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Arm. d. Hydr. etc., XYII. Jahrg. (1889), Heft VI.
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Bericht über die im Lichthofe der Deutschen Seewarte in der Zeit
vom 16. IVlai bis 24. Juli 1886 mit dem Chronometer-Schaukel-
Apparate ausgeführten Untersuchungen zur Ermittelung des Ver
haltens von IViarine-Chronomefern auf bewegter Unterlage.
Nachdem bereits im Jahre 1883 mit dem im Liehthofe der Seewarte auf
gestellten Combe’scken Apparate vorläufige Untersuchungen unternommen worden
waren, welche in erster Linie die Regelmäßigkeit in der Bewegung und die
Zuverlässigkeit aller instrumentellen Einrichtungen darthun sollten, wurde zur
Ermittelung des Verhaltens von Chronometern auf bewegter Grundlage, unter
theilweiscr Aenderung des früheren Untersuchungsprogramms in der Zeit vom
16. Mai bis 24. Juli 1886 eine längere Beobachtuugsreihe ausgeführt.
Als Grundlage für diese Untersuchung wurden die vom Assistenten der
Abtheilung IV an den Meridianinstrumenten der Hamburger Sternwarte ge
wonnenen Zeitbestimmungen benutzt. Als Normaluhr während der Zwischen
zeiten diente bis zum 19. Juni die im Keller der Sternwarte im luftverdünnten
Baume aufgestellte Pendeluhr Tiede. Nachdem die letztere Uhr zum Zwecke
einer Reparatur demontirt worden war, wurde als Normalzeit das Mittel aus
den beiden Pendeluhren Bröcking No. 40 und Dencker No. 10 angenommen.
Die Uebertraguug der Zeit von der Sternwarte zum Hauptgebäude der
Seewarte wurde vermittelst Chronometer und Telephon ausgeführt: Der Assistent
der Abtheilung 1Y gab ein dreimaliges „Topp“, welches auf der Seewarte auf
den mit der Pendeluhr Knoblicb 2090 in Verbindung stehenden Chronographen
übertragen wurde. Die in dieser Weise täglich ermittelten Stände der Pendel
uhr Knoblich wurden aber nicht sämmtlich in die weiteren Rechnungen hinein
gezogen, sondern es wurde, um die Fehler in der Standbestimmung des zur
Uebertraguug verwendeten Chronometers, sowie die Ungenauigkeit der einzelnen
Uebertraguug selbst möglichst auszugleichen, die Reduktion in folgender Weise
ausgeführt. Das Mittel der Stände aus denjenigen Uebertragungen, welche eine
auf der Sternwarte angestellte Zeitbestimmung einschliefsen, wurde für das
Mittel der Uebertragungszeiten als Uhrstand angenommen. Zwischen diesen
normalen Uhrständen wurde danu der Zeit proportional interpolirt. Ein solches
Vorgehen ist sicher um so mehr gerechtfertigt, als durch frühere Beobachtungen
des Herrn Direktors der Seewarte festgestellt worden war, dafs die Pendeluhr
Knoblich 2090 als ein durchaus zuverlässiges Instrument gelten darf. — Der
Versuch, der Pendeluhr Knoblich eine noch gröfsere Zuverlässigkeit zuzu
schreiben und nur Zeitbestimmungen in Intervallen von 8 bis 10 Tagen zu
benutzen, mufste aufgegeben werden, da dann die Differenzen zwischen den
Resultaten der täglichen Vergleichung und den interpolirten Ständen in einzelnen
Fällen die Höhe von 0,9 S erreichten, ein Betrag, welcher zweifellos weit aufser-
halb der bei der einzelnen Uebertraguug zu erwartenden Grenze der Ungenauig
keit liegt.