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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Plötzlicher Barometer&ll über Mitteleuropa. 
I)a also sonst eine Aeaderung in der Ausdehnung der Front sich nicht 
mehr bemerkbar macht, unter dieser Annahme aber auch Kaiserslautern von 
dem Phänomen berührt worden sein müfste, wenn die Störung zu Aachen dieser 
Erscheinung angehörte, so mufs dies letztere sehr ängezweifelt werden, und 
zwar um so mehr, als rückwärts auch Borkum nicht in den Bereich der Er 
scheinung fällt. 
Bei Aufsuchung etwaiger begleitender Erscheinungen fällt es auf, dafs 
sonst zur Zeit des Vorüberganges der Störung keine besonderen Witterungs- 
erseheinungen beobachtet wurden und auch die sonstigen Registrirapparate 
keine besonderen Schwankungen aufweisen, ln Hamburg war dies Letztere 
sofort feststellbar, und auf Anfrage bei anderen meteorologischen Instituten 
gingen auch nur verneinende Antworten ein. Unruhiges und stürmisches Wetter 
herrschte am 31. Januar—1. Februar meist über Mitteleuropa infolge der all 
gemeinen Luftdruckvertheilung, aber der Vorübergang der hier besprochenen 
Erscheinung brachte hierin keine Aenderung in irgend welchem Sinne hervor. 
Verfolgt man insbesondere die Registrirungeu zu Hamburg, so zeigt der Thermo 
graph (dies ist auch zu Magdeburg der Fall) einen ganz stetigen Verlauf, der 
registrirendc Regenmesser giebt einen starken Regenfall in der Zeit von 7 h 30 m 
bis 8» 30® p. m. Hamburger Zeit an, und nur der Anemograph verzeichnet ein 
Zurückdrehen des bisher aus WSW wehenden Windes nach SW kurz vor 9 Uhr 
Hamburger Zeit, d. i. während des starken Abfalls, mit schnell folgendem 
Rechtsdrehen wieder nach WSW und dann sehr langsamem Uebergang nach 
WNW. Diese geringe Winddrehung ist alles, was die gewaltige Druckfurche 
zu bewirken vermochte; die Schnelligkeit der Fortbewegung und geringe räum 
liche Tiefe der Erscheinung liefsen augenscheinlich einen stärkeren Einflufs auf 
die sonst der allgemeinen Druekvertheilung entsprechende Luftbewegung nicht zu. 
Die allgemeinen atmosphärischen Vorgänge über Europa vom 31. Januar 
bis zum 1. Februar Morgens stellen sich kurz in folgender Weise dar. Hoher 
Luftdruck mit einem Maximum von etwa 776 mm über Spanien erstreckte sich 
am 31. Januar Morgens über das südliche Europa, während eine tiefe, von 
West nach Ost langgestreckte Depression unter 728 mm sich über dom Meere 
zwischen Island und Norwegen befand, die Isobaren verliefen im Allgemeinen 
von WNW nach ESE. Im Laufe des Tages erfuhr die Längsaxe der Depression 
eine ziemlich schnelle Drehung in einem dem Uhrzeiger entgegengesetzten Sinne, 
unter gleichzeitiger Verschiebung der ganzen Depression nach Osten zu. Dabei 
zeigten sich in derselben zwei Minima des Luftdruckes, von denen das eine am 
Abend mit einer Tiefe von etwa 728 mm im nördlichen Finnland etwas östlich 
von Ule&borg, das andere mit einem niedrigsten Barometerstand von 730 mm 
etwa bei Skagen lag. Die Verbindungslinie dieser beiden Minima giebt die 
nunmehrige Lage der Längsaxe des grofsen Dcprcssionsgebictcs. In Central- 
europa Und hn westlichen Russland nahm der Luftdruck stark ab; im Süd westen 
veränderte sich derselbe sehr wenig, und die Richtung der Isobaren ging somit 
in eine von NW nach SE verlaufende über. 
In der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar veränderte das Minimum 
über Finnland seine Lage nur wenig; das südliche dagegen schritt schnell in 
südöstlicher Richtung über die Südspitze Schwedens und die Ostsee fort, er 
reichte in der Gegend von Pillau die preufsische Küste und lag am 1. Februar 
Morgens etwa zwischen Gumbinnen und Kowno mit nur wenig veränderter 
Tiefe. Die grofse Axe der Gesammtdepressio«, «ach wie vor mit der Ver 
bindungslinie der beiden Minima zusammenfailend, hat demnach ihre Drehung 
beibehalten und eine Lage von NNE nach SSW angenommen. 1 ) 
In Bezug auf die Temperaturverthcilung ist zu bemerken, dafs strenge 
Kälte im Innern Russlands herrschte und dafs die Temperatur in der Richtung 
von Ost nach W r est zunahm; die Isothermen verliefen am 31. Januar von Nord 
1) Leider enthielt das an der Seewarte am 1. Februar eingehende Telegramm aus Wien einen 
unrichtigen; Barometerstand für Lemberg, und fehlten die Beobachtungen für Krakau günzlich, In 
folge dessen stellt der Wetterbericht der Seewarte vom, 1. Februar die Luftdruckvertheilung über 
Westrussland, Galizien und Ungarn nicht ganz zutreffend dar. Zur Berichtigung und Vervollständigung 
des Bildes über den Luftdruck mögen folgende Angaben führ Barometer, auf Mecresniveau reducirt, 
und Wind am 1- Februar Morgens 7 Uhr dienen. Wilna 73.0,6 mm, SE 1, Pinsk 736,1 mm, S 4, 
Krakau 741,5 mm, W 6, Lemberg 739,8 mm, SW 4, Ungvar 746,0 mm, SW 4.
	        
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