Die leaehtenden Naehtwolken.
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Horizont mittelst eines Winkelmefsmstrumentes unter Notirung der jedesmaligen
genauen Zeit ausgeführt werden, so sind diese besonders willkommen,
Sternwarten, welche im Besitze der geeigneten Hülfsmittel sind, werden
um spektroskopische Untersuchungen der leuchtenden Nachtwolken gebeten.
In der Nähe von Berlin wird die nächste Erscheinung der leuchtenden
Nachtwolken besonders zu Höhenbestimmuugen mittelst gleichzeitiger photo
graphischer Aufnahmen an verschiedenen Orten ausgenutzt werden. Es besteht
die Absicht, diese Höbenbestimmungen unter möglichst verschiedenen atmo
sphärischen Zuständen auszuführeo, um auch besonders den etwaigen Einßufs
der grofsen atmosphärischen Wirbel auf den Abstand des Phänomens von der
Erdoberfläche zu ermitteln.
Beschreibung der Erscheinung. Das Phänomen der leuchtenden
Nachtwolken tritt immer nur innerhalb desjenigen Theiies des Abend- oder
Morgenhimmels auf, welcher von dem Dämmerungslichte erhellt, und welcher
gegen den Nächthimmel durch einen mehr oder weniger verwaschenen Halb
kreis, den Dämmeniügsbogen, begrenzt ist. Es erscheint, wenn es überhaupt
vorhanden ist, am Abend dann, wenn die Sonne etwa 10° unter dem Horizont
sich befindet, oder wenn der Dämmerungsbogen eine Höhe von etwa 20° über
dem Horizont hat, und es bleibt gewöhnlich so lange sichtbar, als die Dämmerung
anhält. Morgens ist der Verlauf umgekehrt. Die leuchtenden Nachtwolken sind
den gewöhnlichen Cirruswolken in Bezug auf Form und Struktur sehr ähnlich;
aber sie unterscheiden sich tu einigen wesentlichen Punkten von ihnen, wodurch
sie im Allgemeinen sofort zu erkenuen sind. Wenn nämlich gewöhnliche Cirrus
wolken innerhalb des Dämmerungssegmentes zu jener Zeit, wenn die Sonne
10° und mehr unter dem Horizont ist, sich befinden, so sind dieselben immer
dunkler, als der sie umgebende Dämmerungshimmel; die leuchtenden Nacht
wolken sind dagegen immer heller, als der letztere. Ferner: die
gewöhnlichen Cirruswolken verschwinden im Allgemeinen nicht, wenn der
Dämmerungsbogen über sie hinweg geht, so dafs sie in den Nachthimmel ein-
treten; sic verändern nur ihr Aussehen in der Weise, dafs sie, während sie
vorher dunkler waren, als ihre unmittelbare Umgebung, nach dem Eintritt in
den Naehthimruel aber heller sind, als ihre unmittelbare Umgebung. Die
leuchtenden Nachtwolken verschwinden aber gänzlich, sobald der
Dämmerungsbogen über sie hinweg geht, und nur derjenige Theil bleibt
sichtbar, welcher innerhalb des Dämmerungssegmentes liegt. — In Bezug auf
die Farbe der leuchtenden Nachtwolken ist zu erwähnen, dafs dieselben mit
einem weilsen silberartigen Glanze leuchten, welcher in der Nähe des Horizontes
in Goldgelb übergeht. — Berücksichtigt mau ferner den tiefen Stand der Sonne
von 10° bis 18° unter dem Horizont, bei welchem das Phänomen nur sichtbar
ist, bei welchem aber die sonstigen auffallenden Lichteffekte der Dämmerung
meist schon verschwunden sind, so wird man über die leuchtenden Nachtwolken
nicht zweifelhaft sein können. — Bemerkenswerth ist es ferner noch, dafs das
Phänomen innerhalb der jahreszeitlichen Periode der Sichtbarkeit nicht an jedem
sonst wolkenfreien Abend oder Morgen auftritt, sondern dafs es meist in
Zwischenräumen von 8 bis 14 Tagen erscheint und dann in der Regel mehrere
Nächte hinter einander sichtbar ist. Zur Beobachtung des Phänomens ist ein
in der Dämmerungsgegend möglichst freier Horizont nothwendig. Gaslicht und
elektrisches Lieht sind im Allgemeinen störend für die Wahrnehmbarkeit.
Nachschrift. Die leuchtenden Nachtwolken sind nun auch — meiner
Vermuthung entsprechend — an der Südspitze von Süd-Amerika gesehen worden.
Wie mir Herr Stubenrauch, meteorologischer Beobachter in Punta Arenas,
soeben brieflich mittheilt, hat derselbe das Phänomen im Dezember 1888 zwei
Mal beobachtet. Ferner ist es derselben Mittheilung zufolge auch schon seit
mehreren Jahren im Beagle Channel, etwas südlich von Punta Arenas, von
einem Seeoffizier bemerkt worden. Die Beschreibung, welche Herr Stuben
rauch von der Erscheinung giebt, läfst keinen Zweifel darüber, dafs dieselbe
mit der in Europa beobachteten identisch ist.
Berlin, Sternwarte, im März 1889.
0. Jesse.