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Verhalten von Marine-Chronometern auf bewegter Unterlage.
Das für diese V er gleich ang benutzte Material ist enthalten in den Abhandlungen
von Prof. C. F. W. Peters: „Das Verhalten der Chronometer auf See“ (s. diese
Annalen 1881 Seite 648) und „Einige Bemerkungen über Chronometer“ (ibidem
1884, Seite 877 and 423), sowie in der Abhandlung von Kapt.-Lieüt. Zeye:
„Das Verhalten der Chronometer an Bord“ (ibidem 1884 Seite 138). Peters
konnte in der ersten Abhandlung aus Beobachtungen in den Jahren 1874
bis 1880 konstatiren, dafs die an Bord auftretenden Gangänderungen vorwiegend
in der positiven Richtung liegen; so fanden sich unter den 24 Chronometern,
bei welchen diese Aenderuuge« 2 Sekunden überstiegen, 22 retardirende und
nur 2 avancirende, Nicht so deutlich ist der Sinn der Gangänderung aus
gesprochen bei den in der zweiten Abhandlung von Peters diskutirten Instru
menten. Von 43 Chronometern lagen 57 längere Beobachtungsreihen an Bord
vor, und eine überschlägliche Zählung ergab, dafs in 24 Fällen ei« Retardiren
und in 18 Füllen ein Avanciren eingetreten war; in 15 Fällen blieb der Sinn
der GangänderuDg zweifelhaft. — Endlich stehen in der Abhandlung von Zeye
18 positiven Gangänderungen gegenüber 11 negative; in 9 Fällen war der Sinn
der Aenderung ebenfalls zweifelhaft. Wenngleich also die ßangänderung der
Chronometer an Bord durchaus nicht immer in einerlei Sinn erfolgt ist, so ist
doch in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ein Retardiren ein-
getreten, ein Resultat, welches scheinbar in Widerspruch tritt mit den Beob
achtungen, welche aus unseren Versuchen mit dem Combe’schen Apparate
gewonnen wurden.
Die neueren Untersuchungen des Herrn Prof. Peters (s, diese Annalen
1887, Seite 505) sowie die in den ersten Monaten des Jahres 1888 auf der
Seewarte ausgeführten Bcobaehfiragsreihen (§. diese Annalen 1889, Seite 107)
haben nun zweifellos dargethan, dafs die an Bord und an Land beobachteten,
oft sehr bedeutenden Gangimtcrechiede in erster Linie durch die ungleichen
Feuchtigkeits Verhältnisse der atmosphärischen Luft her vor gebracht werden. Es
hat sich gezeigt, dafs bei stark hygroskopischen Instrumenten bei Vermehrung
der relativen Luftfeuchtigkeit um 1 pCt. der tägliche Gang des Chronometers
sogar um -f-0,056 9 (im verlierenden Sinne) verändert wird, ganz abgesehen von
einem quadratischen Gliche, welches in dem gleichen Sinne wirkt und dessen
Gröfse wahrscheinlich von dem hauptsächlich während des Aufenthaltes an
Bord schnell wachsenden Grade der Verunreinigung und der Rostbildung ab
hängig ist. Bei grofsen Differenzen der relativen Luftfeuchtigkeit an Bord und
an Land (z. B. 40 bis 50 pCt.) wird deshalb nicht allein der avancirende Ein-
Oufs der Schiffsbewegung kompensirt, sondern weit übertroffen durch die stark
retardirende Wirkung der vermehrten Luftfeuchtigkeit. Es läfst sich sogar ver-
muthen, dafs die Summe beider Einflüsse im Allgemeinen nur dann das negative
Vorzeichen annimmt, wenn infolge der Mangelhaftigkeit der kardanisehen
Aufhängung die SchiffsbeweguDg den Gang der Instrumente sehr bedeutend
beeinflußt. Derartige Fälle aber sind jedenfalls nicht selten: Nach den Erfah
rungen des Chvonometer-Prüfungg-Instituls wird nur zu häufig eine genügende
Adjustirung der kardanisehen Aufhängung, sowie eine Kontrolle derselben
sowohl von den Fabrikanten wie von den SchifMührern vernachlässigt.
Eine interessante Bestätigung der hier abgeleiteten Resultate wird durch
die an Bord des Dampfers „Neko“ von Herrn Dr. F. В ölte gewonnenen und in
diesen Annalen (1888, Heft X) veröffentlichten Beobachtungen gegeben. Herr
Dr. Bolte konnte nach Berücksichtigung der hier ermittelten Temperatur- und
Feuchtigkeits-Koöfficienteii konstatiren, dafs für die (nach breitheiliger Skala
geschätzte) Schiffsbeweguug 1 sich iür die Veränderungen der täglichen Gänge
die resp. Werthe ergaben:
(Bröcking 1103) (Ehrlich 406) (Kutter 23)
S Й s
— 0,6 — 0,9 1,7
Es wäre zu wünschen, dafs durch sorgfältige Führung des von der See
warte vorgeschlagenen Chronometer-Journales durch die Schiffsführer in Ver
bindung mit der Untersuchung der Instrumente auf dem Chronometer-Institute
vor und nach den Reisen ein größeres statistisches Material gewonnen würde.
Nur auf Grund der Diskussion einer gröfseren Anzahl von Eiuzelfällen aus