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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Aus deia Reiseberichte des deutschen Dreimastschoners „Neptun*. 
zu bringen. Um 8 Uhr Morgens am 6. September verliefsen wir im Tau eines 
Schleppdampfers und mit einem Lootsen an Bord die Werft in Dunedin und 
passirten um ll 1 a. m. bei mäfsigem NNE-Winde Olago. Am Nachmittage des 
folgenden Tages segelten wir durch den North Channel und erhielten N S /*W von 
Dog Island bei der schwarzen Aufsentonne einen Lootsen und einen Schlepp 
dampfer. Letzterer schleppte das Schiff direkt an die Werft in Bluff Harbour, 
an der wir es nm 4 h p. m. vertäuten. 
Hochwasser tritt hier mit Voll- und Neumond um l k 18 m auf. Der Hafen 
ist gegen alle Winde geschützt. Die Schiffe liegen an der Werft, woselbst auch 
für die gröfsten eine genügende Wassertiefe vorhanden ist, bei jedem Wetter 
sicher. Leider ist die Einfahrt zu diesem Hafen, infolge des hier herrschenden 
unbeständigen Wetters, manchmal recht gefährlich, besonders auch deshalb, 
weil die Lootsen bei stürmischen Winden nicht eher an Bord kommen, als bis 
das Schiff sich innerhalb der Aufsengründe und Siarling Point befindet. Es ist 
schon vorgekommen, dafs Schiffe in der Nähe von Bluff Harbour durch einen 
plötzlich hereinbreehonden Weststurm zurückgetrieben wurden und den Hafen 
erst nach Verlauf von drei Wochen wieder erreichen konnten. Bei der An- 
segelung hat man die Spitze Waipapapa möglichst zu meiden, da in einer Ent 
fernung von 3 Sm von derselben gefährliche Klippen liegen. In der Foveaux- 
Strafse setzen Fluth und Ebbe östlich und westlich, mit einer Geschwindigkeit 
von l'/s bis 3 Kn. 
Die Unkosten in Bluff Harbour sind hoch, nämlich Lootsgcld 6 d, pro 
Reg.-Ton. eingehend und ebenso viel ausgehend, nimmt mau einen Schlepp 
dampfer. so beträgt beides zusammen 9 d., wird aber vom 1. Oktober an auf 
6 d. heruntergesetzt. Das Hafengeld ist 6 d. pro Tonne, das Werftgeld 1 d. 
pro Tonne und Woche. Trinkwasser kostet an der Werft 1 sh. die Tonne. 
Die Kaufleute wohnen zumeist in lmereargill, welches mit der Eisenbahn in 
einer halben Stunde zu erreichen ist, doch haben sie meistens einen Agenten 
in Bluff Harbour. Ist dieses nicht der Fall, so besorgt man die Zollhaus 
geschäfte selbst. Die Beamten, sowie die ganze Bevölkerung sind sehr gefällig 
und zuvorkommend. 
Am 28. September erhielten wir den Rest unserer Ladung und verliefsen 
um 3 Uhr Nachmittags den Hafen, um nach Lyttelton zu segeln. Der Lootse 
begleitete das Schiff bis zur Aufsentonne, woselbst er mit- dem Schleppdampfer 
uns verliefs. Die ganze Ladung des „Neptun“, eines Schiffes von 386 Reg.- 
Tonnen, bestand ans 244 000 laufenden Fufs Holz, von denen 20 000 Fufs auf 
dem Deck verstaut waren. Dabei hatte das Schiff einen Tiefgang von 14 Fufs 
8 Zoll hinten und 13 Fufs 4 Zoll vorn. 
Lyttelton. Nach einer Reise von vier Tagen kamen wir am 2. Oktober 
in Lyttelton an. Die Holzladung wurde gelöscht und dann bis zum 27. Oktober 
eine für Auckland bestimmte, aus 4707 Säcken Hafer und 650 Säcken Weizen 
(10 Säcke gleich 1 Tonne Schwergut) bestehende Ladung wieder eingenommen, 
mit welcher das Schiff hinten 14 Fufs 2 Zoll und vorn 12 Fufs 8 Zoll tief 
ging. Um 4 h p. m. am letztgenannten Tage wurde das Schiff uuter Lootsen- 
kommando von einem Schleppdampfer nach See geschleppt. Um 5 h p. m. ver 
liefsen uns Schleppdampfer und Lootse, 3 Sm aufserhalb Codley Point. 
Im Hafen von Lyttelton tritt das Hochwasser zur Zeit des Voll- und 
Neumondes um 4 h 20“ ein. Das Wasser steigt und fällt bei Springgezeiten 
2,2 m (7Vi Fufs), bei tauben Gezeiten 1,5 m (5 Fufs). Die geographische Lage 
der Eisenbahnstation in Lyttelton ist 43° 36' 30" S-Br und 172° 45' 45"0-Lg. 
Um l h 0“ 0 S p. m. mittlerer Normalzeit von Neuseeland, welche auf den Meridian 
von 172° 30' Ost bezogen wird, fällt in Lyttelton ein Zeitball. 
Auokland. Diesen Hafen erreichte „Neptun“ um 10 Uhr Vormittags 
am 2. November. Die beste und sicherste Einsegelung zu demselben gewährt 
der Rangitoto-Kanal; das gleichnamige Riff, auf welchem jetzt ein Leuchtthurm 
erbaut wird, wird durch eiae Bake gekennzeichnet. Die gegenüberliegende 
Küste ist bis Takapuna Head, woselbst einige durch eine schwarze und eine 
rothe Bojo gekennzeichnete Klippen liegen, frei von Untiefen. 
Die Schiffe sind hier nicht lootspflichtig. Das Lootsenwesen, welches 
früher eine staatliche Einrichtung und der Hafenbehörde unterstellt war, ist in 
Privathände übergegangen, was zur Folge gehabt hat, dafs zwischen den Lootsen
	        
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