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Plötzlicher BsrometwfaÜ über Mitteleuropa.
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von Instituten und Privaten entsprochen und somit die Möglichkeit gegeben,
das Phänomen über einen grofsen Theil Mitteleuropas zu verfolgen. Vergreifend
mag schon hier bemerkt werden, dafs die Erscheinung nicht mit der Krakatoa-
Luftwello vom 27. August 1883 zu vergleichen ist, sondern sich durch ihre
Fortpflanzungsgeschwindigkeit als ein meteorologisches Phänomen erweist.
Als den in Tafel 10 enthaltenen, sämmtlicb auf Berliner Zeit reducirten
Barographenkurven von Keitum, bis Pola vom 31. Januar—1. Februar d. J.
gemeinsam zeigt sich auf den ersten Blick ein überaus schneller Abfall in der
Richtung des abnehmenden Luftdruckes, welcher, nach den verschiedenen Zeiten
beurtheilt, erkennen läfst, dafa derselbe an den verschiedenen Orten durch das
gleiche Phänomen in seinem weiteren Fortschreiten veranlafst worden ist
Dieses plötzliche Fällen des Barometers beträgt vielfach .1 mm und darüber, und
vollzieht sich das schnellste Sinken des Luftdruckes iu dem obengenannten
Betrage meist in der Zeit von höchstens 10 Minuten. Möglicherweise ist die
wirkliche Aenderung des Barometerstandes eine noch schnellere, denn der
Schreibstift der Barographen nach Sprung bewegte sich in dieser Zeit mit der
größtmöglichsten, durch die Konstruktion des Apparates beschränkten Ge
schwindigkeit, und die Zeitskala der ebenfalls kontinnirlieh aufzeichnenden
Barographen von Richard Frères ist eine zu kleine, um kleinere Zeitintervalle
genauer feststellen zu können.
In dem Verlauf unmittelbar nach dem plötzlichen Abfall treten jedoch
zwei Modifikationen auf. Einerseits, wie in Lübeck, Hamburg, Magdeburg,
Bayrisch Zell und Wien, fand eine fast ebenso schnelle und auch vielfach 1 mm
übersteigende Zunahme des Luftdruckes statt, wodurch eine scharfe Spitze in
den R cgi $ tr i r un gen entstand. Andererseits, wie besonders in Leipzig, Chemnitz,
Prag, München, Wendelstein und Pola, folgte dem Abfall unmittelbar keine
erhebliche Erhebung, wenngleich ein geringes Ansteigen der Kurve sich auch
in diesen letzteren Fällen bemerkbar machte. Eine Ausnahme macht hierin
Prag, wo vielleicht eine etwas stärkere Reibung am Apparat es verhinderte,
dafs aueh diese geringe Bewegung sich darstellte.
Zu der ersteren Modifikation der bezüglichen Barogramme dürften die
Aufzeichnungen zu Keitum auf Sylt und Güttingen zu rechnen sein, soweit die
eine Viertelstunde auseinander liegenden Registrirungen den Charakter der
Kurve erkennen lassen. In Wustrow deutete sieh die Erscheinung nur noch an.
Allerdings sind cs vor allen die Aufzeichnungen der Laufgewichts-Barographen
nach Sprung, welche die eigeuthümliche Spitze aufweisen; doch nicht aus-
sebiiefsÜch, denn zu Lübeck und Bayrisch Zell sind Barographen von Richard
Frères aufgestellt.
Besonders spriugt die Uebereinstimmung der Kurven von Lübeck und
Hamburg in die Augen. An letzterem Orte ist u. A. auch noch ein viertel
stündlich registrirender Wagebarograph in Funktion, welcher ebenfalls zur
gleichen Zeit jene Spitze zeigte.
Ferner entstammen die in der Tafel gegebenen Barogramme von Leipzig
und Chemnitz ebenfalls Instrumenten wesentlich verschiedener Konstruktion,
einem Wagebarographen und einem Richard Frères, und wurde noch besonders
vom Königlich sächsischen meteorologischen Institut gütigst mitgetheilt, dafs
die Aufzeichnungen eines ebenfalls in Leipzig aufgestellten Barographen von
Richard Frères bei entsprechender Verschiebung in Richtung der Zeitskala
vollständig mit denen zu Chemnitz zur Deckung zu bringen sind.
Demnach ist die Verschiedenartigkeit der Kurven nicht durchaus auf die
Verschiedenartigkeit der betreffenden Apparate zurückzuführen.
Womit aber diese verschiedene Aeufserung der Erscheinung in Zusammen
hang zu bringen ist, vermag der Berichterstatter nicht zu sagen. Weder scheint
der allgemeine Verlauf der Luftdruckänderung darauf von Einflufs gewesen zu
sein, denn die Spitze zeigt sieh nicht nur in den Kurven, welche nach derselben
noch ein weiteres stetiges Fallen und folgendes stetiges Steigen des Barometers
darstellen, wie Lübeck, Hamburg, Magdeburg, Berlin, sondern auch in der Kurve
von Wien, wo längere Zeit nach dem Auftreten der Spitze der Luftdruck ziem
lich konstant blieb. Noch ist die Phase im Verlauf der Erscheinung hierfür
mafagebend, da die Kurven von Leipzig, Chemnitz, Prag, München der zweiten
Modifikation, dagegen sowohl an den früher, wie u. A. Magdeburg und Berlin,