20
Aus deia Reiseberichte des deutschen Dreimastschoners „Neptun*.
zu bringen. Um 8 Uhr Morgens am 6. September verliefsen wir im Tau eines
Schleppdampfers und mit einem Lootsen an Bord die Werft in Dunedin und
passirten um ll 1 a. m. bei mäfsigem NNE-Winde Olago. Am Nachmittage des
folgenden Tages segelten wir durch den North Channel und erhielten N S /*W von
Dog Island bei der schwarzen Aufsentonne einen Lootsen und einen Schlepp
dampfer. Letzterer schleppte das Schiff direkt an die Werft in Bluff Harbour,
an der wir es nm 4 h p. m. vertäuten.
Hochwasser tritt hier mit Voll- und Neumond um l k 18 m auf. Der Hafen
ist gegen alle Winde geschützt. Die Schiffe liegen an der Werft, woselbst auch
für die gröfsten eine genügende Wassertiefe vorhanden ist, bei jedem Wetter
sicher. Leider ist die Einfahrt zu diesem Hafen, infolge des hier herrschenden
unbeständigen Wetters, manchmal recht gefährlich, besonders auch deshalb,
weil die Lootsen bei stürmischen Winden nicht eher an Bord kommen, als bis
das Schiff sich innerhalb der Aufsengründe und Siarling Point befindet. Es ist
schon vorgekommen, dafs Schiffe in der Nähe von Bluff Harbour durch einen
plötzlich hereinbreehonden Weststurm zurückgetrieben wurden und den Hafen
erst nach Verlauf von drei Wochen wieder erreichen konnten. Bei der An-
segelung hat man die Spitze Waipapapa möglichst zu meiden, da in einer Ent
fernung von 3 Sm von derselben gefährliche Klippen liegen. In der Foveaux-
Strafse setzen Fluth und Ebbe östlich und westlich, mit einer Geschwindigkeit
von l'/s bis 3 Kn.
Die Unkosten in Bluff Harbour sind hoch, nämlich Lootsgcld 6 d, pro
Reg.-Ton. eingehend und ebenso viel ausgehend, nimmt mau einen Schlepp
dampfer. so beträgt beides zusammen 9 d., wird aber vom 1. Oktober an auf
6 d. heruntergesetzt. Das Hafengeld ist 6 d. pro Tonne, das Werftgeld 1 d.
pro Tonne und Woche. Trinkwasser kostet an der Werft 1 sh. die Tonne.
Die Kaufleute wohnen zumeist in lmereargill, welches mit der Eisenbahn in
einer halben Stunde zu erreichen ist, doch haben sie meistens einen Agenten
in Bluff Harbour. Ist dieses nicht der Fall, so besorgt man die Zollhaus
geschäfte selbst. Die Beamten, sowie die ganze Bevölkerung sind sehr gefällig
und zuvorkommend.
Am 28. September erhielten wir den Rest unserer Ladung und verliefsen
um 3 Uhr Nachmittags den Hafen, um nach Lyttelton zu segeln. Der Lootse
begleitete das Schiff bis zur Aufsentonne, woselbst er mit- dem Schleppdampfer
uns verliefs. Die ganze Ladung des „Neptun“, eines Schiffes von 386 Reg.-
Tonnen, bestand ans 244 000 laufenden Fufs Holz, von denen 20 000 Fufs auf
dem Deck verstaut waren. Dabei hatte das Schiff einen Tiefgang von 14 Fufs
8 Zoll hinten und 13 Fufs 4 Zoll vorn.
Lyttelton. Nach einer Reise von vier Tagen kamen wir am 2. Oktober
in Lyttelton an. Die Holzladung wurde gelöscht und dann bis zum 27. Oktober
eine für Auckland bestimmte, aus 4707 Säcken Hafer und 650 Säcken Weizen
(10 Säcke gleich 1 Tonne Schwergut) bestehende Ladung wieder eingenommen,
mit welcher das Schiff hinten 14 Fufs 2 Zoll und vorn 12 Fufs 8 Zoll tief
ging. Um 4 h p. m. am letztgenannten Tage wurde das Schiff uuter Lootsen-
kommando von einem Schleppdampfer nach See geschleppt. Um 5 h p. m. ver
liefsen uns Schleppdampfer und Lootse, 3 Sm aufserhalb Codley Point.
Im Hafen von Lyttelton tritt das Hochwasser zur Zeit des Voll- und
Neumondes um 4 h 20“ ein. Das Wasser steigt und fällt bei Springgezeiten
2,2 m (7Vi Fufs), bei tauben Gezeiten 1,5 m (5 Fufs). Die geographische Lage
der Eisenbahnstation in Lyttelton ist 43° 36' 30" S-Br und 172° 45' 45"0-Lg.
Um l h 0“ 0 S p. m. mittlerer Normalzeit von Neuseeland, welche auf den Meridian
von 172° 30' Ost bezogen wird, fällt in Lyttelton ein Zeitball.
Auokland. Diesen Hafen erreichte „Neptun“ um 10 Uhr Vormittags
am 2. November. Die beste und sicherste Einsegelung zu demselben gewährt
der Rangitoto-Kanal; das gleichnamige Riff, auf welchem jetzt ein Leuchtthurm
erbaut wird, wird durch eiae Bake gekennzeichnet. Die gegenüberliegende
Küste ist bis Takapuna Head, woselbst einige durch eine schwarze und eine
rothe Bojo gekennzeichnete Klippen liegen, frei von Untiefen.
Die Schiffe sind hier nicht lootspflichtig. Das Lootsenwesen, welches
früher eine staatliche Einrichtung und der Hafenbehörde unterstellt war, ist in
Privathände übergegangen, was zur Folge gehabt hat, dafs zwischen den Lootsen