Plötzlicher Barometerfall über Mitteleuropa.
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Zur Vergleichung der Zeiten, m welchen die Erschein trog' an den ver
schiedenen Orten stattfand, eignet sieh augenscheinlich am besten der Endpunkt,
des plötzlichen Abfalles in den Kurven. Die Unsicherheit, welche ans der
Kleinheit der Zeitskala bei den Richard’schcu Barographen und aus den Unter
brechungen bei den nur in bestimmten Zeitmtervallen registrierenden Apparaten
entsteht, beeinträchtigt das Resultat der Front- und Fortpflanzungsgeschwindig
keits-Bestimmung nicht in sehr hohem Grade. Aus den Aufzeichnungen der
diskontinuirlich anfzeichnenden Barographen ist unter allen Umständen der Zeit
punkt herausgegriffen, zu welchem unmittelbar nach dem Absturz der niedrigste
Barometerstand' regist,rirfe wurde, auch wenn die Vermuthung nahe lag, dafs
dieser Werth nicht mit dem wirklich niedrigsten Stand zusammcnfiel.
Es ergeben sich so folgende Zeiten für den Endpunkt des Abfalls in den
Barogrammen:
Keitum 31.
Januar
7* 50“ p. m.
Berliner Zeit
Lübeck
>1
S h 56“ „
15
Hamburg
55
9 h 13“ *
55
Wustrow
51
9» 19™ „
15
(.Aachen
yy
10* 20“) „
»
Magdeburg
»
1Ü" 37“ „
55
Berlin
55
10 s 42” „
5?
Göttingern
5?
10 h 59“ ,,
51
Leipzig
55
ll h 34“ „
»
Chemnitz 1.
Februar
0» 2” a. m.
55
Prag
55
1“ 0“ „
15
München
»
P 22 m „
?5
Wendelstein
55
l h 45® ,
55
Bayrisch Zell l )
n
P 28“ _
y>.
Wien
yy
2 h 50“ „
y>
Pola
15
4 h 38“ „
55
Konstrdrt mau nach diesen Daten die Linien, welche dem gleichzeitigen
Eintritt jener Phase des Phänomens zu den vollen Stunden entsprechen, so
ergiebt sich zunächst eine Frontrichtung der Erscheinung von S 60° W, und
zwar stellt sich die Front als ziemlich geradlinig dar, mit einer höchstens sehr
unbedeutenden Konvexität nach Südosten zu. Die Entfernung der aufeinander
folgenden Stundenlinien zeigt sich ferner durchweg gleich, nämlich ca 115,5 km.
Da die Fortbewegungsrichtuiig, nach der Begrenzung im Westen und Osten zu
urtheilen, aber augenscheinlich nur wenig von der senkrechten zur Prontricbtung
abweicheu kann, so ergiebt sich dieser Werth zugleich als der in einer Stunde
von der Erscheinung zurückgelegte Weg oder eine Geschwindigkeit von etwa
32 m p. Sek.
Nach dem oben Gesagten erhält man demnach gewissermafsen eine
Profilkurve der Erscheinung, wenn man in grüfsor Annäherung in den Baro-
grainmen für die Stunden der Zeitskala die Länge eines Aequatorgrades, d. i.
111 km, setzt. So ergeben sich denn leicht die Gradienten zur Zeit des Ab
sturzes auf mindestens 13 cum (entsprechend der gröfstiriöglichste» Bewegung
des Schreibstiftes am Sprung’schen Barographen), sowie dio Tiefe des ganzen
Phänomens. Die an den einzelnen Orten auftretende Spitze erstreckt sich z. B.
über einen Zeitraum von etwa 20 Minuten, d. i. über eine Entfernung von nur
etwa 38 km.
So weit es das vorliegende Material zu beurtheilen zuläfst, findet während
des Fortschreiteus in südöstlicher Richtung weder eine weitere Fronteutwickehing
noch eine wesentliche Aenderung io der Intensität der Erscheinung statt, das
Letztere wenigstens jedenfalls nicht auf der Strecke Hamburg—Lübeck bis Pola.
Die nur viertelstündlichen Rcgistrirungea zu Keitum, lassen Zweifel darüber
entstehen, ob dort die Storung nicht weniger kräftig aufgetreten sei. Jedenfalls
zeigt das Phänomen eine aufserordentliche Erhaltungskraft in Bezug auf In
tensität und Bewegung.
1) Die Zeitb.estiuwnwg für Bayrisch Zeü ist wegeu der geringen Ausprägung der Spitze
sehr unsicher und daher in folgendem nicht berücksichtigt.