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Aus dem Reiseberichte der deutschen Berk „Frieda Grasopp“.
mehr vorhanden, oder so umwachsen, dafs er auch selbst von dem Ankerplätze
ans nicht mehr auszumachen ist. Bei Niedrigwasser und günstiger Beleuchtung
sind die Riffe und Sände so gut zu sehen, dafs die Nnvigirung nach dem Auge
ohne Leitmarken keine Schwierigkeiten macht.
Die Rhede ist beim SW-Monsun gegen Seegang geschützt, die Landung
ist aber, besonders bei Niedrigwasser, selbst mit leichten Booten unbequem, da
Sand und Schlammbänke mehrere Kabellängen weit vom Lande trocken fallen.
Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Frieda Grampp“,
Kapt. C. F. Lindenberg.
(Mittheilnüg von der Deutschen Seewürfe.)
Hakodate. Am Nachmittage des 21. Juli 1886 kreuzten wir auf der
Reise von Yokohama nach Hakodate in der Ts«<7«?‘-Strafse gegen leichten west
lichen Wind. Iu der Mitte der Strafse läuft fast beständig eia starker östlicher
Strom, doch ist das Aufarbeiten mit einem Schiffe dicht unter der Südküste
entlang bis zur Insel Low vcrhältnifsmäfsig leicht. Ein geofser Vortheil besteht
darin, dafs ein Schiff hier bei einigermaften ruhig ausgehender Witterung, wenn
gleich auf einer Wassertiefe von 36 m (20 Fad.) und dem Lande reichlich nahe,
ankern Und den Strom stoppen kann. Beim Hinübersteuern nach der anderen
Seite gelangten wir dreimal bis dicht vor Hakodate, wurden aber jedes Mal
von der Strömung wieder aus der Strafse hinausgetrieben. Erst in der Nacht
vom 24. bis 25. Juli brachte uns eine steife nordöstliche Briese um l h a. m.
bis nach Hakodate Head, und am folgenden Tage erreichten wir den Hafen.
Lootsen sind hier nicht vorhanden, aber auch nicht erforderlich; denn mit
einer guten Specialkarte versehen und unter fleifsigem Gebrauch des Lothes
läfst sich die Einsegelung sehr wohl ohne einen solchen ausführen. Die Spccial-
karte erhielt ich in Yokohama nach vielem Bitten und gegen Zahlung von 3 Doll,
von der „Oriental Steam Navigation Company“. Durch das Loth kann man
sich beim Einsegeln nach Hakodate sehr leicht orientiren; aufserdem liegen
gewöhnlich sehr viele Kriegsschiffe hinter einander im Fahrwasser, an denen
man nur entlang zu segeln braucht, bis die Wassertiefe auf 9 bis 7 m (5 bis
4 Fad.) abgenommen hat, worauf man das Schiff mit 55 m (30 Fad.) Kette
verankert.
Eine Folge der Anwesenheit der vielen Kriegsschiffe in Hakodate ist die
Vertheuerucg aller Schiffsbedürfnisse daselbst; obwohl in einem Fischerorte,
sind doch frische Fische manchmal kaum zu bezahlen. Der Gesundheitszustand
Hakodates ist ein guter. Der Seeverkehr wird, abgesehen von einigen kleinen
Küstenfahrern, fast ansschliefslicli von Dampfern betrieben. „Frieda Grampp“
war das einzige gröfsere Segelschiff im Hafen. Das Uebernehmen der Ladung
geht ziemlich schnell von Statten. Es dürfte von grofsem Interesse sein, eine
genaue Untersuchung des Wassers in der Bucht von Hakodate anzustellen, um
dessen Bestandteile kennen zu lernen. Es wird nämlich behauptet, dafs bei
längerem Stillliegen eiserne Schiffe von demselben derart angegriffen werden,
dafs sie leck werden und sinken, und hält aus diesem Grunde die japanische
Regierung auch ihre Schiffe so viel als möglich von dieser Gegend fern.
Kuro Siwo. Am 13. August 1886 verlieft „Frieda Grampp a den Hafen
von Hakodate, um nach Yririri«»?« zu segeln, woselbst sie am 4. September
anlangte. Ueber das Verhalten des Kuro Siwo an der japanischen Küste be
merkt Kapt. Lindenberg das Folgende:
Der Kuro Siwo ist in seiner Ausbreitung, Geschwindigkeit und Richtung
im hohen Grade vom Winde abhängig. Bei ablandigem, selbst schwachem
Winde wird er von der Küste abgedrängt, so dafs hier kein Strom stattfindet,
und nimmt weiter vom Lande ab eine östliche bis südöstliche Richtung an.