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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Vierteljahrs- Wetter-Rundschau der Deutschen Seewürfe, Sommer 1885- 
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vom Kanal nach Baltimore, von »Sirius“ in 32 Tagen zurückgelegt wurde. 
Die längste war die der „Maryland“, welche 62 Tage gebrauchte, um von Fair 
Island ab die Mündung de)- Chesapeake Bai zu erreichen. Auffallend war über 
haupt die lange Dauer derjenigen Reisen, welche vom Norden Schottlands aus 
begonnen wurden. Die sieben, bei denen dieses der Fall war, erreichten im 
Mittel erst 50 Tage nach der Abfahrt von Fair Island ihren Bestimmungshafen, 
während die Schiffe, welche vom Kanäle aus den Atlantik betraten, nur durch 
schnittlich 38 Tage zur Fahrt über den Ocean gebrauchten. Die Verzögerungen 
jener Reisen fanden in den meisten Fällen auf dem östlichsten Reiseabschnitt 
statt und waren eine Folge der später weiter zu besprechenden ungewöhnlichen 
Form und Ausdehnung des grofson Hochdruckgebietes mittlerer Breite. 
»Felix Mendelssohn“ und »Castine“, die beiden ersten Schiffe der Liste, 
gehörten zu jenen, welche den im Sommer ja ganz empfehlenswertheu Weg 
Nord «in Schottland nahmen. Der Führer des ersteren Schiffes war durch in 
der Nordsee angetroffene südwestliche Winde zum Einschlagen dieser Route 
bewogen worden, während „Castine 1 “ dieselbe erwählte, obgleich der südöstliche 
Wind auch das: Einhalten eines Kanalkurscs ermöglicht haben würde. Beide 
Schiffe gelangten erst sechs Tage später, als die Elbe bezw. Weser verlassen 
worden war, in Sicht von Fair Island. Von hier ab fand »Felix Mendelssohn“ 
anfänglich eine recht günstige Gelegenheit. Er konnte bei dom aus östlicher 
Richtung vorherrschenden, theils stürmisch auftretenden Winde bis zum I. Juni, 
dem Tage, an welchem sich Mittags der Mitsegler „Castine“ in 57° N-Br und 
16,2° W-Lg befand, nach 49,8° N-Br in 32,8° W-Lg vorrücken. Auch während 
der ersten Woche im Juni wurde jenes Schiff gegen dieses von den angetroffenen 
Winden begünstigt. Es bewegten sich während dieser Zeit, wie Karte I es 
zeigt, zwei Niederdruckgebiete im nördlichen Theile des Oceans nach östlicher 
und nordöstlicher Richtung, von denen das nördlichere noch nördlich von 
„Castine“, das südlicher gelegene aber südlich vom „Felix Mendelssohn“ passirte. 
Bei jenem Schiffe herrschten infolge dessen westliche Winde vor, während 
dieses wiederholt von Ostwinden begünstigt wurde. Nach dem 6. Juni, an 
welchem Tage sich „Felix Mendelssohn“ in 46° N-Br und 41° W-Lg, „Castine“ 
in 55° N-Br und 23° W-Lg befand, veränderten sich die Verhältnisse aber sehr 
zu Ungunsten des ersteren Schiffes. Es war dieses theils eine Folge der ver 
änderten Lago und Gestalt des Hochdruckgebietes mittlerer Breiten, welches, 
weit nach Norden hin ausgedehnt, sich jetzt von der Küste Nordamerikas bis 
zu der Europas erstreckte, besonders aber von lange Zeit anhaltenden stür 
mischen Westwinden, die hervorgerufen wurden durch Niederdruckgebiote, 
welche sieh damals von Neufundland nach Island bewegten. (Siehe Karte II.) 
„Castine“, als weiter östlich stehendes Schiff, wurde von diesen Winden an 
fänglich weniger getroffen. Am 9. und 10. Juni befanden sich jedoch beide 
Mitsegler im südöstlichen Viertel eines und desselben Niederdruckgebiete3, 
dessen heftig stürmende Südwestwinde jede« Fortschritt nach Westen hin 
unmöglich machten. Da auch nach dieser Zeit die herrschenden Winde west 
liche blieben, so konnte, obgleich Stürme zunächst nicht mehr beobachtet 
wurden, für längere Zeit nur ein geringer Fortschritt erzielt werden. Vom 
6. bis zum 14. Juni konnte „Felix Mendelssohn“ sogar nur von 40,8° W-Lg 
nach 42,3^ W-Lg vorrücken. „Casiine“, die wegen der anhaltenden Westwinde 
nach Süden abhielt, um iu der Nähe von 35° N-Br günstigere Winde aufzu 
suchen, konnte vom 10. bis zum 23. Juni nur von 52,8° N-Br in 31,8° W-Lg 
nach 37,3° N-Br in 34° W-Lg gelangen. Die anhaltenden, diese Verzögerung 
verursachenden Westwinde gehörten, wie die Karten II und III zu zeigen 
scheinen, dem nördlichen Rande dos weit polwärts ausgedehnten Hochdruck 
gebietes an. „Felix Mendelssohn a , der später noch wieder wegen leichter West 
winde und Stille in sieben Tagen nur zwei Längengrade hatte gut machen 
können, trotzdem aber auf der direkten Röuto ausharrte, traf nach dem 26. Juni 
zwar häufiger günstigere Winde an, doch waren dieselben meistens nur von 
geringer Stärke und Dauer. Hinderlich war auch die lange Zeit, während 
welcher sich „Felix Mendelssohn“ in der Nähe von Eis befand. Vom 15. bis 
zum 26. Juni wurden fast an jedem Tage Eisberge gesehen. Der Mitsegler 
„Castine“ hatte am 24. Juni bei 36° N-Br in 35,5° W-Lg östliche und südliche, 
in der Westhälfte des Hochdruckgebietes wehende Winde gefunden, bei denen
	        
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