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Verhalten von Marine-Chronometern auf bewegter Unterlage.
Zur Ableitung definitiver Temperatur- und Luftdruck-Koefficienten für
die Pendeluhr К lieblich 2090 erwies sich das vorliegende Material als nicht
geeignet, da während der Dauer der Untersuchung zur Verminderung des für
die Rechnung unbequem grofsen Ganges wiederholt Veränderungen des Pendel’
Schwerpunktes rorgcnommen worden waren. — Ein Versuch, welcher mit der
längsten ununterbrochenen Beobachtungsreihe, 1, bis 24. Juli, gemacht wurde,
lieferte die Gangformel:
(go) (a) (b>
g — — 0*162 4- 0U63 (t — 16° C.) + 0,007 (B — 760' mm).
Doch erreichten die mittleren Fehler der einzelnen Koefficienten den Betrag
von resp.
(go) ±0,102
(a) ±0,101
(b) ±0,010.
E$ ist deshalb vorgezogen worden, in diesem Falle ohne Rücksicht auf
Temperatur uud Luftdruck, die in oben angegebenerWeise gefundenen normalen
Stände der Pendeluhr für die Epochen der Obronometervergleichungen der Zeit
proportional zu interpoliren. — Nur während der Tago vom 26- bis 30. Juni
sind wegen der soeben erwähnten Veränderungen dos Pendelsehwerpunktes die
Resultate der täglichen Vergleichungen direkt benutzt worden.
Zu den Untersuchungen mit dem Combe’schen Apparate wurden mit Er
laubnis der betreffenden Fabrikanten die folgenden Marinechronometer benutzt:
Gerlin 998,
Bröcking 1084,
Matth. Petersen 169,
Ehrlich 453.
Was die Konstruktion dieser Instrumente anbetrifft, so sind alle vier
übereinstimmend mit dem einfachen Eärnshaw-Chvonometer-Echappement vor*
sehen. Bei den Chronometern Gerlin, Bröcking und Petersen ist ferner die
gewöhnliche Hülfskompensation für Wärme augewendet worden, welche in
Temperaturen von 18° bis 30° C. in Wirksamkeit tritt, während das Chrono
meter Ehrlich die sogenannte Zügelkompensation trägt. Letztere besteht darin,
dafs die beiden Bogen der Unruhe an den beiden Stellen, wo dieselben durch
schnitten sind, wieder durch je eine klein© halbkreisförmige Feder verbunden
werden. Der Zweck dieser Federn ist, Gestalte- und Schwerpunktsverändorungen
der beiden Hälften der Unruhe, welche durch Temperaturunterschiede erzeugt
werden, möglichst zu verhindern.
Die genannten Instrumente haben sämmtlich die neunte in Abtheilung IV
der Seewarte im Winter 1885—86 abgehaltene Konkurrenz-Prüfung mitgemaeht
und sind mit dem Prädikate „ausgezeichnet“ aus derselben hervorgegangen.
Die charakteristischen Zahlen (A -j- 2B), welche bei der hier üblichen Be-
urtheilungsart das Kriterium der Güte bilden, waren resp.
(Gerlin) 31,2
(Bröcking) 22,7
(Petersen) 30,8
(Ehrlich) 33,6.
Aus den Resultaten der Konkurrenz wurden ferner die Gangformeln
abgeleitet:
(Gerlin) g = — 2)912 + 0,2054 (t — 15°) — 0-0204 (t — 16°Я
(Bröcking) g = —10,811 — 0,3473 (t — 16°) + 0,0207 (t ; —15°) 2
(Petersen) g = — 6,127 — 0,7847 (t —15°) -f- 0,0375 (t — 15°)»
(Ehrlich) g «= +17,501 — 0,7104 (e —15°) + 0,0262 (t —15°)*
(Zeiteinheit; Die Dekade),