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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Bemerkungen über Santos. 
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Provisionen an Bord genommen werden. Gleich nach Ankunft eines Schiffes 
werden dessen Luken versiegelt, aber in einer recht nachlässigen Weise. Ge 
wöhnlich 48 Stunden nach Einreichung der Proviantliste kommt die Revisions 
kommission au Bord und legt Alles, was sie für gut befindet, unter Siegel. Vor 
Ablauf der ebenerwähnten Frist können etwa vergessene Gegenstände noch 
nachdeklarirt werden. Der Proviantraum wird auf Wunsch jeden Tag entsiegelt, 
um kleine Mengen Lebensmittel demselben zu entnehmen. Sehr häufig wird 
indefs der Proviant gar nicht versiegelt. Selten sieht der betreffende Beamte 
am folgenden Morgen nach, ob die Siegel, welche beim Löschen am Abend 
vorher auf die Luken gelegt wurden, auch noch unversehrt sind, und gar oft 
gestattet er es, die Luken ohne seine Gegenwart zu öffnen, falls er nicht um 
7 Uhr Morgens an Bord sein sollte. Allein bei diesem Vorgehen sollte man 
doch recht vorsichtig sein, denn cs kann sich ereignen, dafs statt des Beamten, 
der die obige Erlaubnifs ertheilte, am nächsten Morgen ein anderer kommt, der 
dann die vorzeitige Abnahme der Siegel zur Anzeige bringt, wofür der Kapitän 
in eine hohe Strafe verfällt. Auf meinen vielen Fahrten nach Brasilien bin ich 
immer, ohne gebrächt zu werden, davon gekommen. Es ist aber auch stets 
mein Bestreben gewesen, die Beamten höflich zu behandeln, sie gelegentlich bei 
mir einzuladen und ihnen kleine Geschenke in Form von komlensirter Milch 
oder einiger Tafeln Ohokolade für die Frauen und Kinder zu verabreichen. 
Gratifikation in klingender Münze ist unter Umständen auch angebi-acht; doch 
ist dieser üebelstand in Santos noch nicht so eitgerissen, wie in Rio de 
Janeiro. Auch dürfen diese Handlungen nicht etwa als Bestechungen der 
Beamten angesehen werden können; es soll durch sie nichts Ungesetzliches, 
sondern nur eine möglichst rasche Abfertigung erzielt werden. 
Die Unkosten der Bark „J. F. Pust“ von 414 Reg.-T. Gröfse waren 
in Santos die folgenden: 
Gebühr für die Binklarinmg bei der Zoll- und Hafenbehörde. 30,000 Milr., 
Gebühr für Manifestvergleichung 30,000 „ 
Gebühr für UobciSetzung von Manifest- und Proviantliste . 17,000 „ 
Brückengeld (sehr reell® Behandlung) ......... 84,000 ,, 
Für Benutzung der Vertäuungsringe nichts bezahlt, 
Ankunftstekgramm Gebühr 16,050 „ 
Adresse, 2 °/o für die einkommende Fracht, 22 Lstrl. 10 sh, 
ä 1 Milr. — 27 Pence, macht 200,000 „ 
Ausgehend Zollabgabe und Feuergelder 79,040 ,, 
Hospitalabgabe . 31,270 „ 
Pafs, zum Passiren des Forts an der Barre ....... 6,500 * 
Pafs, dem Hafenmeister vorzulegen 2,350 „ 
Gesundheitspafs (deutsches Konsulat gratis) 3,500 „ 
Verschiedene Siegel 2,800 „ 
Ausklarirungsgebühren 20,000 » 
Konsulatsgebühr 20,520 » 
Lootsengeid, einkommend ............. 25,000 „ 
Lootsengeld, ausgehend 15,000 „ 
Für Lukenbesichtigung 15,000 „ 
Schleppdampfer (eingesegelt) im Hafen ........ 15,000 » 
Schleppdampfer für das Schleppen nach See ...... 50,000 „ 
Arbeitslöhne beim Löschen ............. 96,000 „ 
An Gratifikationen 10,000 „ 
Für Ballast, 15 Tonnen Steine, a 1,700 Milr. 25,500 „ 
Für Ballast, 165 Tonnen Sand, ä 1,300 Milr 214,500 „ 
und Zoll für den Ballast nebst Erlaubnisschein 5,000 „ 
Zusammen 1014,030 Milr., 
oder zum Kurso „1 Milr. = 27 d.“ 114 Lstrl. 1 sh. 7 d. 
Der frühere durchschnittliche Kurs von 18 Pence gleich 1 Milr. ist all 
mählich auf 27 Pence gestiegen und damit auch die Sehiffsunkosten um 50 °/o 
gegen diejenigen früherer Jahre angewachsen.
	        
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