgebietes gänz
lich verändert. Dasselbe war nun auf einen geringen Umfang zusammen-
geschrumpft und hatte sich in zwei Theile getbcilt, deren einer sich nach Süd
westen zurückgezogen hatte, während der andere Westeuropa tbeilweise bedeckte.
Die frischen südwestlichen Winde, welche an der Nordseite des westlichen
Tkeiles herrschten, kamen dem Fortgange der „Helene“ von Anfang der Reise
zu statten. Als der Wind sich später östlich von 50° W-Lg nach Nord veränderte,
konnte auch noch für mehrere Tage ein recht guter Fortgang erzielt werden.
Unweit von 39° W-Lg wurde die Fahrt durch ganz leisen östlichen Zug gestört
Nach kurzem Aufenthalte wurde das Schiff jedoch wieder mehrere Etmale hin
durch von frischen Westwinden begünstigt, die durch jenes sich in ver
schlungener Bahn naeh Osten bewegende Niederdruckgebiet der Karte IX
hervorgerufen wurden, und dann setzte östlich von 20° W-Lg ein frischer be
ständiger Nord nordostwind ein, mit welchem man in rascher Fahrt nach Osten
hin verrücken konnte. Am 1, September, nur 20 Tage später, als der Delaware-
flufs verlassen worden war, gelangte „Helene“ in die Nähe der Strafse von
Gibraltar. Dort verursachte heftiger Ostwind jedoch noch eine Verzögerung
von zwei Tagen. Erst am 3. September konnte die Strafse durchsegelt werden.
3. Reisen von Nord nach Süd.
Unter den 26 Fahrten zum Aerjttätor, welche von für die Seewarte
beobachtenden Schiffen während des Sommers 1885 ausgoführfc wurden, befinden
sieh 16 ; welche der westlich der Kap Verden liegenden Route folgten, während